Quinta de Lorde – eine Frage der Perspektive

Als wir vor drei Tagen auf dem echten Madeira in Quinta de Lorde ankommen und uns erst einmal im Nahbereich orientieren, haben wir den Eindruck, dass wir am A…… der Welt sind.

Quinta de Lorde besteht aus einem Ferienresort im gehobenen Stil. Am Fuß der Anlage befindet sich die Marina, außen um die Anlage befindet sich ein Zaun mit großem Tor. Außerhalb befindet sich (mal wieder) nichts. Nachdem wir auch nach Studium der Busfahrpläne feststellen müssen, dass die 1 1/2 stündige Verbindung nach Funchal mit dem letzten Bus um 18.15 Uhr aus Funchal endet, beschließen wir doch mal schnell ein Auto zu mieten, um uns Richtung Hauptstadt weiter zu orientieren und den Hafen in Funchal in Augenschein zu nehmen. In Anbetracht der Tatsache, dass Reiner eine Weile alleine auf dem Schiff sein wird, für ihn vielleicht die bessere Alternative.

Wir mieten das Auto am Flughafen, was deutlich günstiger ist, als hier über die Marina und fahren heute Vormittag nach Funchal. Die Fahrt mit dem Auto ist im Gegensatz zum Stück mit dem Bus bis zum Flughafen wunderbar. Der Busfahrer scheint hinter seinem Lenkrad Kindheitsträume auszuleben und verwechselt Bus mit Formel 1-Wagen. Die Pirellisonnenbrille wird zurecht gerückt und nach Starten des Motors erstmal im Leerlauf mehrere Mal kräftig Gas gegeben. Dies wiederholt sich an jeder Ampel. Auch während des Fahrens scheint sich der Held wie auf dem Nürburgring zu fühlen, mit dem Unterschied, dass die Straßen hier auf Madeira aus Serpentinen bestehen. Nach Besteigen des „eigenen“ Autos, entspannen wir uns wieder….

Bis nach Funchal zieht sich unser kurvenreicher Weg durch grüne Hänge, die aussehen, wie aus dem Feenland und kleine hübsche Dörfer. Teilweise liegen die Häuser auch etwas verstreut außerhalb und fallen durch fruchtbare Gärten auf. Ganz beseelt erreichen wir Funchal. Auch hier liegen die Außenbezirke an Hängen mit viel Grün. Eine Seilbahn führt von der Wasserkante in die oberen Teile der Stadt. Überall Berge.

Und plötzlich wird es voll. Nachdem das Auto sicher im Parkhaus abgestellt ist, schlagen wir zunächst den Weg Richtung Hafen ein. Als erstes fällt ein Kreuzfahrthochhaus ins Auge. Im Yachthafen herrscht riesiges Getümmel, reichlich große Touristenrestaurants umsäumen das Hafenbecken. Abgesperrt ist nur der Steg, so dass jeder in die meisten der Boote gucken kann. Neben dem Hafen ertönt ein Presslufthammer auf einer riesigen Baustelle. Auch wirklich viele Fingerstege sind nicht zu finden, teilweise sind die Schiffe auf engstem Raum mit Mooringleinen vertäut. Da muss man gut drüber nachdenken, ob das wirklich die richtige Idee ist, den Hafen zu wechseln. Alleine kann Reiner da sowieso nicht rein, ohne helfende Hände keine Chance.

Als nächstes besuchen wir die Markthalle und werden zum ersten Mal auf unserer Reise über den Tisch gezogen. Die Markthalle wird in jedem Reiseführer erwähnt und soll ein MUSS auf der Liste sein. Sie ist auch wirklich hübsch. Nicht sensationell, aber hübsch. In der ersten Etage befinden sich reichlich Obststände, an denen man die verschiedensten Früchte probieren kann. Reiner entscheidet sich für eine grüne Frucht, deren Namen ich schon wieder vergessen habe und die nach Ananas und Birne schmecken soll. Ich erstehe zwei unterschiedliche Sorten getrocknete Chilischoten. Noch zwei Mangos dazu und fertig. Während ich schon einen Stand weiterschlendere und die Tomaten begutachte, ist Reiner am Bezahlen. Ich komme dazu und sehe, wie 30€ den Besitzer wechseln. ???? Und bekomme Schnappatmung. Dabei hat Reiner sogar eine Mango wieder zurückgelegt. Angeblich ist der Chili so teuer. Da die 30€ bereits in der Kasse verschwinden, fällt die Aktion wohl unter die Kategorie Lehrgeld. Niemals ohne vorher nach dem Preis zu fragen. Wir haben das teuerste Obst unseres Leben erstanden.

Wieder zurück in der Marina, stellen wir fest, wie schön ruhig es hier ist. Und dass man doch mal ein Bad im Meerwasserpool nehmen könnte. (Umsonst!) Dass wir hier in jedem Restaurant/Bar 15% Rabatt bekommen, macht die Sache auch nicht schlimmer. Den Sturm haben wir ebenfalls kaum bemerkt, wir liegen sehr geschützt. Und es fehlt hier auch die Regenwolke, die ständig bergbedingt über Funchal hängt. Also, alles eine Frage der Perspektive.

3 Kommentare

  1. Musste eben lachen, denn die Busfahrt, sowie das Gefühl über den Tisch gezogen worden zu sein in der Markthalle , sind deckungsgleiche Geschichten, die ich ebenfalls vor rund 20 Jahren dort erlebt habe.

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