Regenprogramm

Seit die Crew gestern angereist ist, regnet es. Es regnet nicht nur, es wird auch kalt, nachts gehen die Decken im Schiff aus. Ein richtig kalter Wind fegt in und durch das Schiff.

Da wir aber auch Programmpunkte, die sich für schlechtes Wetter eignen auf dem Plan haben, nehmen wir die eben zuerst. Das 9/11 Memorial steht an. Und irgendwie passt es auch zum Wetter. Die Fahrt mit der Fähre, die eigentlich einen spektakulären Blick auf Manhattan bietet, wird alles andere als spektakulär. Manhattan versinkt zur Hälfte in den tiefhängenden, grauen Wolken.

Der Weg zum Worldtradecenter ist nicht weit vom Fährterminal. Nach 5 Minuten erreichen wir die Gedenkstätte. Auf Bildern eher schlicht und nüchtern, wirken die großen Becken, in denen Wasser an den Wänden bis in die dunkle Mitte läuft, bedrückend. Auf dem Rand der Becken stehen die Namen aller Opfer. Man wird zum ersten Mal still.

Auch die Gedenkstätte im inneren Teil ist beeindruckend und berührt, ohne theatralisch zu wirken. Im “Keller” der ehemaligen Twintowers zeugt die Ausstellung in zeitlicher Abfolge von den Geschehnissen des 9.11. Dazwischen stehen Teile von geschmolzenen Trägern, Reste einer Treppe und angeschmolzene Feuerwehrwagen. Auf dunkle Wände werden einzelne Fotos von Menschen, die vor Ort waren, projiziert. Der Schmerz ist fühlbar.

Obwohl ich zum Zeitpunkt des Attentates zufällig den Fernseher laufen hatte und die Bilder noch vor Augen habe, ist es dennoch etwas anderes, am Ort des Geschehens zu sein und die Zusammenhänge der verzweifelten Rettungsaktionen vor Augen zu haben. Das hilflose Entsetzen, das vor 16 Jahren in ganz Manhattan, den USA und dem Rest der Welt um sich griff.

Für den heutigen Tag reicht das auch. Diese Bilder müssen sacken und verarbeitet werden. Es ist ein Mahnmal, eine Gedenkstätte, die wirklich großartig gemacht und den Opfern würdig ist.

Verständlich daher auch die weitreichenden Sicherheitsvorkehrungen im gesamten Umfeld. Vor der Tür stehen schwer bewaffnete Polizisten, der Einlass erfolgt wie am Flughafen bei der Handgepäckkontrolle. Das ist für uns in Ordnung, gibt es doch einer traumatisierten Nation und letztlich auch uns ein Gefühl von Sicherheit.

Etwas angewidert sind wir von einigen Besuchern, die tatsächlich vor einigen Ausstellungsstücken und Bildern stolz ihre Selfies machen, wie am Eiffelturm. Wir stellen sogar das Fotografieren ein. Es macht nicht nur keinen Spaß, wir finden es irgendwie pietätlos.

Der Abend verläuft dann auch eher ruhig. Jeder geht seinen Gedanken nach, das Thema lässt nicht los. Morgen soll wieder die Sonne scheinen, die Erinnerung bleibt.

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