Willkommen auf der Homepage der Segelyacht Balou

Dies ist die Homepage der Segelyacht Balou. Wir befinden uns seit Anfang Juli 2015 auf Großer Fahrt, um von unserem Heimathafen aus in die Welt und über die Ozeane zu segeln, vielleicht sogar einmal herum. Das passende Schiff haben wir vor einigen Jahren  gekauft und Stück für Stück vorbereitet. Wir möchten mit dieser Seite unsere Familie und Freunde mit auf die Reise nehmen und sie an unseren Abenteuern teilhaben lassen. Außerdem möchten wir von unseren – wohlgemerkt sehr persönlichen – Erfahrungen all denen berichten, die ebenfalls eine solche Reise planen und vorbereiten. Wir haben in den letzten Jahren sehr profitiert von unseren Vorgängern und möchten dies auch an unsere Nachfolger weitergeben.

Prost Neujahr

Was soll ich sagen. Der Reiner äußert sich nicht, also tue ich es. Dieses mistige 2018 hat ein schlechtes Gewissen. 

Während ich hier noch mit der langen Unterhose sitze, erfolgreich mal eben schnell unser Haus verkaufe und mich mit dem Papierkram rumschlage, erreichen mich aus USA durchweg gute Nachrichten. Fast habe ich das Gefühl, der tut nichts…..🤔

Alle Systeme laufen wieder. Nicht‘s Neues ist kaputt, mmer noch kein Gammel zu finden. Kleine Instandhaltungsarbeiten verlaufen reibungslos. Immer wenn ich ihn anrufe, sitzt er im Auto und fährt durch die Gegend oder ist wandern. Das gibt’s doch nicht……..

On Top bekomme ich auch noch Fotos vom neuen Großsegel. Es passt perfekt und flutscht beim Einrollen leicht in den Mast. Es ist so perfekt geschnitten, dass das Unterliek nicht aufeinanderliegt und keine Wurst bildet, sondern spiralförmig verschwindet. Was haben wir uns immer geärgert! Bis hierhin können wir „Rolly Tasker“ schon mal uneingeschränkt empfehlen. 

Wenn alles gut läuft, soll das Schiff schon mal ins Wasser und wenn es noch besser läuft, segelt Reiner schon mal ein paar Meilen nach Süden. Der Mann hat ja offensichtlich Zeit! Dann muss nur noch der übliche Masseneinkauf getätigt werden ( den garantiert ich mache, sonst gibt’s die nächsten drei Monate nur Nudeln) und dann ist der Weg frei zu den Bahamas. 

Also wenn 2019 so ist, kann es bleiben. 

In diesem Sinne: Euch allen das gleiche Glück. Möge es anhalten.

Hurra, wir leben noch

 Lang ist‘s her. Viel ist passiert. 

Der Verlust unserer Väter hat unser Leben ziemlich aus der Bahn gerissen und vieles auf den Kopf gestellt. Es gibt Dinge, die man nicht braucht, wenn man so weit von zu Hause entfernt ist. 

Nun versuchen wir wieder in unser Leben zurück zu finden. Und zu diesem gehört das Schiff.

Reiner ist weg. Er ist noch am 15:12: in den Flieger gestiegen und ins Land der großen Freiheit geflogen. Freut sich über ein ungeziefer- und schimmelfreies Schiff, das vollkommen intakt an Ort und Stelle steht. Erleichterung. (Habe ich ihn doch extra vorweg geschickt, damit er eventuelle Viecher töten kann, bevor ich komme und diese im Zweifel mit meinem Bett teilen muss..🧐) Ich werde entspannt im Januar hinterher fliegen. 

Dann folgt Bahamas, die Zweite. Der erste Versuch ist ja nun reichlich in die Hose gegangen, es gibt einiges, was wir noch nicht gesehen haben und anderes, was wir gerne noch länger gesehen hätten. Weitere Pläne? Abwarten, wir gucken wie es läuft. Im Plänemachen sind wir eh nicht besonders gut. 

Reiner wird sich sicherlich in den nächsten Tagen selber mal melden. Eine Sache muss ich aber doch schon mal berichten. Wenn man so ein echtes Scheißjahr hinter sich hat, ist man um so überraschter, wenn es mal richtig gut läuft. 

Unser Großsegel ist alt und gebeutelt im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist mehrfach geflickt,  neue Bahnen wurden eingesetzt, was den Beutel nicht besser gemacht hat. Am Ende ließ es sich kaum noch richtig im Mast aufrollen. Was schon mal echt bedrohlich werden kann, wenn es bei plötzlich zunehmendem Wind mal schnell weg muss. 

Von vielen Langfahrtseglern haben wir von Rolly Tasker gehört. Ein deutsches Unternehmen, welches in Thailand Segel fertigt, weltweit versendet und dabei auch noch ausgesprochen bezahlbar ist. Nun klingt das erstmal schräg. Wenn da ein Maß nicht stimmt und das Ding am Ende nicht passt, hat man ein Problem. Mal eben schnell nachbessern fällt aus. Aber: Bei allen, mit denen wir gesprochen haben, passte es. Und alle sind zufrieden. Treu der Devise „no Risk no fun“ haben wir das Segel bestellt. Es werden drei Wochen für die Fertigung gerechnet, der Versand soll per Express in die USA direkt in die Werft erfolgen. Wer‘s glaubt…….aber egal, es ist ja noch Zeit. 

Direkt nach der Bootsmesse in Hamburg geht der Auftrag raus. In der ersten Dezemberwoche entdeckt Reiner bei sich eine ältere ungelesene e-Mail in der steht, dass das Segel fertig ist und bezahlt werden möchte 😳. Huch! Kurz vor dem Abflug wird das Geld überwiesen und Huch!, vorgestern trifft es in der Werft ein. Keine Zolldiskussion, keine Mehrwertsteuergeschichten, kein kompliziertes Abholen. Wenn es jetzt noch passt, glaube ich daran, dass sich unser Blatt wendet. 

Vielleicht hat 2018 langsam ein schlechtes Gewissen und will es nochmal rausreißen…..🤔

Balou an Land

Unser Schiff steht an Land. Eine etwas schwierige Geburt, aber nun ist alles gut.

Nachdem ich nach Hause geflogen bin, beginnt für Reiner eine blöde Wartezeit. Die Brunswick Landing Marina macht nach wie vor keine feste Zusage, der Boatyard St. Marys kommt auch nicht so richtig aus dem Quark. Bestätigungsschreiben über unsere Versicherung müssen eingeholt werden und ein passendes Craddel muss besorgt werden. Immerhin soll das Schiff nicht nur auf den einfachen Stützen stehen, sondern bekommt ein richtiges Gestell. Beruhigend. 

Für unsere Versicherung bei Pantenius reicht das auch. Ab 30,5 Grad N sind wir versichert, wir liegen auf 30,7 Grad. Ganz knappes Ding. Aber alle sagen, dass St Marys sicher ist. We hope so. 

Die Werftbesitzer sind etwas chaotisch, aber nett. Ein echter Familienbetrieb. Der älteste Sohn arbeitet schon mit, der Jüngste buddelt in seiner Sandkiste, die sich neben unserem Schiff befindet.  Das Einhalten von Terminen ist ihnen nicht die Wiege gelegt. So kommt es, dass Reiner zwar mit etlichen Verzögerungen an den Kran kommt, die Nacht aber baumelnd in der Luft verbringt, weil plötzlich doch noch irgendein Teil am Gerüst umgebaut werden muss. Der Kran schafft 50 t und hält das Schiff über Nacht auch im Gewitter. 

Offensichtlich wird sich aber um die an Land stehenden Schiffe gekümmert. Morgens und abends geht der Chef eine Runde und behält jedes einzelne im Auge. Er verspricht uns, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Glauben wir ihm. 

Höchst erfreulich sieht unser Unterwasserschiff aus. Jahrelang haben wir Antifouling von „Seajet“ benutzt. Hochgepriesen und sauteuer. Trotzdem hatten wir immer Muscheln und Algenbewuchs unter dem Schiff. In den USA ist Seajet verboten. Wer beim Streichen mit Seajet erwischt wird, zahlt Strafen in 5-stelliger Höhe. Entgegen aller Auskünfte und Warnungen sind wir im letzten Jahr auf „Mircon extra“ umgestiegen. ( Lediglich ein Mitarbeiter von SVB hatte uns grünes Licht gegeben, das neue Antifouling einfach ohne Primer auftragen zu können). Und siehe da: Nach einer Segelsaison sieht das Schiff trotz längerer Liegezeiten aus wie geleckt. Keine Muscheln, keine grünen Algenfransen, nichts blättert ab. Geht doch. 

Nun müssen wir erstmal pausieren. Sehen wir es als verlängerte Hurrikanauszeit, die wir wie viele andere zu Hause verbringen. 

 

 

Brunswick Landing Marina

Nach einer motorgesegelten Nacht erreichen wir die Brunswick Landing Marina in – wer hätte es gedacht – Brunswick. 

Die Stadt entstand 1771 und wurde nach dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg benannt. Ein netter Zufall. Die Marina, in der wir zunächst liegen können bis das Schiff 25 sm weiter in St. Marys an Land geht, macht einen netten Eindruck. Wie eigentlich überall bisher in den USA werden wir sehr nett empfangen. Es gibt tatsächlich durchgehend frisch gezapftes Bier umsonst und an drei Tagen in der Woche sogar Wein. Als Geschenk erhalten wir jeder einen hölzernen Rückenkratzer. 😂Das gab’s noch nie. 

Der Gipfel sind allerdings die Waschmaschinen. Echte Hightechgeräte stehen ebenfalls kostenlos zur Verfügung. An den Waschmaschinen sind soviel Knöpfe und Einstellungen möglich, dass ich erstmal mit Lesen beschäftigt bin, bevor ich das Gerät starte. Die bisherigen Einstellungsmöglichkeiten von Waschmaschinen seit Überschreiten der deutschen Grenze belaufen sich auf warm, cold, heavy und regular. Wobei alle Maschinen 30 min laufen und warm ist das Wasser selten. Obacht, hier kann man T-Shirts schrumpfen. Die Wäschetrockner sind ebenfalls so professionell. Ich muss zugeben, dass ich tatsächlich bestimmt 10 Minuten staunend diese Wunderwerke betrachte und mich nicht entscheiden kann, in welche ich jetzt meine Wäsche werfen soll. Alles für lau. 🤗

Wer jetzt glaubt, dass wir ein Vermögen zahlen, irrt. Der Monatspreis liegt bei 600 U$. Im Vergleich zum kostenlosen Ankern immer noch viel, aber für eine moderne Marina in den USA günstig. ( Und wenn man die Getränke und die Waschmaschinen dazu rechnet, wird es noch besser. Kleinvieh bringt auch Mist ) Schade, dass hier kein Platz zum Bleiben für uns ist. 

Die durch das hohe Aufkommen von Garnelen in den umliegenden Gewässern auch als „ Shrimp Capital of the World“ bezeichnete Stadt, besticht nicht gleich durch übermäßigen Charme. Sie macht eher den Eindruck, als hätte sie ihre besten Jahre bereits hinter sich. Von vorne sind die typisch schnörkeligen Südstaatenhäuser frisch gestrichen, von hinten fallen fast die Fenster raus. Da hat das echte Braunschweig deutlich mehr zu bieten. Dennoch ist alles vorhanden, was der Mensch braucht oder haben möchte. 

Die Sache mit den Shrimps bestätigt sich allerdings gleich beim ersten Landgang. Wir finden ein richtiges Fischgeschäft, in dem die sonst so teuren Garnelen mit Abstand das Günstigste der gesamten Auslage sind und erstehen ein Pfund für 11U$. Mein alter Kollege Hüby würde jetzt sagen:“ Das schmeckt gut im Mund.“

 

Nervenkrieg Liegeplatz

Bis St. Augustine ist noch alles einfach. Dann wird es schwierig, ein einziges Wechselbad und hin und her. 

Am Wochenende suchen wir alle Boatyards, die für uns in Frage kommen raus. Von der „Mora“ und der „Kyla“ bekommen wir Tipps und Unterstützung, auch in der Langfahrtsegelgruppe bei Facebook kommt ein Vorschlag. Wir schreiben alles und jeden an. Bis Montagmittag hoffen wir noch und sind zuversichtlich, dann kommen die Absagen. Einige melden sich gar nicht, sagen aber auch ab, nachdem wir dort telefonisch jemanden erreichen. Ich habe stehe kurz vor der Nervenkrise. Ich will schnell nach Hause, Reiner im Stich lassen will ich aber auch nicht. 

Eine einzige Werft will das noch mit dem Manager besprechen. Beten. 

Es ist der St. Marys Boatyard. Hmm….Es handelt sich nur um einen Stellplatz an Land, Stege gibt es nicht, um das Boot vorzubereiten. Ankommen, raus. Die Werft liegt etwas abseits von St. Marys, bis in den Ort sind es ca. 2 km. Es gibt keine Waschmaschine und nur eine Dusche, die auch nicht so toll sein soll. Sonst nichts. 

Aber wir hören auch, dass die Betreiber sehr nett und hilfsbereit sein sollen und über alles verfügen, was ein Bootsbesitzer so zum Frickeln braucht, einschließlich einer Werkstatt. „Do it yourself“ ist willkommen. Das hilft. Wir wollen dort ja auch nicht monatelang wohnen, sondern nur das Schiff sicher abstellen. Und das scheint möglich.

Am Nachmittag kommt die erlösende Nachricht: Sie nehmen uns. 

Die Irmas vom letzten Jahr haben keinerlei Schäden hinterlassen, der Boatyard liegt versteckt in einem Flussarm. Für die Versicherung liegen wir ebenfalls gerade eben so im abgesicherten Bereich. (Statistisch gesehen werden dort in diesem Jahr ja sowieso keine Hurricans drüber gehen.😉) Nur eine Klimaanlage werden wir noch brauchen, damit uns nicht die Einrichtung weggammelt. 

Zunächst müssen wir aber noch eine spezielle Bestätigung unserer Versicherung vorlegen und der Werftchef muss noch die passenden Cradles (Stützen) für uns besorgen. Die Bestätigung ist möglich, aber nicht heute. Heute ist in Deutschland Feiertag, alles kreist um den Maibaum. 

Neuer und aktueller Plan vom Dienstag: Wir gehen zunächst für zwei Wochen nach 

Brunswick in die Marina ( die leider keinen Platz für den Sommer für uns hat) und im Anschluss bringt Reiner das Schiff um die Ecke in die Werft. 

Mein Flug ist für Samstag gebucht, heute Abend machen wir uns auf den Weg für die letzten 80 sm. Morgen Mittag sollten wir am Steg liegen. 

Ach so, die wirklich gute Nachricht lautet: Unser Segel ist über das Wochenende für 130$ geflickt worden. Am Montagfrüh war es fertig und wir mussten es noch nicht mal abholen.