Willkommen auf der Homepage der Segelyacht Balou

Dies ist die Homepage der Segelyacht Balou. Wir befinden uns seit Anfang Juli 2015 auf Großer Fahrt, um von unserem Heimathafen aus in die Welt und über die Ozeane zu segeln, vielleicht sogar einmal herum. Das passende Schiff haben wir vor einigen Jahren  gekauft und Stück für Stück vorbereitet. Wir möchten mit dieser Seite unsere Familie und Freunde mit auf die Reise nehmen und sie an unseren Abenteuern teilhaben lassen. Außerdem möchten wir von unseren – wohlgemerkt sehr persönlichen – Erfahrungen all denen berichten, die ebenfalls eine solche Reise planen und vorbereiten. Wir haben in den letzten Jahren sehr profitiert von unseren Vorgängern und möchten dies auch an unsere Nachfolger weitergeben.

Abschiedsschmerz

 

Unser eigentlicher Abreisetag, der Montag, verschiebt sich. Wir werden nicht fertig. Am Mittwoch verabreden wir uns mit den Brokern zur Übergabe. Immer noch fallen uns Dinge ein, die man erledigen könnte, aber irgendwann muss Schluss sein. Anne und Jonathan finden das auch. Am Donnerstag wollen sie uns rausschmeißen, damit wir ein Ende finden. „ Have fun“ lauten ihre Abschiedsworte. 

Tatsächlich schließen wir am Donnerstag ab. Nun kommt der schwierigste Teil. Einsteigen und fahren. Es tut furchtbar weh. Auch der Abschied von uns ans Herz gewachsenen Freunden von anderen Schiffen, die wir leider erst gegen Ende der Saison kennen gelernt haben. Wir waren eine tolle Truppe in Deltaville, noch besser , als vor zwei Jahren. Die Hilfe und gegenseitige Unterstützung ist absolut unvergleichbar und uns bisher nur zwischen Seglern begegnet. 

Während der ersten halben Stunde ist Schweigen im Auto. Dann reden wir uns ein, dass wir ja im Oktober zurück kommen wollen. Das Schiff muss eingewintert werden. Und ob es überhaupt verkauft wird, wissen wir ja noch gar nicht. Also Augen geradeaus und ab in die Blue Ridge Mountains, wir müssen runter kommen. 

3 Stunden später erreichen wir am Rande der Appalachen unsere Unterkunft. Wir haben uns mit Absicht eine kleine Hütte im Nowhere ausgesucht. Vor dem Haus auf der Terrasse sitzen und in die Natur gucken ist der Plan. Wenig  Menschen, viel Grün.  Bzw. Blau. Denn das sind sie tatsächlich, diese Berge hier. Durch den darüberliegenden Dunstschleier sehen sie blau aus. Und Weite strahlen sie aus. Die Weite, die man benötigt, um Gedanken ziehen zu lassen. Die Weite, die  wir an diesem Land so lieben. 

Nun folgen wir für kurze Zeit den Spuren „John Boy‘s“, zumindest eine Pfirsichsorte, die den Namen trägt, haben wir schon mal gefunden. Tief im Inneren der Berge liegen  Täler mit verstreuten Farmen. Rinder grasen auf riesigen Weiden, Gemüse wächst gut sichtbar an jedem Haus. Es scheint eine heile Welt zu sein. Die Wälder strotzen vor Grün und alles gedeiht. Bäume im XXL- Format. Es regnet regelmäßig bei Temperaturen um die 30 Grad. Kein Wunder, dass sich die Waltons hier so wohl gefühlt haben. 

Ein Zeichen?

Wir haben fast fertig. Das meiste ist getan, das Schiff ist innen schick wie noch nie seit wir es besitzen. Und das sind nunmehr 10 Jahre. 

Geschuftet haben wir tatsächlich, die Klimaanlage und der abendliche Poolbesuch haben uns dabei das Leben gerettet. Nun wird aufgeräumt und ausgeräumt. Nicht alles, sondern nur der Schwachsinn, den man glaubte haben zu müssen für so eine Reise 🙄 Was wir finden ist unglaublich. Ich hätte mit Waschmittel aus der Tube bis zum Sankt Nimmerleinstag Wäsche mit der Hand waschen können, das Schiff komplett mit Plastern bekleben können und mit Moskitonetzen diverse Male umwickeln können. Ich entsorge etwa 10 verschiedene Sorten Nagellack ( Oh-mein-Gott) und mit was der Reiner aus seinem Badezimmerschrank zum Müll wandert, will ich gar nicht beschreiben. Spannend wird auch der Schrank mit den Sportgeräten 🤣. (Weil man ja gerne bei tropischen Temperaturen mit dem Expander rumhampelt)

Gestern Abend liege ich nun im Bett und erwische mich bei dem Gedanken, dass ich möglicherweise das letzte Mal auf dem schwimmenden Schiff schlafe. Und dieser Gedanke gefällt mir überhaupt nicht. Anne, unsere Maklerin, hat mich schon gefragt, ob wir sicher sind, dass wir das Schiff verkaufen wollen. Schon da habe ich mit „nein“ geantwortet. Lediglich der Gedanke, dass sich vielleicht sowieso niemand für unser Schiff interessiert, hat mich einschlafen lassen. 

Es hilft nichts. Heute ist Krantermin und Balou kommt an Land. So dachten wir. Ein Schiff ist vor uns dran, wir sollen gegen Mittag folgen. Schiff 1 fährt in die Kranbox, die Gurte werden angezogen. Aber leider nur hinten 😳. UPS, schnell wieder runter. Auch bei Versuch Nummer 2 klemmt was. Schiff 1 wieder raus an den Steg. Etliche Trockenversuche misslingen. Nun kommt ein Kran zum Kran, um oben nach der Ursache zu forschen. Ergebnis: ein Rollenlager ist kaputt. Man hofft auf schnelle Reparatur. Gegen 15.00 Uhr funktioniert die Geschichte wieder, Schiff 1 fährt wieder rein. 

Für uns ist es zu spät, wir brauchen Hochwasser in der Kranbox. Egal, dann eben Morgen. 

Ist das vielleicht ein Zeichen? 

Neue Fußböden

     

Neues Cockpit

neue Küche

 

…….und noch vieles mehr……..

 

 

Update

Es ist ruhig geworden. Aber nur auf dem Blog. Hier auf dem Schiff ist reichlich viel los. So viel, dass wir abends totmüde  umfallen und nichts mehr geht. 

Was macht unsere Verkaufsstrategie? Die hat sich zum Teil mal wieder verändert. Annapolis ist erstmal gestorben, wir bleiben in Deltaville. Wir haben inzwischen Anne und Jonathan von der hiesigen Vertretung von Annapolis Yachtsales kennen gelernt. Wir waren uns sofort sympathisch. Die Beiden sind selber Langfahrtsegler und kommen aus Südafrika. Auch sie wollen unser 

Schiff verkaufen, sind aber der Meinung, dass es für so ein Schiff egal ist, wo es steht. Ein Schiff mit der Ausrüstung kauft man nicht beim Sonntagsausflug in den Showroom, man sucht es. Und da seien 180 km vollkommen egal. (Zumal wir hier in den USA sind). Diese Einschätzung deckt sich mit unserer. Dazu kommt, dass wir hier sehr viel günstiger liegen, als in Annapolis und außerdem auf dem Schiff wohnen und arbeiten können. Wir könnten sogar segeln, wenn wir das wollen. Ein stehendes Schiff wird nicht besser, sagen sie und auch damit haben sie recht. 

Die erste Besichtigung unseres Schiff von unseren Brokern fällt positiv aus. Sie sind sogar der Meinung, wir sollten etwas höher anfangen mit dem Verkauf, als bisher geplant. Nun sind wir am Schuften. Die Temperaturen befinden sich derweil wieder am oberen Limit. Heißt, die Suppe läuft. Wir befinden uns wieder in dem Stadium, in dem man viel trinkt, aber nicht pinkeln muss. Es tropft aus allen Poren wieder raus. Es wird früh ( also für unsere Verhältnisse…..😏) angefangen, am Nachmittag hilft nur nur noch der Pool. Nachts hält uns die Klimaanlage am Leben. 

Aber es geht voran. Die neuen Fußböden in den Nasszellen sind drin, die Schleif- und Lackierarbeiten sind fast abgeschlossen. Abgeferkelte Eckleisten, Handläufe, Fensterrahmen ect strahlen wieder in neuem Glanz. Tausend Kleinigkeiten liegen dennoch an. 

Wir stellen fest, dass das Schiff wahrscheinlich noch nie in so einem gepflegten Zustand war. Was für ein Mist ! Da ärgert man sich jahrelang über tiefe Kratzer im Holz oder den hässlichen und mittlerweile auch gerissenen Fußbodenbelag im Bad und nun erledigt man diese Dinge für andere. „Man müsste mal,……..wir könnten mal,……“ hieß es immer. „ Aber es ist ja nur die Optik,…..funktioniert doch trotzdem,…..“ 😡 

Na ja, vielleicht will ja niemand unser Schiff haben. Dann haben wir doch noch was davon. 

In zwei Wochen wollen wir aus dem Wasser. Dann muss noch der Rumpf gereinigt werden, das Edelstahl gewachst und es muss geputzt werden. Unser Flug geht am 15.7. ab New York. In der Woche vorher wollen wir mit dem Auto noch in die Blue Ridge Mountains fahren. Und sofort geht mir der gräßliche Ohrwurm von John Denver, der genau diese Berge besingt, nicht mehr aus dem Kopf. Ich kann machen was ich will! Aber, der Hälfte von Euch jetzt auch nicht mehr…😅. Die Blue Ridge Mountains  gehören zu den Apalachen. Ein Gebirgszug, der sich von Georgia bis nach Virginia zieht und in dem bis heute die Cherokee Indianer leben. 

Falls wir ganz sportlich sind, schaffen wir es noch bis zu den Niagarafällen. Aber dann müssen wir wirklich Gas geben. 

Arbeitslager

Auf den Bahamas wurde es im Mai heiß. So, dass wir gesagt haben, es wird Zeit für uns zu verschwinden. Richtung Norden wird es ja kühler. 

Angekommen in St.Augustine wurde die Luft schon klarer, die Nächte angenehm. Aber schon auf dem Weg nach Beaufort wurde ich misstrauisch. Immer noch nachts mit kurzer Hose und T-Shirt? Komisch…..

In Beaufort dann wieder reichlich Hitze und nächtliche Feuchtigkeit. Es sollte doch kühler werden…..🤔 

Meine Hoffnung beruhte auf Cape Hatteras. Wettergrenze redete ich mir ein. Dann werden wir herrliche 25 Grad haben und nachts schön schlafen können. 

Als wir das Kap umrundet haben, ist es immer noch heiß. Die Tage sind fast unerträglich, der laue Wind macht es nicht besser. Ankunft in Deltaville bei 33 Grad. Das mittlerweile aufgeheizte Schiff lässt keinerlei Abkühlung des Nachts zu. Wir schwitzen. Am folgenden Tag steigt das Thermometer weiter. 35 Grad. Gegen Abend 36 in meiner Küche. Kochstreik. Alles schleicht stöhnend hin und her, weiterhin kaum Luftbewegung. Der Nachbar meldet 38 Grad. Die Nächte gehen ans Unerträgliche. 

Was bitte haben wir denn falsch gemacht? Wir sind eindeutig nach Norden gesegelt. Und zwar vom 24. bis zum 37. Breitengrad, ganz grob ca. 1500 km. In der Schule habe ich gelernt, dass es im Norden kälter ist. Warum also ist es hier so heiß? 

An Arbeit im Schiff ist nicht zu denken. Da geht der Kreislauf in die Knie. Einziger bisheriger Akt war die Beschaffung einer Klimaanlage von Aldi für ganze 99 $. Nach dem Muster von Trinidad baut Reiner tropfend einen Kasten für die Decksluke, in dem die Klimaanlage hängt. Nun ist das zwar keine Hochleistungsanlage, aber sie wird uns vor dem sicheren Erstickungstod schützen. 

Außerhalb des Schiffes kann man sich nur in klimatisierten Räumen aufhalten. Alternativ im Auto. Am Nachmittag belagern wir den Pool, der inzwischen aber auch schon ziemlich hochgekocht ist. 

Trinidad war ein Scheiß! Die neue Hitzehölle heißt Deltaville. 

Geschrieben habe ich das am Donnerstag. Inzwischen ist es abgekühlt, der Wind hat zwischendurch auf Nord gedreht und frische Luft mitgebracht. Angenehme 25 Grad. Dabei kann man arbeiten. Verschönerungsarbeit ist angesagt. Holz schleifen, wieder mal Teakstopfen auswechseln,  neuer Fußboden für die Dusche, ect..

 

Aber auch für die allabendliche Unterhaltung ist gesorgt. Mittlerweile sind hier 6 deutschsprachige Crews angekommen, 2 weitere werden erwartet. Werkzeuge und Erfahrungen werden ausgetauscht, es gibt überall helfende Hände. Nach Feierabend wird das Bier am Pool oder Grill getrunken. Dorfleben in Deltaville. 

Ruhe im Karton

Wir starten pünktlich am Samstag um die Mittagszeit in Richtung Cape Hatteras. Es wird auch Zeit, sonst werde ich zum Mörder. Wir haben ein langes Wochenende mit dem sich anschließenden Memorial Day am Montagvormittag uns. Halb Amerika feiert und nutzt die Zeit und das Sommerwetter für einen Ausflug. Da hier nahezu jeder ein mehr oder weniger großes Boot hat, ist ab 5 ! Uhr morgens Halligalli um den Ankerplatz. Alles fährt raus an die Strände und zum Fischen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, es wird laut und wellig. Ich fliege fast aus der Koje. Also los. 

Der Wind ist, nachdem wir um die Ecke vom kleinen Kap Lookout sind, mit uns. Die mit uns fahrende „Umiak“ macht tolle Fotos von unserem Schiff. (Es sieht ja schon cool aus so mit mit vollen Segeln…….🤔 Doch behalten?)

Unspektakulär und schnell erreichen wir das Cape Hatteras gegen Morgen. Mit kräftigem Wind aus Süd und nur direkt am Kap etwas höherer Welle, die aber nicht dramatisch wird, kommen wir um die Ecke. In der Landabdeckung beruhigt sich das Wasser, ruhig ziehen wir nach Norden. 

Der Wind geht leider am Nachmittag aus. Es ist auch keiner zu erwarten, Ankermöglichkeiten gibt es hier nicht, also muss der Motor an. Nervig, aber nicht zu ändern. Am Sonntagmorgen erreichen wir Deltaville und parken in der Marina. „Sie haben ihr Ziel erreicht“……….

Die Ruhe hier ist ein Traum. Zu hören ist nur Vogelgezwitscher und leises Plätschern des Wassers. 

Wir schlafen wie schon lange nicht mehr. Kein Ankeralarm ist nötig, keine Motorboote machen Lärm. Die nächste Straße ist weit weg. Genießen wir es bevor die Arbeit losgeht. Pool, Grill und  Freunde von anderen Yachten warten auf uns.