Das Leben auf Steg “R”

Wir sind mittlerweile seit 3 Wochen hier in Las Palmas. Wir bekommen Besuch, wir kaufen ein, wir basteln, wir nähen. Eigentlich ist immer was los.

Neben dem täglich abwechselnden Arbeitsanfall gibt es hier aber noch ein Nachbarschaftsleben auf dem Steg, in unserem Fall Steg “R”. Und das ähnelt stark dem Leben in einer Vorstadtsiedlung mit Reihenhäusern, Vorgarten, Gartenzwergen und Klatsch und Tratsch.

Hier treffen Menschen aus Nationen aus aller Welt mit ihren jeweiligen persönlichen Macken und Eigenheiten aufeinander. Ein klein wenig sticht dabei die typische deutsche Kleingartenmentalität hervor. Direkt vorne dicht an der Tür kommt vor einigen Tagen ein deutsches Schiff herein und wird von der gegenüberliegenden Stegseite mit Worten begrüßt:” ist ja super, da hast du ja wieder deinen Platz vom letzten Jahr.” Der Skipper ist zufrieden und baut seinen Zaun, sprich Sichtschutz, zum nächsten Nachbarn auf.
Drei Plätze weiter wohnt ebenfalls ein Deutscher, der nach seinem “Einzug” eine Satellitenschüssel aufbaut, um pünktlich abends seine “Lindenstraße” zu sehen. Leider müssen die umliegenden Schiffe mithören, da die Außenlautsprecher mitlaufen.

Aber auch gegenüber von uns spielen sich interessante Dinge ab. Ein Finne leicht reiferen Alters schaltet gegen Abend regelmäßig seine Navigationslichter und die Decksbeleuchtung ein. Während der ersten Tage fragen wir uns noch nach dem Sinn der Aktion, inzwischen wissen wir, dass er, des abends sehr feierfreudig, in angetrunkenem Zustand schlicht seinen Nachhauseweg beleuchtet. An manchem Abend hat er eine junge, dunkelhäutige, attraktive Begleitung auf High Heels dabei.

Seit gestern allerdings ist Schluss mit lustig. Die Ehefrau ist angereist. Typ leicht korpulente Hausfrau gleichen Alters. ???? Plötzlich ist er auch uns gegenüber ganz freundlich und wünscht einen guten Morgen. Hat da wohl wer Schiss, dass wir unsere Erkenntnisse ausplaudern?

Also wir brauchen keine Satellitenschüssel. Wir haben ” Lindenstraße live”.

Morgen früh geht es in die Werft. Dann ist 3 Tage richtig Arbeit angesagt. Die Kranerei ist immer ein bisschen aufregend, insbesondere wenn man nicht einschätzen kann, wie die Werftleute mit dem Schiff umgehen. Ich mach jetzt erstmal draußen etwas sauber, damit es nicht von vornherein so aussieht, als wenn es bei der Schmuddelkiste egal wäre, ob sie ein paar Kratzer mehr oder weniger hat. Oder ist das auch typisch deutsch?

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