Willkommen auf der Homepage der Segelyacht Balou

Dies ist die Homepage der Segelyacht Balou. Wir befinden uns seit Anfang Juli 2015 auf Großer Fahrt, um von unserem Heimathafen aus in die Welt und über die Ozeane zu segeln, vielleicht sogar einmal herum. Das passende Schiff haben wir vor einigen Jahren  gekauft und Stück für Stück vorbereitet. Wir möchten mit dieser Seite unsere Familie und Freunde mit auf die Reise nehmen und sie an unseren Abenteuern teilhaben lassen. Außerdem möchten wir von unseren – wohlgemerkt sehr persönlichen – Erfahrungen all denen berichten, die ebenfalls eine solche Reise planen und vorbereiten. Wir haben in den letzten Jahren sehr profitiert von unseren Vorgängern und möchten dies auch an unsere Nachfolger weitergeben.

Arbeitslager

Auf den Bahamas wurde es im Mai heiß. So, dass wir gesagt haben, es wird Zeit für uns zu verschwinden. Richtung Norden wird es ja kühler. 

Angekommen in St.Augustine wurde die Luft schon klarer, die Nächte angenehm. Aber schon auf dem Weg nach Beaufort wurde ich misstrauisch. Immer noch nachts mit kurzer Hose und T-Shirt? Komisch…..

In Beaufort dann wieder reichlich Hitze und nächtliche Feuchtigkeit. Es sollte doch kühler werden…..🤔 

Meine Hoffnung beruhte auf Cape Hatteras. Wettergrenze redete ich mir ein. Dann werden wir herrliche 25 Grad haben und nachts schön schlafen können. 

Als wir das Kap umrundet haben, ist es immer noch heiß. Die Tage sind fast unerträglich, der laue Wind macht es nicht besser. Ankunft in Deltaville bei 33 Grad. Das mittlerweile aufgeheizte Schiff lässt keinerlei Abkühlung des Nachts zu. Wir schwitzen. Am folgenden Tag steigt das Thermometer weiter. 35 Grad. Gegen Abend 36 in meiner Küche. Kochstreik. Alles schleicht stöhnend hin und her, weiterhin kaum Luftbewegung. Der Nachbar meldet 38 Grad. Die Nächte gehen ans Unerträgliche. 

Was bitte haben wir denn falsch gemacht? Wir sind eindeutig nach Norden gesegelt. Und zwar vom 24. bis zum 37. Breitengrad, ganz grob ca. 1500 km. In der Schule habe ich gelernt, dass es im Norden kälter ist. Warum also ist es hier so heiß? 

An Arbeit im Schiff ist nicht zu denken. Da geht der Kreislauf in die Knie. Einziger bisheriger Akt war die Beschaffung einer Klimaanlage von Aldi für ganze 99 $. Nach dem Muster von Trinidad baut Reiner tropfend einen Kasten für die Decksluke, in dem die Klimaanlage hängt. Nun ist das zwar keine Hochleistungsanlage, aber sie wird uns vor dem sicheren Erstickungstod schützen. 

Außerhalb des Schiffes kann man sich nur in klimatisierten Räumen aufhalten. Alternativ im Auto. Am Nachmittag belagern wir den Pool, der inzwischen aber auch schon ziemlich hochgekocht ist. 

Trinidad war ein Scheiß! Die neue Hitzehölle heißt Deltaville. 

Geschrieben habe ich das am Donnerstag. Inzwischen ist es abgekühlt, der Wind hat zwischendurch auf Nord gedreht und frische Luft mitgebracht. Angenehme 25 Grad. Dabei kann man arbeiten. Verschönerungsarbeit ist angesagt. Holz schleifen, wieder mal Teakstopfen auswechseln,  neuer Fußboden für die Dusche, ect..

 

Aber auch für die allabendliche Unterhaltung ist gesorgt. Mittlerweile sind hier 6 deutschsprachige Crews angekommen, 2 weitere werden erwartet. Werkzeuge und Erfahrungen werden ausgetauscht, es gibt überall helfende Hände. Nach Feierabend wird das Bier am Pool oder Grill getrunken. Dorfleben in Deltaville. 

Ruhe im Karton

Wir starten pünktlich am Samstag um die Mittagszeit in Richtung Cape Hatteras. Es wird auch Zeit, sonst werde ich zum Mörder. Wir haben ein langes Wochenende mit dem sich anschließenden Memorial Day am Montagvormittag uns. Halb Amerika feiert und nutzt die Zeit und das Sommerwetter für einen Ausflug. Da hier nahezu jeder ein mehr oder weniger großes Boot hat, ist ab 5 ! Uhr morgens Halligalli um den Ankerplatz. Alles fährt raus an die Strände und zum Fischen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, es wird laut und wellig. Ich fliege fast aus der Koje. Also los. 

Der Wind ist, nachdem wir um die Ecke vom kleinen Kap Lookout sind, mit uns. Die mit uns fahrende „Umiak“ macht tolle Fotos von unserem Schiff. (Es sieht ja schon cool aus so mit mit vollen Segeln…….🤔 Doch behalten?)

Unspektakulär und schnell erreichen wir das Cape Hatteras gegen Morgen. Mit kräftigem Wind aus Süd und nur direkt am Kap etwas höherer Welle, die aber nicht dramatisch wird, kommen wir um die Ecke. In der Landabdeckung beruhigt sich das Wasser, ruhig ziehen wir nach Norden. 

Der Wind geht leider am Nachmittag aus. Es ist auch keiner zu erwarten, Ankermöglichkeiten gibt es hier nicht, also muss der Motor an. Nervig, aber nicht zu ändern. Am Sonntagmorgen erreichen wir Deltaville und parken in der Marina. „Sie haben ihr Ziel erreicht“……….

Die Ruhe hier ist ein Traum. Zu hören ist nur Vogelgezwitscher und leises Plätschern des Wassers. 

Wir schlafen wie schon lange nicht mehr. Kein Ankeralarm ist nötig, keine Motorboote machen Lärm. Die nächste Straße ist weit weg. Genießen wir es bevor die Arbeit losgeht. Pool, Grill und  Freunde von anderen Yachten warten auf uns. 

Warten auf das Wetter

Seit dem Wochenende liegen wir hier geschützt vor Morehead und warten mit anderen auf das passende Wetter um das berüchtigte und sagenumwobene Cap Hatteras zu umrunden. Das Cap bildet den östlichsten Punkt der Outer Banks, an dem der nach Süden fließende Labradorstrom auf den nach Norden fließenden Golfstrom trifft. Diese Konstellation im Zusammengang mit einigen Untiefen bringen die idealen Voraussetzungen für hohe chaotische Seen mit sich, die dem Unachtsamen schnell zum Verhängnis werden können. 

Nun sind wir nicht unachtsam. Bereits zweimal haben wir das Cap umrundet, zweimal waren die See und das Glück mit uns. Mir persönlich wäre ja eine ausgedehnte Flaute am liebsten, das wird aber diesmal nicht der Fall sein. Schnell durchrauschende Wettersysteme wechseln sich derzeit ab. Wir müssen auf den Abzug eines kleinen Hochs warten, um mit dem Wind, der dann rechtsherum dreht mit Südwind das Cap umrunden. Und zwar so schnell, dass wir nicht in das folgende Tief geraten, das linksherum dreht und wir den daraus folgenden Nordwind abbekommen. ( Wenn man das aufmalt, ist es ganz einfach😜). 

Der Segel- und Wetterguru der Amerikaner, Chris Parker, sagt, am Samstag sollen wir losfahren. Unsere Recherchen decken sich mit der Aussage. Es sollte klappen. 

Wir sind nicht alleine. Wir werden mit anderen Seglern den Weg außen um das Cap nehmen. Alternativ 5-6 Tage lang in den Kanälen am Steuer zu stehen ist nicht so unsers, obwohl es landschaftlich wunderschön sein soll. Unser Weg führt durch die Fischsuppe der Outer Banks, die auch als „Fisherman’s Paradies“ bekannt sind. Durch die Ströme, die hier mit ihren unterschiedlichen Temperaturen aufeinandertreffen, schwimmt hier so ziemlich alles, was Flossen hat. Angeblich ist Thunfischsaison, die Bilder des täglichen Fanges sprechen eine andere Sprache. Kein Wunder, dass ich ebenfalls nur Mahi Mahis gefangen habe. 😉

So vertreiben wir uns die Tage mit Sigthseeing, Kneipenbummel und Einkäufen. Immer noch ausgehungert von den Bahamas, kann ich dem vielen frischen Obst und Gemüse nicht widerstehen. Der Kühlschrank platzt vor Vitaminbomben. 

Auch die kleinen Orte machen uns Spaß. Von Kanalsystemen durchzogen, reihen sich kleine Kapitänshäuser in maritimen Kolonialstil aneinander, die Fischerei steht überall im Vordergrund. Auch auf Sandstrände muss nicht verzichtet werden, das Wasser ist nicht brackig braun, sondern eher wie in den Abacos grün und etwas undurchsichtig. Da unser Wassermacher brav die normale Menge produziert, muss es auch einigermaßen sauber sein. 

   

Nun denn, morgen geht es auf zur letzten Runde. Wer uns beobachten möchte, kann dies bei Marine Traffic tun. Wir segeln küstennah und  Strecke ist gut mit Sendern abgedeckt. 

Morehead/Beaufort

Wir genießen sechs Tage St.Augustine gemeinsam mit der Murada, die wir nicht ganz zufällig hier wieder getroffen haben. Endlich endlich kann man wieder einkaufen, was das Herz begehrt. Ich schleppe Tonnen an Obst und Gemüse an Bord, es gibt köstliche Melonen, Ananas, Mangos, frische Erdbeeren, Heidelbeeren ect. Dann tut sich ein Wetterfenster nach Charleston auf. Charleston soll eine schöne Stadt sein. Viele alte Häuser und genau wie in St.Augustine viel Live-Musik. Am Donnerstag soll Abfahrt sein. 

Am Donnerstagmorgen gucke ich mir das Wetter an und sehe, dass wir eigentlich perfekt bis nach Beaufort, 200 sm weiter nördlich durchsegeln könnten. Ich äußere leise meine Erkenntnis und treffe auf Erleichterung. Reiner hat es auch schon gesehen und hat sich nur nicht getraut es laut zu sagen. Elvira und ich wollten so gerne nach Charleston…..Aber soll man das Wetter verstreichen lassen? Nachher hängen wir in Charleston und müssen lange warten? 🤔 Ein kurzer Funkruf zur Murada. Auch Alfons ist von der Idee angetan, gleich durchzusegeln. Also auf geht’s. 

Ich konzentriere mich wieder darauf, endlich meinen Thunfisch zu fangen. Ein schnuckeliger neuer Köder hängt draußen. Auf der Verpackung stand ganz groß „Thuna“. 

Es dauert nicht lange, da rauscht die Angelschnur aus. Es ist groß und macht Theater. Mein Thunfisch? Mühselig kurbele ich ihn ran. Es ist ein großer Mahi-Mahi. 🙄 Nun sind die ja auch lecker, aber ich will Thunfisch. Hilft nichts, er hängt dran. Ich bekomme ihn bis zur Badeplattform, dann ruckt er einmal rechts-links….und ist ab. Macht nichts, war eh der falsche. 

Beim zweiten Versuch hängt der Köder nicht so weit draußen, es ist viel Algenkram im Wasser und ich muss dauernd meinen Haken frei machen. So kann ich ihn besser sehen. Was ich sehe ist, dass Mahi-Mahi Nr. 2 auf den Köder losgeht. Das gibt’s doch nicht! Da stand Thuna dran! Ich nehme ihm schnell seine vermeintliche Beute weg und er zieht von dannen. 

Versuch Nummer 3. Übliches Spiel, die Angel rauscht aus, ich sehe in der Ferne etwas zappeln. Und ich könnte schwören es ist silbergrau. Yes, endlich 😊. Ich kurbele ihn ran. Es ist ein Mahi-Mahi. 😖 Er hängt fest, wir ziehen ihn an Bord. 

Einen Versuch starte ich noch. Dann gibt es eben viel Fisch in den nächsten Tagen. Angel raus, es rattert, Fisch dran. Mahi-Mahi. Ich fasse es nicht. Gott sei Dank reißt auch dieser sich los. Ich habe die Faxen dicke. Nach Fisch Nummer 2 habe ich den Köder gewechselt. Aber es ist egal, was ich raushänge, es kommen immer Mahi-Mahis. 

Überflüssig zu sagen, dass die Murada unterwegs einen Thunfisch gefangen hat. 

Mit einer Durchschnitssgeschwindigkeit von 6,7 kn erreichen wir nach 2,5 Tagen Beaufort. 

Hier ist das Fischparadies schlechthin. Die Outer Banks liegen vor der Tür, hier schwimmt alles. 

Mein nächster Weg führt in den Angelbedarf oder zu den Fischern. Fehlersuche……..

PS: Ich weiß, Jammern auf hohem Niveau……

Eine fixe Überfahrt …..

…….mit  Rahmenprogramm 

Mittwochfrüh klingelt der Wecker um 6.00 Uhr. Genau meine Zeit 😫 Wir wollen uns früh auf den Weg nach St.Augustine machen, damit wir den ganzen Freitag Zeit haben dort bei Tageslicht anzukommen. Durch das Inlet ( hier heißen die Dinger nicht mehr Cut sondern Inlet ) fährt man nicht im Dunkeln und unser alter Track ist im Elektroniknirwana verschwunden. 

Zunächst motoren wir uns durch die letzten Riffe und Inselchen, dann geht es raus auf den Atlantik. Eben noch Flaute, weht dort draußen ein prima Wind. 15 kn Halbwind sind ein traumhafter Kurs. Am Donnerstag soll er kräftiger werden, auch die Welle soll auf 2 m anwachsen. Aber das passt alles. Wir kommen deutlich schneller an, als gedacht. Freitagnacht um 1.00 Uhr sagt das Navi. Ach Du je, viel zu früh. Wenn der Wind noch stärker werden soll….ich mache mir schon Gedanken über Bremstechniken.

Der Wind legt aber schon am Mittwochnachmittag zu. Mit 7,5 kn segeln wir Richtung St.Augustine auf direktem Kurs. 

Die Angel hängt draußen, alles was so um uns rumsegelt fängt Thunfische. Ich will auch einen. 

Es dauert auch nicht lange, da rauscht sie knatternd aus. Reiner macht die Segel klein, bei dem Tempo bekommt man keinen Fisch ins Schiff. Der Fisch zieht wie bescheuert. Trotz festgestellter Rolle zieht er weiter Leine. Himmel muss der groß sein. Meine Angel biegt sich wie ein Flitzebogen und warte sekündlich auf den Knall, wenn die Leine reißt. Die Leine hält, aber meine Rolle löst sich  von der Rute. 😱 Alles, nur nicht die teure Rolle mit dem Fisch dahinziehen lassen. Da hat keiner was von. Ich kann mit Ach und Krach die Rolle halten und gebe nur Kommando: „ Schneid die Leine durch. Sofort!“ Reiner setzt an und fort sind 100 m Leine samt Fisch. 😢Der Arme. Bleibt ihm zu wünschen, dass der sowieso schon sehr rostige Haken schnell im Salzwasser weggammelt und er nicht umsonst sterben muss. 

Zur Strafe angele ich nur noch Algen. Alle 30 min. kann ich ein neues Büschel vom neuen Haken pflücken, am Donnerstag gebe ich auf. Nur Salat…

Durch den Golfstrom rasen wir nur so durch. Der Wind hat nachgelassen ( und nicht zugenommen 🙄). Allerdings rettet uns das etwas. Mit um die 10 kn sind wir allerdings  immer noch zu früh da. Vielleicht Beidrehen vor der Einfahrt.🤔

Dann findet ein zweites Event statt. 

Auf der Funke kommt ein Securité – Securité, all ships – all ships Funkruf. Solche Funksprüche kennen wir, sie beschäftigen uns nicht wirklich, meistens sind es irgendwelche allgemeinen Informationen, die uns nicht betreffen. Es wird eine Position durchgegeben. Nach der dritten Wiederholung wird Reiner stutzig und guckt auf die Karte. Ach je, genau auf den angegebenen Punkt steuern wir zu. Doch mal hinhören, was da los ist. Die US Navi funkt und bittet alle Schiffe ca. 12 sm von diesem Punkt entfernt zu bleiben, es findet eine Übung statt. Der liegt genau auf unserer Piste. Erstmal stellen wir uns tot. Die sehen uns ja auf dem AIS, werden uns schon ansprechen, wenn wir im Weg sind. 

Nach ein paar Minuten wird Reiner dann doch unruhig und funkt das Begleitschiff der Navi an. „ Ja“, hören wir, „ please change your course and keep distance“. Mist. Sie geben uns eine Kursänderung vor, die leider mit einem Segelschiff nicht funktioniert. Inzwischen haben wir die versprochene  2 m Welle und im Golfstrom kann man nicht gegenan segeln. Wir schummeln etwas und behaupten, mehr geht nicht. Irgendwie sind sie so zufrieden, wir sollen den vereinbarten Kurs und die Geschwindigkeit eine Stunde lang beibehalten. Hallo? Es ist ein Segelboot! 

Durch die Kursänderung fahren wir nun schräg im wahrsten Sinne des Wortes nach SW. Kurze Zeit später kommt ein Hubschrauber, umkreist uns und fliegt weiter. Wiederum einige Minuten später ruft Reiner plötzlich : „Guck, guck, guck, die starten eine Rakete aus einem U-Boot.“ 

Heiligs Blächle, Da geht tatsächlich mit einem Riesengedonner neben uns eine Rakete aus dem Wasser hoch. 😳

Völlig konsterniert gucken wir der Rakete hinterher. Immerhin haben sie wohl aufgepasst, dass wir nicht im Weg sind. 

Durch diese ganze Aktion haben wir nun Zeit geschunden. Wir gehen wieder auf unseren Kurs, der nun nicht mehr im Raketenstrom liegt und das Navi sagt uns, dass wir morgens gegen 8.00 unsere Einfahrt erreichen. Das klingt gut. Wir haben somit unsere direkte Wegstrecke von 290 sm mit Umwegen in 2 Tagen bewältigt. Das war ein guter Schnitt. 

Nun ist Kultur und fast normales Leben angesagt.