Willkommen auf der Homepage der Segelyacht Balou

Dies ist die Homepage der Segelyacht Balou. Wir befinden uns seit Anfang Juli 2015 auf Großer Fahrt, um von unserem Heimathafen aus in die Welt und über die Ozeane zu segeln, vielleicht sogar einmal herum. Das passende Schiff haben wir vor einigen Jahren  gekauft und Stück für Stück vorbereitet. Wir möchten mit dieser Seite unsere Familie und Freunde mit auf die Reise nehmen und sie an unseren Abenteuern teilhaben lassen. Außerdem möchten wir von unseren – wohlgemerkt sehr persönlichen – Erfahrungen all denen berichten, die ebenfalls eine solche Reise planen und vorbereiten. Wir haben in den letzten Jahren sehr profitiert von unseren Vorgängern und möchten dies auch an unsere Nachfolger weitergeben.

Eine fixe Überfahrt …..

…….mit  Rahmenprogramm 

Mittwochfrüh klingelt der Wecker um 6.00 Uhr. Genau meine Zeit 😫 Wir wollen uns früh auf den Weg nach St.Augustine machen, damit wir den ganzen Freitag Zeit haben dort bei Tageslicht anzukommen. Durch das Inlet ( hier heißen die Dinger nicht mehr Cut sondern Inlet ) fährt man nicht im Dunkeln und unser alter Track ist im Elektroniknirwana verschwunden. 

Zunächst motoren wir uns durch die letzten Riffe und Inselchen, dann geht es raus auf den Atlantik. Eben noch Flaute, weht dort draußen ein prima Wind. 15 kn Halbwind sind ein traumhafter Kurs. Am Donnerstag soll er kräftiger werden, auch die Welle soll auf 2 m anwachsen. Aber das passt alles. Wir kommen deutlich schneller an, als gedacht. Freitagnacht um 1.00 Uhr sagt das Navi. Ach Du je, viel zu früh. Wenn der Wind noch stärker werden soll….ich mache mir schon Gedanken über Bremstechniken.

Der Wind legt aber schon am Mittwochnachmittag zu. Mit 7,5 kn segeln wir Richtung St.Augustine auf direktem Kurs. 

Die Angel hängt draußen, alles was so um uns rumsegelt fängt Thunfische. Ich will auch einen. 

Es dauert auch nicht lange, da rauscht sie knatternd aus. Reiner macht die Segel klein, bei dem Tempo bekommt man keinen Fisch ins Schiff. Der Fisch zieht wie bescheuert. Trotz festgestellter Rolle zieht er weiter Leine. Himmel muss der groß sein. Meine Angel biegt sich wie ein Flitzebogen und warte sekündlich auf den Knall, wenn die Leine reißt. Die Leine hält, aber meine Rolle löst sich  von der Rute. 😱 Alles, nur nicht die teure Rolle mit dem Fisch dahinziehen lassen. Da hat keiner was von. Ich kann mit Ach und Krach die Rolle halten und gebe nur Kommando: „ Schneid die Leine durch. Sofort!“ Reiner setzt an und fort sind 100 m Leine samt Fisch. 😢Der Arme. Bleibt ihm zu wünschen, dass der sowieso schon sehr rostige Haken schnell im Salzwasser weggammelt und er nicht umsonst sterben muss. 

Zur Strafe angele ich nur noch Algen. Alle 30 min. kann ich ein neues Büschel vom neuen Haken pflücken, am Donnerstag gebe ich auf. Nur Salat…

Durch den Golfstrom rasen wir nur so durch. Der Wind hat nachgelassen ( und nicht zugenommen 🙄). Allerdings rettet uns das etwas. Mit um die 10 kn sind wir allerdings  immer noch zu früh da. Vielleicht Beidrehen vor der Einfahrt.🤔

Dann findet ein zweites Event statt. 

Auf der Funke kommt ein Securité – Securité, all ships – all ships Funkruf. Solche Funksprüche kennen wir, sie beschäftigen uns nicht wirklich, meistens sind es irgendwelche allgemeinen Informationen, die uns nicht betreffen. Es wird eine Position durchgegeben. Nach der dritten Wiederholung wird Reiner stutzig und guckt auf die Karte. Ach je, genau auf den angegebenen Punkt steuern wir zu. Doch mal hinhören, was da los ist. Die US Navi funkt und bittet alle Schiffe ca. 12 sm von diesem Punkt entfernt zu bleiben, es findet eine Übung statt. Der liegt genau auf unserer Piste. Erstmal stellen wir uns tot. Die sehen uns ja auf dem AIS, werden uns schon ansprechen, wenn wir im Weg sind. 

Nach ein paar Minuten wird Reiner dann doch unruhig und funkt das Begleitschiff der Navi an. „ Ja“, hören wir, „ please change your course and keep distance“. Mist. Sie geben uns eine Kursänderung vor, die leider mit einem Segelschiff nicht funktioniert. Inzwischen haben wir die versprochene  2 m Welle und im Golfstrom kann man nicht gegenan segeln. Wir schummeln etwas und behaupten, mehr geht nicht. Irgendwie sind sie so zufrieden, wir sollen den vereinbarten Kurs und die Geschwindigkeit eine Stunde lang beibehalten. Hallo? Es ist ein Segelboot! 

Durch die Kursänderung fahren wir nun schräg im wahrsten Sinne des Wortes nach SW. Kurze Zeit später kommt ein Hubschrauber, umkreist uns und fliegt weiter. Wiederum einige Minuten später ruft Reiner plötzlich : „Guck, guck, guck, die starten eine Rakete aus einem U-Boot.“ 

Heiligs Blächle, Da geht tatsächlich mit einem Riesengedonner neben uns eine Rakete aus dem Wasser hoch. 😳

Völlig konsterniert gucken wir der Rakete hinterher. Immerhin haben sie wohl aufgepasst, dass wir nicht im Weg sind. 

Durch diese ganze Aktion haben wir nun Zeit geschunden. Wir gehen wieder auf unseren Kurs, der nun nicht mehr im Raketenstrom liegt und das Navi sagt uns, dass wir morgens gegen 8.00 unsere Einfahrt erreichen. Das klingt gut. Wir haben somit unsere direkte Wegstrecke von 290 sm mit Umwegen in 2 Tagen bewältigt. Das war ein guter Schnitt. 

Nun ist Kultur und fast normales Leben angesagt. 

Green Turtle Cay

Wenn Great Guana Cay schon wirklich hübsch war, gibt es für Green Turtle Cay nur eine Bezeichnung: entzückend. Gleich am komfortablen Dinghisteg empfängt einen ein freundliches Willkommensschild. 

Der Ort New Plymouth ist dann die reinste Puppenstube. Die sauber gestrichenen Häuschen haben alle einen Namen, der irgendwo an die Hauswand genagelt ist. Gärten sind reichlich bepflanzt, Frangipaniblüten und Bougainvillen ragen über die Zäune. Hier muss die karibische Rosamunde Pilcher gewohnt haben. Selbst während der geschäftigsten Zeit am späten Nachmittag strahlt das Örtchen mit seinen 450 ständigen Einwohnern Ruhe aus. 

Segler sind hier gern gesehen. Ein riesiger Abfallcontainer steht zur Verfügung und es gibt sogar eine Notausrüstung für das Schiff im Angebot eines der kleinen Läden. Auch eine Kneipe mit eigenem Anleger für Dinghis ist vorhanden. Und wenn man nicht in die Kneipe möchte, kann man es trotzdem befestigen. 

Heiß ist es geworden. Die Kocherei findet wieder bei fließendem Schweiß statt, am späten Abend sind es immer noch 28 Grad. Ich schlafe inzwischen wieder mit meinem Freund, dem Ventilator vor dem Gesicht. Selbst im Cockpit ist es nicht kühler, da zur Zeit auch kein Wind weht. Ein Gutes hat es: ich kann ohne Anzug ins Wasser, das mittlerweile auch seine 28 Grad erreicht hat. 😅

Trotz der Hitze ist es ein schöner Ort für unsere letzten Tage auf den Bahamas. Ein wenig Wehmut schleicht sich ein. Wer weiß, was kommt……

Erstmal kommt aber die Überfahrt zur Küste. Wir werden dem Wind etwas entgegen fahren müssen, dann aber sollte er durchhalten bis St. Augustine, wo wir wieder einklarieren werden. 

Ich habe beschlossen einen Thuna zu angeln. Es ist mal wieder Zeit für Sashimi, Ingwer ist auch nichtig Haus. 

See You in the US

Great Guana Cay

Das gelbe Ding ist von der Landkarte verschwunden. 2 Tage sitzen wir auf dem Schiff und eine Front nach der anderen zieht mit ordentlich Wind über uns hinweg. Dann lässt es nach und wir können endlich mal wieder an Land. 

Great Guana Cay überrascht uns positiv. Was für ein Unterschied zu Marsh Harbour. Wir finden einen niedlichen kleinen Ort in dem ein gepflegtes und buntes kleines Häuschen neben dem anderen steht. Überall laufen ebenso gepflegte und wohlgenährte Katzen herum, ich vermute mal, das hat seine Gründe. Es ist sauber und überaus grün. So grün hatte ich mir das vorgestellt. Verschlungene Wege führen auf die Atlantikseite auf der sich ein ebenso sauberer weiter Strand auftut. Auch das gute alte Türkis kommt hier wieder zum Vorschein. 

Nach zwei Tagen wird auch das Wasser auf unserer geschützten Innenseite etwas klarer. Zwar immer noch in dunkelgrün wegen des Seegrases, aber immerhin kann man nun den Grund sehen.

Tatsächlich ist auch der kleine Supermarkt gut bestückt. Über die Preise lohnt es nicht zu sprechen, das Preisniveau in den Abacos übertrifft nun mal alles Vorhergehende. ( 10 $ für einen Bund Frühlingshwiebel, ein kleines Büschel Minze und eine Gurke. Es ist alles gesagt.)

Immerhin macht es mal wieder Freude ein paar Fotos zu schießen.

          

Gestern fahren wir dann weiter nach Green Turtle Cay. Auch dort soll es sehr hübsch sein. Die Ankerbucht ist weiträumig und wie wir schnell feststellen sehr unruhig. Kleine Freizeitboote schießen von rechts nach links. Gleich beim Anker abtauchen wird Reiner fast von einem Motorboot übergemangelt. Ich brülle zwar noch laut, aber die 300 PS übertönen meine Warnrufe. Es folgt keine Reaktion. Gott sei Dank hört Reiner den Motor unter Wasser und taucht rechtzeitig ab,  bevor er zerhäckselt wird. Beim nächsten Mal sichere ich mit dem Dinghi von oben ab. 

Nun warten wir auf Wind, der uns an die US-Küste bringt. Erstmal scheint ein echtes Windloch zu folgen. Sehr ungewöhnlich, eigentlich weht es hier fast immer. Na abwarten, die Hoffnung stirbt zuletzt. 

Ostseefeeling

Wir bekommen die Kurve in Marsh Harbour nicht. Die horrenden Preise im Zusammenhang mit dem überall rumfliegenden Müll, der auch an der eigentlich noch ganz netten Uferstraße liegt, bekommen wir nicht unter einen Hut. Kurz entschlossen holen wir den Anker hoch und fahren schräg gegenüber zum Great Guana Cay. Hier soll es deutlich schöner sein, sagt die Crew der „Lusea“, die kurz vorher hier war. 

Einigermaßen geschützt werfen wir den Anker in der Fisher‘s Bay, in der Nähe des Hauptortes. Der Ankergrund soll schlecht halten, es liegen jedoch Moorings aus. Beim ersten Versuch gräbt sich der Anker tief ein und so sehr ich auch rückwärts Gas gebe, er hält. Leider scheinen aber die wirklich schönen Ankerplätze der Vergangenheit anzugehören. Der Blick zum Land ist noch ganz schön, die Bucht hat einen hübschen Strand. Das Wasser allerdings sieht eher nach Ostsee aus. Vorbei mit Türkis. Trotz 3m Wassertiefe ist der Grund nicht zu erkennen. 

Nun hängen wir erstmal auf dem Schiff. Ein kräftiges Tiefdruckgebiet hat sich zusammengebraut und wird vom Hurricancenter beobachtet. Es rauscht genau über uns hinweg. Wetterprognosen werden alle paar Stunden aktualisiert. Die Seglerwelt, die zu den Bermudas aufbrechen will, ist wachsam. ( Da wo das gelbe Kreuz ist sind wir 😨)

Und damit kommen wir zum nächsten Thema. Wir gehören nicht zu dieser Gruppe. 

Wir haben uns entschlossen, nach Deltaville/Annapolis zu gehen. Nach vielen Gesprächen, schlaflosen Nächten und Rechnereien, haben wir uns entschlossen, einen Verkaufsversuch in den USA zu starten. In Annapolis sitzen die großen Broker, die sehr professionell gebrauchte Yachten vermarkten. Angeblich gibt es dort einen Markt für Schiffe, wie unseres. Sagt der Broker. Ob das stimmt? Wir werden sehen.  Unser Schiff ist derzeit in gutem Zustand. Vielleicht haben wir uns durchrepariert. Ein paar Lackierarbeiten liegen an, sonst ist nicht viel zu tun. Sollte es nicht klappen, können wir immer noch im nächsten Jahr nach Europa segeln. Es läuft nichts weg. 

Flora und Fauna

Wir bemühen uns die schönen und interessanten Seiten von Marsh Harbour zu entdecken. Ganz bestimmt. Insbesondere hoffe ich auf eine etwas lebendigere Flora und Fauna  hier in den Abacos, nachdem – mit Ausnahme von Eleuthra – hauptsächlich Sandhaufen mit kargem Buschwerk zu sehen waren. 

Nach unserem Irrlauf am Rande der Slums, finden wir wenigstens einen der beiden anderen Supermärkte im Ort. Noch brauchen wir nichts, aber ein Blick vorab auf das Angebot kann nicht schaden. Toll. Gleich hinter dem Eingang strotzen die Regale vor Obst und Gemüse. Bei Betrachtung der Preise stockt mir allerdings der Atem. Wenn ich in Nassau noch 2,50$ für die Butter bezahlt habe, liegt hier der Preis für genau das gleiche Stück bei fast 5$.  Bei den anderen Produkten sieht das ähnlich aus. Es ist unfassbar teuer. Langsam bin ich diese Preise leid. Befindet man sich nur für zwei Wochen im Urlaub, mag das gehen. Muss man allerdings sein tägliches Leben in diesem Preisgefüge bestreiten, vergeht einem der Spaß. Dass auch viele Einheimische damit überfordert sind, erklärt vielleicht die Slums, die wir so auf den Bahamas noch nicht gesehen haben. Und es erklärt vielleicht auch die Kinder, die, in der Hoffnung einen Dollar zu bekommen, am Dinghidock stehen und die Leine annehmen oder die Mülltüte in die 5m daneben stehende Tonne werfen wollen. 

Reiner jedenfalls freut sich schon auf Nudeln mit Ketchup – bis uns der Ketchuo ausgeht…👹 -und zum Nachtisch eine Vitamintablette. 

Aber die Preise scheinen nicht das einzige Problem hier zu sein. Bereits  gestern kommen wir an einem großen Müllcontainer vorbei, der vollkommen überfüllt ist. Die Hälfte liegt daneben. „ Guck mal, „sagt der Mann völlig entspannt,“ Ratten“ 😳 Da krabbeln sie munter durch den Müll. Ich springe reflexartig 2 m zur Seite. Bei näherem Hinsehen, fallen auch die diversen Rattenlöcher um den Container auf. Schöner Wohnen für Nagetiere. 

 

Auf unserer heutigen Besichtigungstour sehen wir uns die Geschäfte an der Hauptstraße näher an. Es hat geregnet und gewittert in der letzten Nacht, überall stehen Pfützen und man muss schon mal einen Schritt zur Seite machen. Reiner macht diesen besagten Schritt und Achtung! rutscht fast auf einer toten Ratte aus. Barfuß mit Flipflops. 🤮

Ja nun. Ratten gibt es in jeder Großstadt und in der Kanalisation. Im Dunkeln, wo man sie nicht sieht. Aber am helllichten Tag mit den Viechern konfrontiert zu werden ist neu. Noch nirgends in den letzten 4 Jahren haben wir sie gesehen. Nicht für allles Geld der Welt würden wir hier in eine Marina gehen, wo der Weg vom Steg aufs Schiff kurz und bequem ist für den Nager. Schwimmen können sie auch. Dem Himmel sei Dank, dass wir ganz weit auf der anderen Seite der Bucht liegen. Tatsächlich würde ich da eine Kakerlake vorziehen….

PS: Am Montag klappt’s dann mit der Immigration. Zu Fuß und immer schön an der Hauptstraße entlang. Wir haben Google Maps auf das Satellitenbild umgestellt, da ist der Weg gut zu erkennen. 

Den zweiten Supermarkt haben wir auch gefunden. Eine Art Aldi der 90’ er Jahre. Deutlich günstiger, als der erste. Nudeln mit Ketchup sind abgewendet. 

Ach ja, mit der Fauna läuft es auch weiter spannend. Heute früh sitzt eine Riesenheuschrecke ( so groß wie eine Maus…) im Cockpit, bei deren Anblick mich Reiner fragt: „ Und nun?“ 😂