Eine Atlantiküberquerung

Beate:
Zugegeben, ich hatte zwar vorher keinen Schiss, aber aufgeregt ist man trotzdem beim Start. Die erste Woche verlief wir vorhergesehen. Das riesige Tief welches über den Atlantik in Richtung Kanaren zog, machte zunächst genau das, was es machen sollte. Wenig Wind, an manchen Tagen genug zum Segeln, an manchen musste der Motor mitlaufen. Kurz kam Unruhe auf, als sich eine Front aus dem Tief löste und auf uns zu kam. Zwei Telefonate mit Wetterwelt in Deutschland brachten uns auf den richtigen Weg, wir hatten im Gegensatz zu anderen keine Probleme, als die Front über uns hinweg zog. Andere hatten kurzfristig bis zu 58kn Wind. Na Mahlzeit.

Unser Kurzstopp mit Batteriewechsel in Mindelo war schön. Ab Montag blies der Passatwind stabil und kräftig. Kurz nach Verlassen des Hafens setzten wir unsere Passatsegel mit jeweils einem Baum zu jeder Seite und ab ging die Post. Was danach kam, hat mich in mancher Stunde schwer ins Zweifeln gebracht und ich habe mir mehrfach die Frage gestellt, was zum Teufel ich da eigentlich mache. Welcher Vollidiot kommt denn auf die Idee über den Atlantik segeln zu müssen? Tagelang hohe Welle aus mindestens zwei Richtungen. Kochen kaum möglich, ein Höllenlärm von Wasser und Schiff. Mehrere Tage eingekeilt auf dem Sofa, jeder Gang zum Klo erst nach reiflicher Überlegung. Und zu allem Überfluss wurde mir dann auch noch schlecht. Also wenn zu diesem Zeitpunkt die Fee mit dem Hubschrauber vorbei gekommen wäre und mich gefragt hätte, ob ich mit nach Hause fliegen will, ich hätte ohne zu zögern das Schiff verlassen. Sie kam nicht und die Welle ließ irgendwann nach und sortierte sich. Ja, es gab auch schöne Tage. Tage mit Sonne, mit viel Fisch und der Möglichkeit im Cockpit zu liegen, ohne von der Bank zu fliegen. Und wie das so ist, kaum ist es wieder nett, vergisst man die blöden Tage. Unser Schiff hat die Sache gut im Griff gehabt, der große Gewinner der Reise sind ganz sicher unsere Passatsegel, die wir einmal gesetzt haben und anschließend nicht mehr angefasst haben. Das Reffen ging einfach und ohne das Cockpit zu verlassen. Wir sind eher defensiv gesegelt, andere nicht. Bei uns wurde nachts immer gerefft und die Geschwindigkeit unter 8 kn gehalten. Das Material ist das kostbarste was man zu diesem Zeitpunkt hat. Bei anderen gab es Probleme. Bäume sind gebrochen, Segel gerissen, Leinen gebrochen. Das Einzige, was kaputt gegangen ist, ist die Schublade, die nachts durch die Gegend geflogen ist und die hat Reiner gleich wieder repariert.

Würde ich das nochmal machen? Keine Ahnung, im Moment sicher nicht. Pause muss sein. Jetzt gucken wir uns erstmal die Karibik an.

Reiner:
In einem Punkt sind wir uns mal einig, was nicht immer vor kam. Ein fester Startzeitpunkt ist manchmal schwierig. Bis zum Schluss haben wir diskutiert, auch mit Mitseglern, was wir machen. Starten oder warten. Das Warten hätte bedeutet mindestens eine Woche Zeit zu verlieren. Als dann die Meldung rund ging das Tief zieht nach Norden, sind wir dann doch losgefahren. Wären wir unabhängig gewesen, wir wären nicht gefahren.

Auch ich hatte die ganze Zeit ein Bauchkneifen und habe immer sofort auf den neuen Wetterbericht geschaut. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man ein so gewaltiges Tief auf sich zukommen sieht und auf die Wettergurus vertraut, dass das Tief neben uns nach Norden abzieht.

Am Ende ist alles gut gegangen, aber diese Unsicherheit brauche ich nicht nochmal. Letztendlich waren die Auswirkungen des Tiefs nicht so schlimm, wir hatten immer Wind haben allerdings hier und da den Motor zu Unterstützung mitlaufen lassen um möglichst schnell an dem Tief vorbeizukommen.

Nach Mindelo kam ordentlich Wind bis 30kn die daraus folgende Welle hoch aber harmlos. Was störte war diese kleine Welle von der Seite, wie schon unterwegs beschrieben. Man musste grundsätzlich eine Hand am Boot haben und wenn diese besagte Welle kam, beide Hände, was einen natürlich handlungsunfähig macht. Dennoch habe ich leichte Reparaturen wie die Besteckschublade die unglücklich gelandet ist und in alle Einzelteile sich zerlegt hat durchführen können. Oder das Lager des Umlenkritzel fürs Steuerrad schrie nach Oel. Hört sich einfach an leider muss dazu die halbe Steuersäule zerlegt werden und bei dem Seegang soll dann auch nichts verlorengehen. Oder der Watt&Sea Wassergenerator, der alle 2 Tage neue Leinen brauchte, weil diese mit dem Wellengang und 7 bis 8 kn Geschwindigkeit nicht zurechtkamen. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass a) die Leinendurchführung zu scharfkantig war und b) die Curryklemme zu schwach dimensioniert ist. Gegen erstens habe ich zwischen Generator und Leine ein Schäkel montiert beim zweiten Problem viel mir unterwegs nur ein festes Verbolzen des Generators mit der Aufhängung ein, dafür hätte ich aber bohren müssen und das war mir dann doch zu viel bei dem Seegang.

Nachdem in der zweiten Woche die Querwelle weg war empfand ich es als ein angenehmes Segeln. Unsere Passatbesegelung war super, zwei Wochen keine andere Segeleinstellung nur ein- und ausreffen um die Geschwindigkeit zu regulieren. Einfach super, andere sind rumgehalst mit Genua und Groß, bzw haben Ihren Spinnaker versenkt. Oder hatten gebrochene Bäume weil sie nicht rechtzeitig gerefft hatten bzw gebrochene Halterung an der Furlex.

Also Fazit: Kein größerer Schaden oder Probleme. Um für unsere Reise ans Ziel, hier Karibik, zu kommen: Ja, es war gut, aber freiwillig wochenlang auf See mit diesen Bedingungen muss nicht sein.

Beide:

Ganz wichtig für uns war der ständige Kontakt zu Heike und Heiko von der Flying Fish, die uns täglich durch ihre e-Mails motiviert haben, zweimal täglich eine Positionsmeldungen erhalten haben und somit immer wussten wo wir sind und nicht zu guter Letzt unseren Blog betreut haben, der zwischendurch wieder gezickt hat.

Danke Euch Beiden, wir freuen uns auf die kommenden Wochen????

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