Vielleicht gibt es ihn doch…..

……den Weihnachtsmann. Alle Leinen sind da, der Zoll hat nicht gezickt.

Seit zwei Tagen geben wir endgültig Vollgas. Am Freitagnachmittag gehen wir ins Wasser.
Am Mittwoch sieht es noch aus, wie im Kriegsgebiet. Und die Heizung sollte laufen…..

Zur Zeit hängen wir noch am Landstrom, der Heizlüfter kann laufen. Bisher war es auch nicht sooo klirrekalt. Noch am Montag laufen wir barfuß und in kurzer Hose rum, in der Nacht von Freitag auf Samstag sollen es -5 Grad werden. Danach steigt die Temperatur zwar wieder, aber zum Erfrieren reicht eine Nacht.

Leider ( oder Gott sei Dank) ist unsere Heizung seit 2,5 Jahren im Sommerschlaf. Einer
Standheizung tut das nicht gut, wird gemunkelt. Der Aufweckversuch untermauert diese These. 😨
Keinen Ton gibt sie von sich. Der Elektroingenieur ist der Meinung, dass gar kein Ton nicht die schlimmste Variante sei, dann könne es ein Kabelproblem sein und dieses könne man leicht lösen.

Es ist kein Kabelproblem.

Das Ding wird mitten im Kriegsgebiet auseinander genommen. Irgendwas schleift, wenn man den Motor dreht.

Ich verziehe mich in den Supermarkt. Manchmal ist das besser…..

Während ich von dem Suppenregal stehe, kommt eine Handynachricht: Heizung läuft und heizt.
Dem Himmel sei Dank. Oder dem Ingenieur.

Nachdem ich wieder da bin, gibt einen gemeinsamen Crewbeschluss. Es wird keine neue Baustelle mehr eröffnet. Von nun an heißt es Ordnung schaffen, alle Restpunkte der Liste müssen warten. Heute früh mogelt er sich zwar noch an den Dinghimotor und wechselt „schnell“ mal Zündkerzen und Motoröl, das war’s dann aber auch. Heute (Donnerstagnachmittag) kann ich im Schiff einigermaßen geradeaus gehen und der Berg auf dem Schreibtisch hat von ehemals 30 cm Höhe immerhin auf 10 cm abgenommen.
Der Hurrican zieht sozusagen ab und ist nur noch eine Tropical Wave.

Noch 24 Stunden……

Seilflechter macht es spannend…..

Wir müssen weg.

Seit 4 Wochen arbeiten wir, die Liste ist immer noch lange nicht erledigt. Allerdings sind die meisten wirklich wichtigen Dinge abgehakt. Das Teakdeck ist fertig, ca. 2/3 der Lackarbeiten getan. Das Ruder ist zusammengebaut, neue Steuerseile angebracht. Heute bekommt das Schiff seinen Antifoulinganstrich und Segel haben wir ebenfalls wieder. Gut so, denn es soll kalt werden.

Seit wir hier sind, haben wir wunderbare Temperaturen. Am Tag sind es zwischen 20-27 Grad, die Nächte sind deutlich kühler, so dass man gut schlafen kann. Manchmal läuft gegen Abend der Heizlüfter für ein paar Stunden. Alles nicht dramatisch, wir hatten mit mehr Kälte gerechnet.

Ende der Woche soll ein Wetterumschwung kommen. Schon seit einigen Tagen fallen uns die Frostschutzmittel in den Läden auf, die auf Paletten gestapelt werden. Bei 25 Grad in kurzer Hose und barfuß, belächeln wir die Kanister. Bis unser Blick auf die Wetterkarte fällt.

Samstagmorgen 4 Grad. Gefühlte 0. 😳 Da hört der Spaß auf. Es wird höchste Zeit, die Biege zu machen. Heike und ich bewältigen am Sonntag ( es ist die Hölle los, der Amerikaner geht sonntags einkaufen…),den Rieseneinkauf bei Aldi und Walmart, Richtung Süden werden die Preise nicht besser. Und da unser Ziel die Bahamas sind, erst recht nicht. Die liegen preislich eher im Bereich der BVI’s, für eine Dose Bier zahlt man gerne auch schon mal seine 5$. Im Laden!

Ein bißchen Spannung haben wir allerdings noch.
Wir haben im Sommer in Braunschweig einen Riesenhaufen neuer Leinen bei Seilflechter bestellt. Etliche unserer vorhandenen zeigen deutliche Scheuerstellen und Anzeichen von Auflösung. Das, was man hier an Tauwerk erhält, ist unsagbar teuer und qualitativ ausgesprochen mäßig. Bisher haben wir fast ausschließlich die teueren Lirosleinen auf dem Schiff. Leider haben die aber auch nicht das gehalten, was sie versprochen haben. Die Dynemaleinen sind teilweise gestaucht und nun stocksteif, da der Kern aus anderem Material besteht und sich die Leine unterschiedlich reckt. Ein älteres Spifall scheuert oben durch.

Nach einem ausführlichen und kompetent wirkenden Gespräch im Werk bei Seilflechter, haben wir uns für einen „Markenwechsel“ entschieden. Und wenn schon nur zwei Jahre Haltbarkeit, dann bitte günstiger. Das Angebot ist gut, die Leinen werden per Flugzeug hergeschickt. Eine Woche sollte die Reise dauern. So der Plan.

Man ahnt es schon……wir warten. Immerhin soll sich unser Paket inzwischen in den USA beim Zoll befinden. Und wenn der das heute noch frei gibt, dann sollen sie morgen hier sein.
Woran liegt das bloß, dass ich nicht mehr an den Weihnachtsmann glaube?🤔

 

 

 

Halloween

Rücken hin, Arbeit her, es ist Halloween. Und da hier jedes Event zelebriert wird, wollen wir uns das angucken.

Mit den Crews der Worlddancer und der Maverick XL, die in den Nachbarwerften liegen, ziehen wir mal um die Häuser, derer es ja so viele hier nicht gibt. ( Beim „Gespenstergucken“ muss man sich ja schließlich nicht bücken, daher erlaube ich mir das.)

Zunächst fahren wir dahin, wo offensichtlich das Hauptevent stattfindet, zum Museum. Eine Autoschlange wälzt sich durchs Dorf und parkt auf einem abgesperrten Feld. Der Sheriff weist die Autos ein, sonst hat er hier irgendwie nichts zu tun. Aus den Fahrzeugen steigen Hexen, Drachen, Einhörner und Teufel. Wir gehen der Meute nach. Im Gebäude sieht es eher wie eine Kindergartenveranstaltung nach einem Fackelumzug aus. Die Kinder erhalten Süßigkeiten, die Eltern stehen am Rand.

Im direkt angrenzenden Wald wird laut gekreischt. Auch hier steht eine Schlange Menschen an, die nur in kleinen Gruppen in den fast stockdunklen Wald gelassen werden. Nur vereinzelte Funzellichter zeigen den Weg. Offensichtlich handelt es sich um eine Art Geisterweg durch die Nacht. Hier schreit es, dort sieht man etwas huschen. Nett gemacht. Auch für Erwachsene. Wenn ich nicht gehandicapt wäre, würde ich da auch mal durchgehen. Aber bei Erschrecken zur Seite springen kommt zur Zeit nicht so gut…..

Da das aber auch schon alles war, suchen wir uns eine Kneipe für unser Halloweenbier. Meine Mitstreiter sind der Meinung, dass Alkohol die Wirkung der Tabletten ja nur verstärkt und das sei schließlich eher von Vorteil. Daher genehmige ich mir auch ein Bier. Um kurz vor 21.00 Uhr werden wir rausgefegt. Feierabend. Nächste Kneipe.

Der „Sunsetgrill“ hat tatsächlich noch geöffnet und ist für hiesige Verhältnisse gut besucht. Eine Raucherkneipe, in der die Nichtraucher in einen separaten Raum gesperrt werden.🤣 (Achim, das wär Dein Laden…) Hier ist wieder Halloween. Die Bedienung, (Johannes munkelt, sie sei schon tot), fällt eher in mein berufliches Klientel, in der Ecke ist der Friedhof aufgebaut. Quer durch den Saal wird Säckchenwerfen gespielt, wobei ein Kirschkernsäckchen in einem Loch auf einem schrägen Brett verschwinden muss. Das ältere Semester, als Grisu verkleidet, spielt auch mit.

Das war’s dann mit Halloween. Na ja, wer’s mag….

Am besten sind die dekorierten Gärten mit den angestrahlten Gespenstern und Skeletten. Leider sind die aber in der Dunkelheit nicht zu fotografieren. Nächstes nationales Event: Thanksgiving. Mal gucken was passiert.

Stand Teakdeck: Fast fertig, noch kleine Nacharbeiten…..

 

 

 

Have a break, have a drug

Vorgestern plaudere ich über What’s App mit meiner Freundin Sabine von der Atanga. Sie fragt nach, ob alles in Ordnung ist. Es sei so still.

Da hat sie Recht. Wir sind nach wie vor am schuften. Von morgens bis abends. Während sich Reiner fleißig um seine Fugen kümmert, kümmere ich mich um die alten Teakstopfen, die ersetzt werden müssen. Durch das abgetretene Holz gucken die Schrauben raus. Das bedeutet, dass ich ca. 300 Schrauben aus dem Deck drehe, die Löcher nachbohre, mit Epoxy auffülle und einen neuen Teakpröppel einsetze. Das bedeutet wiederum, dass ich in gebückter Haltung über das Deck krieche und insgesamt ca. 900 x die gleiche Bewegung mache.

Das geht aufs Kreuz. Erst nur ein bißchen – mit dem guten alten Voltaren beherrschbar – gestern dann richtig. Ich liege auf dem Sofa und es ist Feierabend. Was folgt, ist eine Nacht, die ich niemandem wünsche. Ich bin eigentlich kein Lappen, was Schmerzen angeht. In dieser Nacht werfe ich alles, was gegen Schmerzen auf dem Schiff verfügbar ist, ein. Mit null Erfolg. Bevor man mich zum Arzt bekommt, dauert es eine Weile. Am Morgen ist auch mir klar, dass ich nicht weiterkomme. Wir fahren mit dem Taxi nach Gloucester in eine Notfallambulanz.

Mein Retter heißt Shawn und ist der diensthabende Arzt. Der fackelt nicht lange rum und zack zack, habe ich 2 Spritzen im Hintern. 5 Minuten später bin ich auf Wolke 7 und lebe wieder. Ich hätte ihm die Füße küssen können. Ausgestattet mit Rezept für weitere Blümchenpillen machen wir uns auf den Heimweg. Ich falle ins Bett und schlafe den Schlaf der Gerechten. Mit einer Pause zum Essen, durch bis heute früh.

Nun habe ich Arbeitsverbot. Und ich stelle fest, dass es mich alles nicht mehr so aufregt. ( Was wahrscheinlich an den bunten Pillen liegt, die orangen finde ich besonders klasse…🤗) Der Dreck, den ich nun nicht mal eben beseitigen kann, die noch nicht lackierten Teile im Schiff usw. Es ist, wie es ist. Ich habe sozusagen eine schriftliche Entschuldigung. Blöd, aber eben nicht zu ändern.

Nun habe ich auch wieder Zeit zum Schreiben. Ist ja auch was……..

Reiner schleift mittlerweile final das Deck. Spätestens morgen wird die Aktion beendet sein. Dann kehren wir zurück zum „normalen“ Arbeitsleben. Also er. Ich darf ja nicht.😜

PS: Sorry für die verspäteten Antworten. Kam was dazwischen…..😂

 

 

(K)ein Ende in Sicht

Es gibt Tage, an denen ich mir Langfahrtsegeln anders vorgestellt habe. Ich könnte eine weitere Geschichte über Staub und Chaos schreiben, davon wird es aber auch nicht besser. Es zermürbt. Tatsache ist auch, dass wir auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, was die Toleranzgrenzen in Bezug auf das Leben in einer Baustelle angeht. Reiners Schmerzgrenze liegt eindeutig höher.

Spannend wird es noch mit unserem Tischler werden. Der hat nun immerhin vor einer Woche den zweiten Riss im Türrahmen geklebt. Mit den Worten,“ …nach 24 Std. könnt ihr die Schraubzwingen abnehmen…“, verschwand er und ward nicht mehr gesehen. Ich betrachte ihn als gefeuert.

Gestern erhalten wir eine Rechnung. Für die Fußbodenbretter will er nun statt weniger – weil schlecht und mit Muster lackiert – mehr haben 😳, für die Türrahmen berechnet er zusätzlich das Lackieren. Dies hat er nie getan. Er hat die Stellen grob angeschliffen, geklebt und so hinterlassen. Mittlerweile habe ich den gesamten Rahmen abgeschliffen und begonnen neu zu lackieren. Das war vielleicht ein Fehler……

In Deutschland wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, die Sache an den Rechtsschutz zu übergeben. Hier wird sowas wohl schwierig. Zumal sie einen nicht wieder ins Wasser kranen, sofern nicht alle Rechnungen bezahlt sind.

Wir stehen nicht alleine mit einem solchen Problem da. Mehrere andere erhalten Rechnungen über Arbeitsleistungen, die mangelhaft oder gar nicht erbracht worden sind. Bisher hat niemanden die Diskussion weitergebracht. Mafia. Und die erste wirklich schlechte Erfahrung in den USA.

Auf Land liegen, kann man hier gut und sehr günstig. Aber bloß niemals einen Auftrag vergeben, dagegen war Trinidad das Paradies.

Reiner gibt sich derweil große Mühe mit dem Teakdeck. Wir sind kurz davor, neu zu verfugen. Noch ein, zwei Stellen nacharbeiten und fertig. Einige Fugen sehen super gerade aus, bei anderen ist der Rand unwiederbringlich weggesplittert. Da muss ich dann wohl hinterher einen Blumentopf draufstellen….. Dem Himmel sei Dank, dass wir hier nicht unseren „Holzfachmann“ dran gelassen haben. Der hätte das Deck wahrscheinlich komplett hingerichtet.