Satelliten Telefon vs. Kurzwellenfunk

Bildschirmfoto 2014-09-13 um 09.07.42Es wird immer wieder kontrovers unter den Langfahrtseglern diskutiert, ob sich überhaupt die Mühen und Kosten lohnen eine Kurzwellenanlage zu installieren, da doch Satelliten Systeme immer günstiger werden. Auch ich habe mich mit diesem Thema auseinander gesetzt, da ja Entscheidungen getroffen werden müssen und das weit vor Fahrtbeginn, damit evtl. entsprechende Lizenzen erworben werden können.

Als erstes habe ich mich für das ‚Kommunikation auf Yachten‘ Seminar vom Trans Ocean Verein angemeldet. Dort geben erfahrene Amateurfunker und Segler an einem Wochenende einen umfassenden Überblick, allerdings gewichtet auf Amateurfunk.

Danach habe ich mich mit den Satelliten Systemen auseinander gesetzt. Für uns Fahrtensegler kommen nur zwei Systeme in Betracht, das Inmarsat und das Iridium System. Die anderen Systeme decken entweder nicht die Ozeane ab oder beschränken sich nur auf Europa und Afrika.

Das Inmarsat System ist günstiger in der Anschaffung (IsatPhone ca 550 €) und auch in den Gebühreneinheiten (ca 0,85 € / min). Der große Nachteil dieses Systems ist die geringe Anzahl der Satelliten (nur 3) und die Höhe der Satelliten. Dies erfordert eine exakte Ausrichtung der Telefone, die auch mit GPS ausgestattet sind um ihre Satelliten zu lokalisieren. Dadurch können auf hoher See bei starken Seegang Probleme auftreten. Da mich das System aus Kostengründen interessierte, habe ich versucht Erfahrungsberichte im Internet zu ergattern.

Im PALSTEK 4/12 ist ein interessanter Artikel eines Atlantikseglers, der beide System Iridium und Inmarsat inkl. Client Software getestet hat. Fazit des Artikels für mich: Iridium hatte auch mal Aussetzer, aber nach ein paar Minuten Wartezeit konnte die Verbindung wieder aufgenommen werden. Das Inmarsat hatte schon Probleme unter Deck Verbindungen aufzubauen, auf Deck waren schon akrobatische Verrenkungen Notwendig bei Seegang die Ausrichtung der Antenne zu halten.

Da aber gerade im Seenotfall und der ist in der Regel bei schwerem Wetter, eine schnelle Verbindung notwendig ist, schloss ich das Inmarsat System für uns aus.

Das Iridium System deckt den kompletten Globus mit 66 umlaufenden Satelliten ab. Ein Mobiltelefon kostet ca. 1.000 € und die Gesprächseinheit ca. 1,28 €. Hier muss man noch entscheiden, ob man einen Tarif mit Festanmeldung mit monatlichen Grundgebühren oder einen Prepaid Tarif wählt. Wir haben uns für einen Prepaid Tarif entschlossen, 500 min für 12 Monate. Nach einem Jahr kann man wieder eine Karte kaufen und die Minuten vom letztem Jahr werden, allerdings nur einmalig übertragen. Da man eine SIM Karte schon hat kann man per E-Mail die Verlängerung unkompliziert durchführen, also auch von unterwegs.

Das Telefon, in dem Fall das Iridium Extreme 9575, kostet neu ca. 1200 Euro. Das Iridium Handy 9555, ca. 950 €, ist aber genauso für Segler geeignet, es fehlen hier das eingebaute GPS und die Notfalltaste, beide sind wasserdicht. Da ich nicht soviel Geld ausgeben wollte habe ich mich bei E-Bay auf die Lauer gelegt. Hier werden immer wieder Handy’s angeboten, allerdings in der Regel zu hohen Kosten. Aber mit einer guten Ausdauer und Kostendisziplin gelingt es einem, die Sat Handy’s zum halben Preis zu ergattern.

IMG_0019So habe ich das Iridium 9555 für 400 € ersteigert, leider hat mir DHL das ganze vermasselt, es verließ nie das Paketzentrum. Da der Versand versichert war konnten wir unser Geld zurück bekommen. Nach einiger Zeit konnte ich dann das Iridium Extreme 9575 günstig ersteigern. Beide Handy’s waren neuwertig, für eine Expedition gekauft die nie  stattgefunden hat. Geduld zahlt sich aus, in meinem Fall ca. 1,5 Jahre. Das Iridium Extreme hat sogar den Vorteil, dass es dem Militär Standard entspricht, also extrem Robust gegen Strahlwasser, Staub und Stürzen.

IMG_1021Weiterhin hat es ein GPS eingebaut um Nachrichten mit aktuellen GPS Daten, z.B. an eine Notfall Zentrale, zu übermitteln. Damit ist dieses Handy auch geeignet in die Rettungsinsel mitgenommen zu werden. Leider gibt es kein Batteriepack für normale Batterien, so sollte man sich für den Notfall einen zweiten Akku geladen bereithalten.

FotoBeide Iridium Handy’s haben einen USB Anschluss und können als normales Modem in einem Windows Rechner angeschlossen werden. Man sollte allerdings darauf achten mit welchem E-Mail Programm dann die Daten übertragen werden. Bei Outlook z.B. ist der Overhead an Informationen so groß, dass man unnütz seine Minuten verschwendet. Besser ist ein Program für Datenkomprimierung und Optimierung des E-Mail Header auf das Allernötigste.

Wir verwenden das kostenlose Airmail Programm, da wir damit auch die E-Mails über Kurzwellen Funk übertragen, wo diese Funktionen auch wichtig sind um die Übertragungszeit zu minimieren. Es gibt jedoch auch andere Programmen wie OnSatMail oder XGate.

TIP!

Bei Verwendung des Iridium Handys als Modem sollte man nicht die mitgelieferte Software ‚Direct Internet 3‘ nutzen, sondern über ‚PPP Data Service‘ die Verbindung aufbauen, welches auch wunderbar mit Airmail klappt. Der Verbindungsaufbau zum Internet dauert bei ‚Direct Internet 3‘ schon fast 1min wohingegen der Aufbau über eine PPP Verbindung nur wenige Sekunden benötigt. Es hat mich einige Gebühren Einheiten gekostet dies herauszufinden.

Vorteile des Satelliten Telefones:
  • Im Notfall kann sofort mit der Seenotleitstelle oder Küstenwache Kontakt aufgenommen werden.
  • Angehörige können einen im Notfall sofort erreichen, es können sogar kostenlos SMS ans Handy gesendet werden.
  • Der Erstkontakt zu Behörden oder Häfen kann schon weit vor der Küste erfolgen.
  • Erste Reservierungen können schon getätigt werden bevor eine lokale SIM Karte gekauft wurde.
  • E-Mails und Wetterberichte können empfangen werden falls der Kurzwellen Funk gestört wird.
  • Die Investition ist gering, keine Lizenz notwendig, jeder kann telefonieren.
Nachteile:
  • Die Kosten pro Minute.
  • Es kann nicht an Funkrunden, wie Intermar, PacificNet oder privaten Funkrunden teilgenommen werden.
  • Kostenloser Funk Kontakt zu anderen entfernten Seglern (ausserhalb UKW Reichweite) entfällt.
  • Die Gefahr besteht, dass der Akku immer dann leer ist, wenn man das Handy braucht. Ein geladener  Zweitakku scheint sinnvoll.

 Kurzwellen Funk

Es gibt zwei verschiedene Systeme die in Frage kommen. Einmal der Seefunk und dann der Amateurfunk. Von der Technik sind grundsätzlich beide Systeme gleich. Eine Antenne, entweder isoliertes Achterstag oder Peitschenantenne, sendet und empfängt die Kurzwellensignale. Durch den großen Frequenzbereich müssten normalerweise unterschiedliche lange Antennen verwendet werden, aber hier gibt es Antennentuner die dieses ausgleichen. Die Antenne ist also über einen Antennentuner mit dem Funkgerät verbunden welches die Kurzwellensignale in hörbare Signale umformt und verstärkt. Bei den Funkgeräten unterscheiden sich Seefunk und Amateurfunk.

Der Seefunk

Der Seefunk hat wie im UKW Seefunk festgelegte Bereiche und Kanäle. Man legt also erst den Bereich fest und wählt dann den Kanal z.B. für die Küstenfunkstelle oder Schiff zu Schiff Kommunikation. Diese sind international festgelegt. Man braucht sich über Frequenzen oder Modulation keine Gedanken zu machen. Die Kanäle können über die Tastatur oder ein Drehrad direkt angewählt werden, den Rest erledigt das Funkgerät. Diese Kanäle liegen ausserhalb der Amateurfunkfrequenzen damit sich beide Systeme nicht stören.

Die Geräte bieten allerdings die Möglichkeit über eine zusätzliche Funktion direkt Frequenzen anzuwählen und die Modulation einzustellen. Damit kann man dann z.B. Amateurfunk Frequenzen anwählen und hören, allerdings nicht senden. Dies unterdrückt das Funkgerät. Es gibt  die Möglichkeit diese Unterdrückung durch eine Gerätemodifikation zu umgehen, dadurch erlischt aber die Betriebserlaubnis und man müsste natürlich die entsprechenden Funklizenzen haben wenn man auf anderen Frequenzen sendet.

Die Funklizenz für Seefunk, das Long Range Certificate (LRC), kann an 1 bis 2 Wochenenden in einer Segelschule erworben werden und kostet ab ca. 350 €.  Der Aufwand ist also erträglich.

Amateurfunk

Der Unterschied zum Seefunk ist das Funkgerät als solches. Die Frequenzen sind frei einstellbar, ebenso die Modulation. Auch hier gilt:  Gesendet werden kann gerätemäßig nur auf Amateurfunk Frequenzen, aber auch dieses lässt sich ändern, so dass auf allen empfangenen Frequenzen  gesendet werden kann. Entweder modifiziert man das Gerät selber, entsprechende Anleitungen gibt es im Internet, oder man kauft ein Gerät schon ab Händler modifiziert. Amateurfunker dürfen auch selber Funkgeräte bauen und modifizieren, daher ist die Modifikation als solche auch erlaubt. Aber auch hier gilt: Beim Senden ausserhalb der Amateurfunkfrequenzen benötigt man die entsprechende Lizenz, z.B. zusätzlich das LRC um auch auf Seefunk Frequenzen zu senden. Der Vorteil der Amateurfunkgeräte ist, dass diese günstiger sind als Seefunkgeräte ( siehe Vergleichstabelle).

Der große Nachteil ist die Amateurfunk Prüfung. Es gibt zwei Lizenzen, einmal die Amateurfunk Lizenz E und die Lizenz A. Bei der E Lizenz ist der Technikteil eingeschränkt, aber auch der erlaubte Frequenzbereich. Möchte man in den Funkrunden z.B. Intermar oder PacificNet teilnehmen, benötigt man die A-Lizenz mit dem umfangreichen Technik Prüfanteil. Die Prüfungen umfassen neben der Technik auch ein Vorschriften- und Betriebstechnikteil. Die Prüfung kann nur bei der Bundesnetzagentur abgelegt werden.

 

E-Mail via Kurzwelle

Airmail_PropNeben der Sprache besteht auch die Möglichkeit E-Mails und Wetterberichte über die Kurzwelle runterzuladen. Dafür benötigt man einen Computer mit einem E-Mail Programm und ein Modem. Der Vorteil der Kurzwelle ist, dass man die langen Wege   überbrücken kann. Der Nachteil ist, die Menge der Information die übertragen wird ist beschränkt. Hier haben sich Amateurfunker ein System überlegt, wie man dennoch möglichst viel an digitaler Information auf Kurzwelle übertragen kann. Das AMTOR und später das PACTOR Verfahren. Diese Amateurfunker haben sich selbständig gemacht und verkaufen nun kommerziell diese Modems, die dieses Verfahren ermöglichen. Es wurde auch in den letzten Jahren immer verbessert in Richtung Schnelligkeit und Störanfälligkeit. Leider sind diese Modems relativ teuer, man muss für ein neues mittlerweile zwischen 850 € und 1400 € hinlegen.

IMG_1031Dieses PACTOR Modem wird zwischen Computer und Funkgerät geschaltet. Über eine entsprechende Software, z.B. Airmail kann man nun E-Mails schreiben, die das Modem in Signale verwandelt die das Funkgerät verarbeiten kann und dann ausstrahlt. Rund um den Globus sind ebenso Funkgeräte über das PACTOR Modem mit einem Server verbunden, die diese E-Mails ins Internet weiterleiten. Umgekehrt sind auf diesen Servern Postfächer aus denen man sich die an sich adressierten E-Mails runterladen kann. Diese Server bieten noch eine weitere Funktionalität.

AirmailWetterSie verarbeiten auch Anfragen für einen Wetterbericht. Hier gibt man den Bereich, die Tage des Vorschaus und weitere Infos an, die man gerne hätte, wie z.B. Wellenhöhe oder Strömung. Diese Infos werden von Wetterservern eingeholt und dann in seinem Postfach zur Verfügung gestellt. Diese kann man dann beim nächsten Abruf empfangen. Über die Software Airmail ist das ganze schon ziemlich automatisiert. Es gibt eine Datenbank über die zur Verfügung stehende Funkstellen und sogar Informationen wann man welche Funkstelle ‚Funk Wettermäßig‘ am besten empfängt. Die Software stellt das Funkgerät entsprechend ein und sendet bzw empfängt die E-Mails.

Navtext_PactorDas PACTOR Modem bietet auch die Möglichkeit des NAVTEXT Empfang, ein Warn- und Wettermelde System der internationalen Schifffahrt Organisation. Dies wird auch unterstützt und angezeigt durch die AirMail Software.

Soweit ist das für den Seefunk bzw Amateurfunk gleich, nur die Server die man erreicht sind unterschiedlich. Die Amateurfunker erhalten untereinander entsprechende Stationen um den Globus ehrenamtlich und kostenlos mittels der Winlink www.winlink.org Organisation, bei den Seefunkern ist es die SailMail www.sailmail.com Organisation deren Zugriff pro Woche auf 90 Minuten limitiert und im Jahr 250$ kostet. Ein weiterer großer Unterschied ist, dass Amateurfunker per Gesetz Ihre Nachrichten nicht verschlüsseln dürfen und das System nicht gewerblich-wirtschaftlich genutzt werden darf. D.h. jeder der das Rufzeichen kennt kann theoretisch auf die Server zugreifen und die Nachrichten einsehen. Bei SailMail ist die Nutzung für das Private Business und alles was mit der Yacht zu tun hat, erlaubt.

Im Amateurfunk stellt sich die Frage wie weit die Datensicherheit und die kommerzielle Nutzung wie z.B. Ersatzteilbestellung gegeben ist. Dafür hat man weit mehr Stationen zur Verfügung als die SailMail Organisation und eine ‚unlimitierte‘ Nutzung. Die Entscheidung welches System man nutzt muß jeder für sich selber treffen. Amateurfunker können beides nutzen, den Seefunkern fehlt die Lizenz und das Rufzeichen um WinMail zu nutzen. Das war für mich ausschlaggebend die Amateurfunk Lizenz zu machen.

Für mich hilfreich war neben dem Trans Ocean Seminar die Internet Seite von www.mergerandfriends.de, sowie www.sy-kaya.de, erstellt von Rüdiger Hirche, dem Autor des sehr hilfreichen Buchs ‚Amateurfunk an Bord‘.

Wer sich mit all diesen Themen nicht so intensiv beschäftigen möchte oder gerne ein Rund-um-Sorglos-Paket  hätte oder Komponenten mit guter Fachberatung und Betreuung beziehen möchte, kann sich an shop.lunatronic.net oder www.yachtfunk.com wenden. Hinter der ersten Adresse verbirgt sich  ein jahrelanger Weltumsegler, der die Komponenten und wenn nötig auch die Installation anbietet, hinter der zweiten ein Fachmann, der seit Jahren die ARC betreut.

 

 

 

4 Kommentare

  1. Hallo!
    Das ist mal eine super gute und klar verständliche Zusammenfassung zum Thema HF versus satphone.
    Toll! Dankeschön dafür.
    Das solltest du Sönke Röver für seine blauwasser.de Seite anbieten
    Gruß
    Stefan Deerberg

  2. Moin,
    inzwischen ist das Lesen fremder Nachrichten im Winlink mit Airmail nicht mehr möglich !
    Es muß ein persönliches Paßwort verwendet werden.

    73
    Knut
    DC 7 FL

    • Hallo Knut,

      Ja seit Juni 2016 verlangt Winlink ein Passwort. Somit kann keiner der nicht im Besitz dieses Passwort ist die Mails einfach auslesen.

      LG

      Reiner

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