Green Turtle Cay

Wenn Great Guana Cay schon wirklich hübsch war, gibt es für Green Turtle Cay nur eine Bezeichnung: entzückend. Gleich am komfortablen Dinghisteg empfängt einen ein freundliches Willkommensschild. 

Der Ort New Plymouth ist dann die reinste Puppenstube. Die sauber gestrichenen Häuschen haben alle einen Namen, der irgendwo an die Hauswand genagelt ist. Gärten sind reichlich bepflanzt, Frangipaniblüten und Bougainvillen ragen über die Zäune. Hier muss die karibische Rosamunde Pilcher gewohnt haben. Selbst während der geschäftigsten Zeit am späten Nachmittag strahlt das Örtchen mit seinen 450 ständigen Einwohnern Ruhe aus. 

Segler sind hier gern gesehen. Ein riesiger Abfallcontainer steht zur Verfügung und es gibt sogar eine Notausrüstung für das Schiff im Angebot eines der kleinen Läden. Auch eine Kneipe mit eigenem Anleger für Dinghis ist vorhanden. Und wenn man nicht in die Kneipe möchte, kann man es trotzdem befestigen. 

Heiß ist es geworden. Die Kocherei findet wieder bei fließendem Schweiß statt, am späten Abend sind es immer noch 28 Grad. Ich schlafe inzwischen wieder mit meinem Freund, dem Ventilator vor dem Gesicht. Selbst im Cockpit ist es nicht kühler, da zur Zeit auch kein Wind weht. Ein Gutes hat es: ich kann ohne Anzug ins Wasser, das mittlerweile auch seine 28 Grad erreicht hat. 😅

Trotz der Hitze ist es ein schöner Ort für unsere letzten Tage auf den Bahamas. Ein wenig Wehmut schleicht sich ein. Wer weiß, was kommt……

Erstmal kommt aber die Überfahrt zur Küste. Wir werden dem Wind etwas entgegen fahren müssen, dann aber sollte er durchhalten bis St. Augustine, wo wir wieder einklarieren werden. 

Ich habe beschlossen einen Thuna zu angeln. Es ist mal wieder Zeit für Sashimi, Ingwer ist auch nichtig Haus. 

See You in the US

Great Guana Cay

Das gelbe Ding ist von der Landkarte verschwunden. 2 Tage sitzen wir auf dem Schiff und eine Front nach der anderen zieht mit ordentlich Wind über uns hinweg. Dann lässt es nach und wir können endlich mal wieder an Land. 

Great Guana Cay überrascht uns positiv. Was für ein Unterschied zu Marsh Harbour. Wir finden einen niedlichen kleinen Ort in dem ein gepflegtes und buntes kleines Häuschen neben dem anderen steht. Überall laufen ebenso gepflegte und wohlgenährte Katzen herum, ich vermute mal, das hat seine Gründe. Es ist sauber und überaus grün. So grün hatte ich mir das vorgestellt. Verschlungene Wege führen auf die Atlantikseite auf der sich ein ebenso sauberer weiter Strand auftut. Auch das gute alte Türkis kommt hier wieder zum Vorschein. 

Nach zwei Tagen wird auch das Wasser auf unserer geschützten Innenseite etwas klarer. Zwar immer noch in dunkelgrün wegen des Seegrases, aber immerhin kann man nun den Grund sehen.

Tatsächlich ist auch der kleine Supermarkt gut bestückt. Über die Preise lohnt es nicht zu sprechen, das Preisniveau in den Abacos übertrifft nun mal alles Vorhergehende. ( 10 $ für einen Bund Frühlingshwiebel, ein kleines Büschel Minze und eine Gurke. Es ist alles gesagt.)

Immerhin macht es mal wieder Freude ein paar Fotos zu schießen.

          

Gestern fahren wir dann weiter nach Green Turtle Cay. Auch dort soll es sehr hübsch sein. Die Ankerbucht ist weiträumig und wie wir schnell feststellen sehr unruhig. Kleine Freizeitboote schießen von rechts nach links. Gleich beim Anker abtauchen wird Reiner fast von einem Motorboot übergemangelt. Ich brülle zwar noch laut, aber die 300 PS übertönen meine Warnrufe. Es folgt keine Reaktion. Gott sei Dank hört Reiner den Motor unter Wasser und taucht rechtzeitig ab,  bevor er zerhäckselt wird. Beim nächsten Mal sichere ich mit dem Dinghi von oben ab. 

Nun warten wir auf Wind, der uns an die US-Küste bringt. Erstmal scheint ein echtes Windloch zu folgen. Sehr ungewöhnlich, eigentlich weht es hier fast immer. Na abwarten, die Hoffnung stirbt zuletzt. 

Ostseefeeling

Wir bekommen die Kurve in Marsh Harbour nicht. Die horrenden Preise im Zusammenhang mit dem überall rumfliegenden Müll, der auch an der eigentlich noch ganz netten Uferstraße liegt, bekommen wir nicht unter einen Hut. Kurz entschlossen holen wir den Anker hoch und fahren schräg gegenüber zum Great Guana Cay. Hier soll es deutlich schöner sein, sagt die Crew der „Lusea“, die kurz vorher hier war. 

Einigermaßen geschützt werfen wir den Anker in der Fisher‘s Bay, in der Nähe des Hauptortes. Der Ankergrund soll schlecht halten, es liegen jedoch Moorings aus. Beim ersten Versuch gräbt sich der Anker tief ein und so sehr ich auch rückwärts Gas gebe, er hält. Leider scheinen aber die wirklich schönen Ankerplätze der Vergangenheit anzugehören. Der Blick zum Land ist noch ganz schön, die Bucht hat einen hübschen Strand. Das Wasser allerdings sieht eher nach Ostsee aus. Vorbei mit Türkis. Trotz 3m Wassertiefe ist der Grund nicht zu erkennen. 

Nun hängen wir erstmal auf dem Schiff. Ein kräftiges Tiefdruckgebiet hat sich zusammengebraut und wird vom Hurricancenter beobachtet. Es rauscht genau über uns hinweg. Wetterprognosen werden alle paar Stunden aktualisiert. Die Seglerwelt, die zu den Bermudas aufbrechen will, ist wachsam. ( Da wo das gelbe Kreuz ist sind wir 😨)

Und damit kommen wir zum nächsten Thema. Wir gehören nicht zu dieser Gruppe. 

Wir haben uns entschlossen, nach Deltaville/Annapolis zu gehen. Nach vielen Gesprächen, schlaflosen Nächten und Rechnereien, haben wir uns entschlossen, einen Verkaufsversuch in den USA zu starten. In Annapolis sitzen die großen Broker, die sehr professionell gebrauchte Yachten vermarkten. Angeblich gibt es dort einen Markt für Schiffe, wie unseres. Sagt der Broker. Ob das stimmt? Wir werden sehen.  Unser Schiff ist derzeit in gutem Zustand. Vielleicht haben wir uns durchrepariert. Ein paar Lackierarbeiten liegen an, sonst ist nicht viel zu tun. Sollte es nicht klappen, können wir immer noch im nächsten Jahr nach Europa segeln. Es läuft nichts weg. 

Flora und Fauna

Wir bemühen uns die schönen und interessanten Seiten von Marsh Harbour zu entdecken. Ganz bestimmt. Insbesondere hoffe ich auf eine etwas lebendigere Flora und Fauna  hier in den Abacos, nachdem – mit Ausnahme von Eleuthra – hauptsächlich Sandhaufen mit kargem Buschwerk zu sehen waren. 

Nach unserem Irrlauf am Rande der Slums, finden wir wenigstens einen der beiden anderen Supermärkte im Ort. Noch brauchen wir nichts, aber ein Blick vorab auf das Angebot kann nicht schaden. Toll. Gleich hinter dem Eingang strotzen die Regale vor Obst und Gemüse. Bei Betrachtung der Preise stockt mir allerdings der Atem. Wenn ich in Nassau noch 2,50$ für die Butter bezahlt habe, liegt hier der Preis für genau das gleiche Stück bei fast 5$.  Bei den anderen Produkten sieht das ähnlich aus. Es ist unfassbar teuer. Langsam bin ich diese Preise leid. Befindet man sich nur für zwei Wochen im Urlaub, mag das gehen. Muss man allerdings sein tägliches Leben in diesem Preisgefüge bestreiten, vergeht einem der Spaß. Dass auch viele Einheimische damit überfordert sind, erklärt vielleicht die Slums, die wir so auf den Bahamas noch nicht gesehen haben. Und es erklärt vielleicht auch die Kinder, die, in der Hoffnung einen Dollar zu bekommen, am Dinghidock stehen und die Leine annehmen oder die Mülltüte in die 5m daneben stehende Tonne werfen wollen. 

Reiner jedenfalls freut sich schon auf Nudeln mit Ketchup – bis uns der Ketchuo ausgeht…👹 -und zum Nachtisch eine Vitamintablette. 

Aber die Preise scheinen nicht das einzige Problem hier zu sein. Bereits  gestern kommen wir an einem großen Müllcontainer vorbei, der vollkommen überfüllt ist. Die Hälfte liegt daneben. „ Guck mal, „sagt der Mann völlig entspannt,“ Ratten“ 😳 Da krabbeln sie munter durch den Müll. Ich springe reflexartig 2 m zur Seite. Bei näherem Hinsehen, fallen auch die diversen Rattenlöcher um den Container auf. Schöner Wohnen für Nagetiere. 

 

Auf unserer heutigen Besichtigungstour sehen wir uns die Geschäfte an der Hauptstraße näher an. Es hat geregnet und gewittert in der letzten Nacht, überall stehen Pfützen und man muss schon mal einen Schritt zur Seite machen. Reiner macht diesen besagten Schritt und Achtung! rutscht fast auf einer toten Ratte aus. Barfuß mit Flipflops. 🤮

Ja nun. Ratten gibt es in jeder Großstadt und in der Kanalisation. Im Dunkeln, wo man sie nicht sieht. Aber am helllichten Tag mit den Viechern konfrontiert zu werden ist neu. Noch nirgends in den letzten 4 Jahren haben wir sie gesehen. Nicht für allles Geld der Welt würden wir hier in eine Marina gehen, wo der Weg vom Steg aufs Schiff kurz und bequem ist für den Nager. Schwimmen können sie auch. Dem Himmel sei Dank, dass wir ganz weit auf der anderen Seite der Bucht liegen. Tatsächlich würde ich da eine Kakerlake vorziehen….

PS: Am Montag klappt’s dann mit der Immigration. Zu Fuß und immer schön an der Hauptstraße entlang. Wir haben Google Maps auf das Satellitenbild umgestellt, da ist der Weg gut zu erkennen. 

Den zweiten Supermarkt haben wir auch gefunden. Eine Art Aldi der 90’ er Jahre. Deutlich günstiger, als der erste. Nudeln mit Ketchup sind abgewendet. 

Ach ja, mit der Fauna läuft es auch weiter spannend. Heute früh sitzt eine Riesenheuschrecke ( so groß wie eine Maus…) im Cockpit, bei deren Anblick mich Reiner fragt: „ Und nun?“ 😂 

Neuland

Nach einigen Tagen des Wartens auf das diesmal hoffentlich richtige Wetter, ziehen wir kurz entschlossen am  Mittwochabend gegen 21.30 Uhr den Anker aus dem Sand. Ost auf Süd  drehend lautet die Vorhersage mit moderaten Windstärken. Und los. Wenn’s gut läuft sind wir am nächsten Tag gegen Mittag in Marsh Habour in den Abacos. 

Es läuft super. Moderat ist relativ, wir müssen reffen, aber wir segeln zügig bei einem Windwinkel um 80 Grad nach Norden. Stabil schräg. Bis dann gegen Morgen der Wind komplett auf Süd dreht und nahezu einschläft. Den Rest des Weges tuckern wir mit kleiner Geschwindigkeit, das spart unglaublich viel Sprit, bis nach Marsh Harbour, dem größten Ort auf den Abacos. 

Hier in der geschützten Bucht versammeln sich die Segler, die auf die Bermudas und zu den Azoren wollen. Es gibt einen großen Supermarkt und für den Schiffsbedarf ist ebenfalls gesorgt. 

Wir müssen zunächst, so blöd wie es ist, unsere Aufenthaltserlaubnis verlängern, die nach 3 Monaten ausgelaufen ist. Bei einer Kontrolle Ärger zu bekommen, wollen wir nicht ausprobieren. 

Somit führt unser erster Weg in Richtung Immigration. So dachten wir. 

Die Straße am Ufer ist noch ganz nett. Einige kleine gepflegte Häuser, der eine oder andere kleine Laden und Marinas befinden sich hier. Die Immigration ist aber laut Google Maps weiter im Inneren. Mr Google weist uns den Weg über die große Geschäftsstraße, bei der die Schönheit dann auch schnell vorbei ist. Zweckmäßige Flachbauten reihen sich aneinander. Es ist überall staubig. Aber es hilft ja nichts, da müssen wir durch. An der „ Bank of Canada“ rechts, sagt Google. Wir folgen brav. Die Gegend wird, sagen wir mal,  etwas unaufgeräumter. Am Rand liegen zugewachsene Autowracks, die Häuser werden zu Hütten im Wellblechcharme. Überall fliegt der Müll rum. Der Blick auf Google Maps sagt, dass wir richtig sind. Ich sage gerade noch, dass ich im Dunkeln da nicht lang gehen würde, da ist auch schon Schluss. Ende der Straße. Google Maps sagt, wir sind richtig. 🤨

Inzwischen ist es heiß und windig, der Staub lässt auf der Haut eine klebrige Masse entstehen. Rückzug. Es gäbe noch eine weitere Möglichkeit direkt durch die Baracken, aber danke nein. 

Zurück an der Hauptstraße stellen wir fest, dass Google Maps total daneben ist und komplett falsche Wege anzeigt. ( Unter anderem einen Walmart, der noch nie existiert hat 🙄)

Feierabend für heute, am Montag gibt es einen neuen Versuch. Mit der Taxe direkt bis vor die Tür. 

Im  Nachhinein haben wir festgestellt, dass das Viertel, das wir gestreift haben „The Mudd“ heißt und tatsächlich der Slum von Marsh Harbour ist. So richtig mein Herz gewonnen, hat der Ort noch nicht.