Hit And Run

……zu deutsch: Fahrerflucht.
Wie berichtet liegen wir in der Ankerbucht in Bequia. Es kachelt in Böen über 30 Knoten, aber unser Anker hält tapfer. Auf dem Plotter ist schön zu sehen, dass wir uns nicht von der Stelle bewegen.

Am späten Nachmittag läuft ein Chartercatamaran mit französischer Crew ein. Sie ankern direkt vor uns, der erste Versuch geht jedoch schief, sie rutschen relativ zügig in unsere Richtung. Aber die Crew ist an Bord und bemerkt das Problem. Der Anker wird aufgeholt und an der selben Stelle neu runtergelassen mit relativ wenig Kettenlänge für die Tiefe. Diesmal bewegt sich der Cat nicht mehr, nach 20 min. geht die gesamte Crew von Bord.

Ich bin misstrauisch. Der Abend nimmt seinen Lauf, ich sitze noch am Laptop, Reiner geht früh schlafen. Die Catamarancrew kommt ebenfalls zurück und geht ins Bett. Ich bin immer noch misstrauisch, zumal der Wind zulegt. Schlafen kann keiner von uns, ich gehe runter und lese.

Gegen 00.30 Uhr gibt es einen Knall.
Mir ist sofort klar was passiert ist, der Catamaran hat uns gerammt. Wir stürzen sofort nach oben, zu sehen ist außer dem Boot, was an unserem Rumpf klebt, niemand. Ich brülle laut los, Reiner macht die Decksbeleuchtung an, wir funken die Flying Fish an. Alles gleichzeitig. Die Fishies haben das Drama aber schon gesehen und sind nach wenigen Sekunden mit dem Dingi da. Keine Sekunde zu spät, denn der Cat startet den nächsten Angriff. Die Beiden fahren todesmutig mit ihrem kleinen Dingi zwischen die Schiffe, um Balou zu retten und halten so den zweiten Schlag ab. Die Crew ist inzwischen auch auf Deck und steht verwirrt und hilflos neben sich. Der Skipper versucht irgendwie den Cat von uns weg zu bewegen, sprechen tut keiner von Ihnen mit uns. Nachdem die Franzosen irgendwie begriffen haben, dass ihr Anker hochgeholt werden muss, geht ein Vorwärts-und Rückwärtsgesteuere los, welches total planlos wirkt. Dabei bläst er zu Angriff Nummer 3 und treibt direkt vor uns rückwärts auf uns zu. Bei 2 Metern Abstand reißt mir der Geduldsfaden und ich brülle ihn an. Ja, ich habe schmutzige Wörter benutzt, die ich hier nicht wiedergeben möchte. Aber es hilft, er gibt Gas und fährt wieder vorwärts.

Inzwischen sitzt Reiner ebenfalls in unserem Dingi, um weitere Attacken abzuwehren. Die Crew bekommt den Anker nicht hoch. Nach endlosen Minuten ziehen sie ihn nach oben und Heiko macht Ihnen klar, dass ein erneuter Ankerversuch jetzt nicht angebracht ist und sie sich doch bitte an eine Muringboje hängen sollen. Der Cat zieht Richtung Bojenfeld ab, auf den ersten Blick sehen wir keine Schäden. Es sieht so aus, dass er an unsere Scheuerleiste gedonnert ist. Er selbst hat mit Sicherheit etwas abbekommen.
Im Gewühl haben wir uns noch den Namen des Schiffes und die Chartergesellschaft aufgeschrieben.

Eigentlich hatten wir erwartet, dass sich der Skipper heute früh bei uns meldet, um sich nach dem Schaden zu erkundigen, oder vielleicht sogar zu entschuldigen. Mitnichten. Als die Fishies um 9.30 Uhr durch das Bojenfeld in den Ort fährt, hat er sich vom Acker gemacht. Und jetzt sind wir richtig sauer.

Wir haben die Chartergesellschaft angeschrieben und den Vorfall geschildert mit der Aufforderung, zügig Kontakt mit ihrem gecharterten Schiff aufzunehmen, da wir den Skipper anderenfalls wegen Fahrerflucht anzeigen werden. Denn jetzt stört uns sogar die zerkratzte Scheuerleiste. Was für eine Frechheit. Hilflos kann man sein, angefangen haben wir alle. Aber abhauen geht gar nicht.

Und wie wir das bei der Flying Fish wieder gutmachen können, müssen wir uns noch überlegen.

2 Kommentare

  1. Ahoi Balou! ⛵ Lieben Gruß an die Crew der Flying Fish!! ???? ???? Es beruhigt uns hier im mal wieder weiß gepuderten Schapen doch sehr, daß ihr dort in der Ferne solche tollen ( und vor allem reaktionsschnellen) Freunde an eurer Seite habt. ???? Sind in Gedanken immer bei euch. Passt auf euch auf und haltet euch in Zukunft von wild gewordenen Catamaranen fern.????????????
    Ganz liebe Grüße senden euch Mone und Torsten

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