Farbspiele

Gestern früh um 6.30 Uhr holen wir den Anker hoch. Bis zum Mittag soll noch ein kleines laues Lüftchen wehen, dann soll der Wind ganz einschlafen. Wenn wir die 40 sm rüber nach Cat Island schaffen wollen, kommen wir an dieser Uhrzeit nicht vorbei.

Als wir aus dem Cut nach „draußen“ kommen, weht es tatsächlich ein wenig. Wir ziehen alle Segel raus und siehe da, oh Wunder, wir segeln mit bis zu 7 Knoten in die richtige Richtung. Der Wind bleibt uns erhalten. 10-12 Knoten wahrer Wind aus 80-90 Grad reichen, um gegen 14.00 Uhr die Spitze von Cat Island zu erreichen. Daran hätte nun wahrlich niemand geglaubt. Weil es so gut läuft, gehen wir gleich durch bis vor den Ort New Bight, direkt vor dem höchsten Berg der Bahamas, dem Mt. Alvernia mit 63 m !!!!!.

Cat Island gilt als das ungeschliffene Juwel der Bahamas. Wer Ruhe sucht, soll hier an der richtigen Stelle sein. Gleich an der Spitze der Insel staunen wir zum ersten Mal. Wir segeln vom tiefen Wasser direkt in eine glasklare türkisfarbene Lagune. Am Anker ist das Wasser nicht minder klar, hat aber hier einen Grünton.

Der erste Landgang bestätigt die Angaben im Internet. Wir finden einen winzigen Ort mit kunterbunten kleinen Häusern und der unvermeidlichen Kirche. In den alten Fischerhütten am Strand haben die Einheimischen ihre Bars eingerichtet. Wir sind die einzigen Weißen und werden herzlich begrüßt. Als wir ein kühles Bier am Strand trinken, kommt die Oma mit einem Teller mit frischen Conchfritters und stellt ihn vor uns hin. ( Conchfritters sind frittierte Teigbällchen mit kleingehackter Conch). Köstlich. Wir haben schon viele gegessen, diese gehören ganz klar zu den Besten. Morgen Abend wieder.

Heute nach Aufstehen blicken wir wieder mit großen Augen auf das Wasser. Die Farbspiele bei vollkommener Windstille sind unglaublich. Man sieht jedes Sandkorn am Boden, gefühlt können wir neben dem Boot stehen, in der Realität haben wir noch 1 m Wasser unter dem Kiel. Die Sicht unter Wasser scheint ins Unendliche zu gehen. (Gut so, hier soll es auch die nicht so netten Hammerhaie geben. Dann sieht man wenigstens dem Tod ins Auge bevor er kommt.🧐)

Heute werden wir den Berg besteigen und uns Muskelkater der Stufe 2-3 holen. Wird auch Zeit, dass das Herumgelungere ein Ende hat. 😉

Georgetown

Das Leben könnte schön sein. Wenn man nicht immer irgendeinen Ärger mit der Technik hätte. Immerhin ausnahmsweise mal nichts mit der Bootstechnik, nein diesmal mit der Kommunikationstechnik. Unsere Homepage hat eigenständig komische Sachen gemacht. Zähler sind verschwunden, die E-Mail Benachrichtigung setzt aus. Somit sind wohl, wie es aussieht, die letzten beiden Berichte nicht versendet worden. Sorry, dass wir das erst so spät bemerkt haben. Nun sollte es wieder funktionieren, vielleicht könnte jemand rückmelden, ob die Mail angekommen ist.

Ansonsten sind wir jetzt seit knapp 2 Wochen in Georgetown. Das sollte reichen. So richtig werden wir nicht warm mit diesem Ort. Es ist nett. Aber irgendwie mehr auch nicht. Das Örtchen mit seinen 900 Einwohnern bietet nicht so arg viel. Die zwei Supermärkte sind das beste an allem, frisches Gemüse im Überfluss. Es gibt drei kleine und ziemlich hochpreisige Boutiquen, einige Kneipen und sonstige Läden in denen man das dringendste bekommt. Am nettesten ist noch der Waschsalon in dem Big Mama mit strengem Blick und großem Herz über ihre Waschmaschinen, Trockner und Kunden herrscht. Alles andere wirkt etwas rumpelig und staubig, mit dem Müll sieht man die Sache auch nicht so eng.

Stocking Island mit den Ankerplätzen auf der anderen Seite bietet wirklich zauberhafte Strände und schöne Spazierwege. Hier findet auch die Seglercommunity ihre Bespaßung. Heute ein Ratespiel, morgen Yoga, übermorgen Gottesdienst am Strand. Wer die Prickley Bay auf Grenada mochte, wird sich auch hier wohlfühlen. Eine Vermischung mit den wirklich netten Bahamesen findet eher nicht statt. Da haben uns die letzten beiden Orte deutlich mehr zugesagt, aber die Geschmäcker sind ja verschieden.

Morgen wird nochmal eingekauft, die Gasflasche gefüllt und dann geht es wieder Richtung Nord. Mit ein bißchen Glück 40 sm nach Nordost. Dort liegt etwas im Abseits Cat Island. Es soll nur wenig touristisch sein, Riffe zum Schnorcheln haben und ebenfalls schöne Strände haben. Wir sind ja schon immer für die Orte, die etwas im Abseits liegen, gewesen.

Pinkeln und andere Freuden

Der Traum (Reiner‘s) vom neuen Dinghimotor ist mal wieder ausgeträumt. Er pinkelt wieder.

Nachdem sich der Chefmechaniker gestern Abend noch mit Zeichnungen des Dinghimotors auseinandergesetzt hat, folgt heute der zweite Akt der Ursachenforschung  für den Harnstau. Im oberen
Bereich wird gesucht, treu den Leitungen folgend. Nach kürzester Zeit fällt ihm eine kleine Düse auf, die am Leitungssystem sitzt. Durchpusten lässt sie sich nicht. Aha. Ein kleiner Draht schafft, was das Kühlwasser nicht mehr konnte, nämlich durchfließen. Dicke Salzbrocken lösen sich und prompt lässt sich das ganze System wieder leicht mit der dicken Spritze durchspülen.

Nun flucht der Mann schon wieder. Weil es nämlich ganz einfach war und ungefähr zwei Minuten gedauert hat, im Gegensatz zur gestrigen Aktion. Ich find’s gut. Wissen wir doch jetzt, dass der Impeller gesund und munter ist. Nach dem Starten kommt die Bestätigung. Er strullert mit ordentlich Druck wie ein junger Mann.

Da uns hier seit gestern Nacht quasi die Löcher aus dem Käse fliegen, wir haben Windböen über 30 Knoten, und das Ganze noch bis zum nächsten Tag anhalten soll, ist noch Zeit genug die Membrane für den Wassermacher auszuwechseln. Viel mehr kann man eh nicht machen.

Und siehe da, auch das flutscht. Nicht in zwei Minuten, aber innerhalb von 2 Stunden ist auch dieses Thema erledigt. Der Erfolg ist grandios. Bei noch nicht mal vollem Druck bringt der Wassermacher bereits über 50 l Wasser pro Stunde. ( Bei vollem Druck unter optimalen Bedingungen, wie z. B. wenig Salzgehalt im Wasser schafft er 60 l/ Std. ) Da war wohl der Wechsel dringend fällig. Vielleicht sollte man doch lieber einmal öfter die Membrane wechseln, zumal die hier in den USA deutlich günstiger sind, als in Deutschland. 🤔

Ein Blick auf die aktuellen Preise untermauern den Gedanken. 561 € in DE gegen 227 U$ !!! Das noch bei dem derzeit günstigem Wechselkurs macht so um die 170 €. Das eine bei amazon.de, das andere bei amazon.com. Also wer bescheißt da denn jetzt wen?

Montag

Montage sind ja allgemein nicht so beliebt. Bei uns auch nicht.

Am Sonntag ist noch alles schick. Das Schwein, von dem ich gerne ein Foto gemacht hätte, ist als wir eintreffen schon zerlegt und schmeckt lecker. Mit Orangensauce, Reis und Salat. Nicht eine einzige Gabel voll hätte ich abgegeben.

Der anschließende Verdauungsspaziergang tut auch gut. Am „offenen“ Strand auf der anderen Seite finden wir einen Abschnitt, an dem wahre Kostbarkeiten liegen. Von der permanenten Wucht des Wassers liegen große Felder kleingeriebener Muscheln und Schneckenhäuser in den schönsten Farben auf der Erde. Es funkelt in der Sonne und ich muss zwanghaft die noch intakten Exemplare sammeln. Ein echter Sonntag.

     

Auf Sonntag folgt Montag.

Unser Dinghimotor läuft seit Monaten einwandfrei, Sogar ich bekomme ihn leicht in Gang. Kein Gezicke. Seit einigen Tagen fällt uns auf, dass er sehr wenig Kühlwasser ausspuckt. (Kommt an der Seite wie Pipi rausgeschossen). Heute, auf dem weiten Weg in die Stadt – wir müssen Wäsche waschen und einkaufen – stellt er das Pinkeln ganz ein. Am Steg angekommen ist er heiß und qualmt. Sofort fällt der Verdacht auf den Impeller. Quasi das Schaufelrad für das Wasser. Wenn der sich zerlegt, was diese Dinger leider nun mal ab und an tun, ist Feierabend.

Für die Rückfahrt nimmt Reiner den Motordeckel ab, damit wenigstens die Luft kühlen kann. Wir tuckern schön langsam, bloß nicht zu heiß werden, wieder zum Schiff. Reiner‘s Laune war schon besser…….und wo war doch gleich der Ersatzimpeller?????? In der Motorkiste? Unter der Sitzbank? Im Schrank am Navitisch? In der Werkzeugsxhublade? Man(n) weiß es nicht. Die Suche wird verschoben.   
Dann geht die Frickelei  los. Motor hochholen, am zappeligen Dinghi im Wasser geht gar nichts. Werkzeug raus. Zack Baustelle. 🙄 Nach einer Stunde kommt der Impeller ans Licht. Und sieht gut aus. 🧐 Ist das jetzt gut oder schlecht? Fakt ist, dass die Suche nach der Ursache morgen weitergeht, die nach dem Impeller nicht. 

Ich mache derweil Wasser. Kann ich ja jetzt! Dabei fällt auf, dass der Wassermacher nur sehr uneffektiv arbeitet. Sprich, er macht zu wenig Wasser. Statt der gewohnten 40-50 Liter ( normal sind bei guten Bedingungen 60!), nur mickerige 30. Da muss dann wohl mal der Filter gereinigt oder gar die Membrane ausgetauscht werden. In den nächsten zwei Tagen windet es erstmal heftig, so richtig vom Schiff kommen, werden wir wohl nicht. Zeit zum Basteln…….

Sonntag war eindeutig besser. Aber warum sollte es uns anders gehen, als Euch zu Hause….

Liebe auf den zweiten Blick

Wir haben unser vorläufiges Ziel erreicht. Georgetown, die Hauptstadt der Exumas, der Inselkette, die sich über ca. 100 Meilen erstreckt

Wie in der südlichen Karibik heißt auch hier mal wieder die größte Stadt Georgetown. Ein beliebter Name in der Region. Wenn einem nichts mehr einfällt, nennt man es einfach Georgetown, nach dem englischen König George III. Ich kann schon gar nicht mehr zählen in wie vielen Georgetowns wir schon waren…😉

Wir treffen auf manche Orte, bei deren Anblick wir sofort in Verzückung geraten. Manch andere Flecken muss man erst lieben lernen. Bei unserer Ankunft, stellen wir fest, dass die Ankerplätze am Arsch der Welt liegen, nämlich vor Stocking Island, einer wiederum langgezogenen vorgelagerten Insel, die Georgetown gut schützt und keine große Welle entstehen lässt. Dazwischen fließt ein breiter Kanal. Um in die Stadt zu kommen, muss dieser mit dem Dinghi überquert werden. Erst die nackten Zahlen können mich überzeugen, dass es tatsächlich nicht weiter ist, als in Staniel Cay, wo ich vier Wochen verbracht habe und es nicht gestört hat.

Das überzeugendste an Georgetown ist auf den ersten Blick die Existenz zweier Supermärkte, die ihren Namen verdient haben. Ein Paradies für den ewig auf Nahrungsjagd befindlichen Segler. Das riesige Versorgungsschiff kommt zweimal in der Woche, die Regale sind voll. Der zweite Gang in der kommenden Woche wird bestimmt noch weitere Pluspunkte zu Tage bringen.

Dafür entpuppt sich Stocking Island als wirklich reizvoll. Wir liegen in einer Bucht vor dem Monument der Insel, ( na ja, halt ein Betonpfeiler), welches auf einem Hügel steht. Der Weg dorthin führt durch dichten Palmenwald, der Blick von oben ist großartig. Auf der einen Seite fällt der Blick auf die Ankerplätze, auf der anderen Seite auf den offenen Atlantik. Menschenleere Strände auf beiden Seiten. Mittlerweile könnten wir das Empire Statebuilding von innen mit kitschigster Fototapete pflastern, sattsehen kann man sich nicht.

          

Auch schön ist, dass hier tatsächlich fast ausschließlich Segler aller Nationen liegen, von Norwegen bis Australien ist alles vertreten. Große amerikanische Megamotoryachten tauchen fast gar nicht auf. Im Seglertreff, dem Chat’n Chill, herrscht Multikulti, die Volleyballlteams sind bunt gemischt.

Aber das Beste ist, dass sich hier am Strand ein ganzes Schwein am Spieß drei Tage lang dreht, bevor es am Sonntag gegessen werden kann. Und zwar von uns !!!

Wo ist Balou?