Das Melonenexperiment 

In Anbetracht der auf uns zukommenden längeren Ozeanüberquerung gewinnt bei allen das Thema Verproviantierung an Bedeutung. Nudeln, Reis und Dosentomaten sind ja kein Problem, wie sieht es aber mit den frischen Dingen aus? Wie lange hält sich welches Obst oder Gemüse auch ohne Kühlung?Da jedes Schiff unterschiedlich gebaut ist und somit auch über unterschiedliche Lagerungsmöglichkeiten verfügt, muss man ( oder Frau) eben im Vorfeld einiges ausprobieren. Eines meiner Testobjekte ist eine Melone.

Da wir über eine sehr tiefe Bilge ( tiefster Punkt im Schiff unterhalb der Wasserlinie) verfügen, liegt die Temperatur dort unten normalerweise deutlich unter der Lufttemperatur. Die Frage ist jetzt: Wie lange hält sich dort unten eine Zuckermelone?

Das Obst wird in eine dünne und unverschlossene Plastiktüte gesteckt und versenkt. Klappe im Bodenbrett zu und warten. Ich warte eine Woche, alles super, die Melone sieht aus, wie eben gekauft. Ich warte eine zweite Woche, alles in Ordnung. Ich vergesse die Melone…..

Vor zwei Tagen müssen Getränke nachgekauft werden. Einige Flaschen Wasser lagern wir meist in der Bilge. Schneller Zugriff, angenehme Trinktemperatur. Zeitgleich habe ich das komische Gefühl, dass irgendetwas komisch riecht. Beim Verstauen des Wassers öffne ich den Bilgendeckel und mir schwant Böses. Ich hebe vorsichtig die Tüte mit der (einstigen) Melone an und höre ein leises Platschen, welches anzeigt, dass sich die Melone in diesem Moment in die Bilge ergießt. Ein spontaner Würgreiz tritt ein. ????

Ok, ich bin Schuld. Ich hab’s vergessen und es hilft alles nichts, ich muss es beseitigen. Nachdem ich die schleimigen Restbestände irgendwie aus der Tiefe geholt habe, wird ordentlich hinterher geschwischt. Kurzzeitig sieht alles gut aus. Leider befindet sich dort unten auch einer unserer Wassertanks, der Teile der bis nach vorne reichenden Bilge unzugänglich macht. Und dahin ist die Restsuppe gelaufen. Der Gestank im Schiff ist nahezu unerträglich, die Geruchsrichtung befindet sich irgendwo zwischen verwesender Ratte und frischem Erbrochenem.

Einzige Lösung: Die Bilge muss geflutet werden. Ich kippe einen Eimer mit Wasser und Domestos hinterher. Nun müssen wir den angesagten Wind abwarten, der die Mischung schön hin und her bewegt, um morgen alles wieder abzupumpen.

Im Ergebnis kann festgehalten werden: Eine frische Melone sollte nicht deutlich länger, als zwei Wochen in der Bilge gelagert werden.

Die Anfrage der Fishies nach einer zweiten Versuchsreihe habe ich abgelehnt.

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