Einfach kann jeder….

Nach Tagen in der totalen Einsamkeit in der Bahia Espiritu Santo geht die Reise weiter. Endgültig nach Belize.

Die Wetteraussichten sind solala. Der Wind sieht gut aus, leider sind aber auch Regen und Gewitter angesagt. Naja, hilft nichts, ist nicht das erste Mal. In den nächsten Tagen soll der Wind total einschlafen. Noch schlechter. Am Nachmittag verlassen wir die Bucht, nachdem die erste schwarze Wand vorbeigezogen ist. Es geht besser als erwartet, nur die Nacht ist etwas nervig, da der Wind ständig wechselt. Reffen, ausreffen, reffen, ausreffen, reffen,…..Gewitter bleiben aus.

Aber es wäre ja nicht die Balou, wenn’s alles komplikationslos laufen würde. Während meiner Wache fällt mein Blick auf unseren Anzeigenmonitor am Navitisch. „Füllstand Wasser mittlerer Tank 19%“ 😳 Wieso so wenig? Wo ist das Wasser hin? Da fehlen mindestens 150l…. Reflexartig gucke ich in die Bilge. Noch 20 cm bis zu den Bodenbrettern. Reiner wecken und die Druckwasserpumpe ausstellen sind eins. Wir pumpen die Bilge ab, das Wasser steht. Problem auf morgen vertagt. Wahrscheinlich der Klassiker: Eine lose Schelle oder abgegangener Schlauch irgendwo im Wasserkreislauf.

Am Vormittag erreichen wir San Pedro. Die Atanga ist schon durch den Pass und liegt am Anker. Der Bericht an der Funke ist mittelmäßig. Die Durchfahrt durch den Riffsaum ist noch relativ einfach, dann aber wird es sehr flach. Sie haben noch 30 cm unter dem Kiel. Wir schleichen uns rein. Laut unserer Zeichnung ist es hinter dem Heck der Atanga etwas tiefer, vorsichtig tasten wir uns vor. Erste Grundberührung. Der Sand wühlt auf, aber wir kommen aus eigener Kraft weiter. Bloß jetzt keine Korallen…….Die Sicht ist zwar gut, dass Wasser sehr klar, aber ob sich unterhalb der Oberfläche Korallen befinden, sieht man natürlich nicht.

Zwanzig Meter weiter, das Schiff stoppt. Wir hängen wieder fest. Die Tiefe ging von 30 cm auf 0. Ende. Diesmal sitzen wir fest. 😱 Es hilft kein vorwärts und kein rückwärts. Reiner geht ins Wasser. Unter uns nur Sand und Seegras. Gott sei Dank. Nach kurzer Besprechung macht Achim das Dinghi klar und versucht uns mit Drücken und Schieben irgendwie zu bewegen. Kein Erfolg. Neuer Plan: Er wird unseren Anker ( 33kg mit 10mm Kette!) in sein Dinghi laden, zwanzig Meter weiter fallen lassen und wir versuchen uns mit dem Anker rauszuziehen. Gut, dass der Nachbar ein Dinghi mit Festboden und starkem Motor hat. Wir wären wahrscheinlich abgesoffen mit unserem.

Es klappt. Der Anker fällt ins Wasser, Reiner steht am Steuer, ich hole die Kette ein, Achim schiebt von der Seite. Noch tut sich wenig. Bis plötzlich ein Tauchboot mit hoher Geschwindigkeit dicht an uns vorbeifährt. Eine Welle!!!!! Wir gucken uns an, neuer Versuch mit viel Gas, die Welle hebt uns an und wir sind frei. Bloß weg da. Diesmal fahren wir vor die Atanga. Jetzt sind 50cm unter dem Kiel. Nicht die Welt, aber besser wird’s nicht. Anker runter, einfahren und Feierabend.

Naja, fast. Der Ankergrund ist hier unter aller Kanone. Fester harter Korallensand über steinharter Korallenplatte. Da gräbt sich nichts ein. Die Spitze ist drin, mehr aber nicht. Bei viel Wind wird das ein Problem. Und das kommt dann auch prompt in der Nacht.

Ein dickes Gewitter zieht auf, der Ankeralarm geht los. Zunächst nur, weil wir uns aus dem Schwojenkreis drehen. Aber ich traue dem Frieden nicht und bleibe wach. Wir drehen uns um fast 180 Grad und ich befürchte, dass sich mit viel Wind auch der Anker rausdreht. Also bin ich drei Stunden wach und beobachte den Fall. Es sieht auf dem Monitor aus, als wenn wir uns ein kleines Bißchen bewegen. Nachdem der Wind nachlässt, ist Stillstand. Ankeralarm wieder an und schlafen.

Am Morgen taucht Reiner nach dem Anker. Er ist gerutscht und hat sich etwas rausgedreht. Nach dem Einklarieren ist da Handlungsbedarf. Irgendwas müssen wir uns ausdenken, sonst können wir das Schiff kaum verlassen. Und das wäre schade. Es sieht wirklich nett aus hier.

PS: Ein paar Fotos von der Rettungsaktion sind auf dem Blog der Atanga zu sehen. 

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