Wetterküche

Man nehme: Einen großen Kochtopf geeignet für hohen und tiefen Druck, bunte Farben aus dem Tuschkasten, eine handvoll Gribfiles, je nach Belieben etwas Sonne oder Wolken, gut durchrühren und heraus kommt: Ein weißes Kanninchen! 

So werden offensichtlich derzeit die Wettervorhersagen in unserer Region erstellt. 

Wir sind nicht erfroren. Die Nacht ist erträglich, der Morgen danach wie erwartet scheußlich. So viele Schichten habe ich nicht mal Anfang des Jahres in Deutschland übereinander getragen. Heißen Tee gekocht und durch. Die Ausfahrt aus dem Inlet hat es schon mal in sich. Obwohl wir mit ablaufendem Wasser rausfahren, steht schnell eine hohe Welle vor der Tür. Eigentlich habe ich alles gesichert aber, man glaubt es kaum, unsere Besteckschublade fliegt wieder durchs Schiff. Ich schwöre Euch, das war das letzte Mal. 😡 Ein echter Konstruktionfehler von Schreibtischtätern. 

Draußen pfeift der Wind. Mehr als vorhergesagt, aber wenigstens aus der richtigen Richtung. Erst beide Segel draußen, rudern wir schnell zurück und haben mit nur halbem Großsegel ( der Wind kommt genau von achtern, so dass die Genua ohne Baum einfällt) dauerhaft um die 7 Knoten auf der Logge. Und es bleibt so. Wir haben ca 155 sm vor uns bis nach Palm Beach. Reiner rechnet schon aus, dass wir bei der Geschwindigkeit im Dunkeln ankommen werden. Bremsen ist schwierig. Am Abend gibt es eine kurze 2-stündige Pause, dann bläst es weiter. 

Kurz nachdem Reiner ins Bett geht, höre ich plötzlich ein gewaltiges Rauschen. Schemenhaft sehe ich von hinten eine riesige Welle anrollen. Gefühlt geht sie bis zur 1. Saling. Zeit für Angst bleibt nicht.Wir werden angehoben und schlittern mit über 9 Knoten schön geradeaus wieder runter. Es passiert – nichts. Der brave Autopilot steuert die Welle schnurgerade aus. Der Segler weiß, dass von diesen Dingern meist drei in Folge kommen. So ist es dann auch. Ich zähle mit. 1-2-3 und Feierabend. 

Der Rest der Strecke verläuft zügig und unspektakulär, allenfalls unkomfortabel. So landen wir dann auch mit einem Etmal von 155 sm morgens in Palm Beach auf dem uns schon bekannten Ankerplatz. Frühstück und ab ins Bett. 

Nun sitzen wir hier und warten auf die nächste Wetterlücke, die je nach Lust und Laune mal erscheint und dann auch wieder nicht. Mal mehr bunt, mal weniger bunt, mal mit viel Regen, mal mit Gewitter zeigen die Wetterkarten alles, was sie zu bieten haben. Gestern Wind aus Ost, dann aus Südost, heute sogar mal aus West für die nächsten Tage. Aber heute Abend kann das schon wieder ganz anders sein. Wir gucken morgen einfach mal aus dem Fenster. What you see is what you get, oder so…..

Reiner‘s Lieblingsbeschäftigung……

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