Kindererziehung in Frankreich

Nachdem seit gestern das Internet extrem langsam läuft und wir ja so wie es aussieht, noch etwas länger hier verweilen werden, beschließen wir heute, uns eine Prepaidkarte für unser Bordnetz zu besorgen. Wahrscheinlich sitzen alle Segler hier den lieben langen Tag vor den Wetterkarten und schütteln den Kopf über die gruseligen Aussichten, so dass die Geschwindigkeit auf Schneckentempo zurück fällt.

Reiner hat schon den passenden Laden ausfindig gemacht und wir gehen los. Als wir das Geschäft betreten, sind bereits zwei Familien vor uns da. Bei zwei Verkäufern heißt das also warten. Kein Problem. Zur Rechten steht eine  Familie mit zwei Töchtern, die gelangweilt in die Luft starren. Zur Linken steht eine Großfamilie mit Oma, Opa, Eltern und zwei Kindern. Ein Junge, ca. 2 1/2 Jahre, ein Mädchen ca. 13 Jahre. Eltern und Tochter stehen am Tresen  und hören dem Verkäufer gebannt zu, Oma sitzt auf der Bank an der Seite, der Junge (Mattheo, wie sich schnell herausstellt), rennt durch den Laden und krakehlt laut vor sich hin. Opa hinterher. Mattheos Stimme befindet sich mit seiner Frequenz dicht am Trommelfelltrauma. Er rennt zu Oma, die hebt ihn auf die Bank ( für 30 sek.), er schreit:“ Maman, Maman…“ Maman lächelt ihn an und nimmt ihn auf den Arm. (Für 30 sek.). Er rennt wieder los -Opa hinterher – und reißt im Laufen ausgelegte Prospekte auf die Erde. Die Familie lächelt, Opa hebt sie auf. Das Kind schreit wieder nach seiner Mutter, die hebt ihn jetzt auf den Tresen. Dort legt er sich hin und angelt mit den Händen dahinter. Der Verkäufer bleibt ruhig. Reiner fragt mich, da er genau sieht, wie sich meine Pupillen verengen, ob ich nicht schon zum Supermarkt vor gehen möchte, aber ich will das Spektakel weiter verfolgen. Mattheo wird vom Tresen gepflückt und macht einen Fluchtversuch In Richtung Tür. „Gott sei Dank,“ denke ich, “ die einzig gute Lösung. lasst ihn raus hier.“ Weit gefehlt, Opa versperrt ihm den Weg. Daraufhin fängt Mattheo an über den Fußboden zu robben, um anschließend hinter die Auslagen ins Schaufenster zu krabbeln. Opa kommt nicht mehr ran. Maman ist tiefenentspamnt mit dem Handykauf beschäftigt. Inzwischen ist auch der Jüngeren der beiden Kinder der rechten Familie die Sache zu langweilig geworden und sie fängt an, ein ausgestelltes IPad Air auf dem Display mit Spucke zu beschmieren. Du lieber Himmel, dürfen die hier alles?????

Ich bin jetzt doch kurz davor, das Drama zu verlassen bevor ich einen Vortrag über Kindererziehung halte (hätte auch nicht viel geholfen, ich kann kein französiisch), da sind die beiden Familien fertig und wir an der Reihe.

Liebe Kollegen, wenn Mattheo nicht in der Schule Terror macht oder ADHS hat, fress  ich einen Besen.

3 Kommentare

  1. Hallo ihr beiden!
    Rainer und ich begleiten euch seit eurer Abfahrt in Heiligenhafen heute vor drei Wochen täglich. Und wir warten stets gespannt und neugierig auf euren nächsten Reisebericht… Es ist so herzerfrischend, wie ihr eure Erlebnisse schildert!!! Da huscht mir doch (fast unbemerkt) wieder ein Lächeln übers Gesicht! Macht weiter so und lasst euch vom bisher eher bescheidenen Wetter nicht unterkriegen…. wird sicher bald besser! Genießt einfach! Stets eine Handbreit… und liebe Grüße von Rainer und Andrea, euren letzten Liegeplatznachbarn in Heiligenhafen

    • Vielen Dank! Wir geben werden uns Mühe geben. Und das mit dem Wetter…na ja.Am Mittwoch soll es besser werden, dann eher zu schwach, aber egal. Dann schlagen wir richtig zu ;-))
      Lg Beate

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