Willkommen auf der Homepage der Segelyacht Balou

Dies ist die Homepage der Segelyacht Balou. Wir befinden uns seit Anfang Juli 2015 auf Großer Fahrt, um von unserem Heimathafen aus in die Welt und über die Ozeane zu segeln, vielleicht sogar einmal herum. Das passende Schiff haben wir vor einigen Jahren  gekauft und Stück für Stück vorbereitet. Wir möchten mit dieser Seite unsere Familie und Freunde mit auf die Reise nehmen und sie an unseren Abenteuern teilhaben lassen. Außerdem möchten wir von unseren – wohlgemerkt sehr persönlichen – Erfahrungen all denen berichten, die ebenfalls eine solche Reise planen und vorbereiten. Wir haben in den letzten Jahren sehr profitiert von unseren Vorgängern und möchten dies auch an unsere Nachfolger weitergeben.

Beate allein zu Haus

Die ersten drei Tage „ Beate allein zu Haus „ sind um. Eine interessante Erfahrung. Nicht das Alleinsein, das kenne ich. Kein Problem. Aber die alleinige Verantwortung für das Schiff ist neu.

Noch gucke ich regelmäßig und wahrscheinlich dreimal zu oft nach allen möglichen Dingen. Lade ich gerade die richtige Batterie? Wieviel Wasser ist noch im Tank? Liegt das Schiff noch da, wo es hingehört? Ist der Gasschalter aus? Hängt das Dinghi an seiner 2.Sicherungsleine am Heck? Und, und, und. Dazu kommt, dass es immer noch ziemlich pfeift draußen. Morgen noch, dann soll der Wind nachlassen.

Heute ist Wassermachpremiere. Ich habe einen Spickzettel mit eigenen Wörtern geschrieben. Da steht dann z. B. statt „Druckregelventil öffnen“, „Drehknopf am grauen Kasten nach links drehen.“ Nur so zur Sicherheit, damit ich im Stress nicht vergesse, welches das Druckregelventil ist.
Trotzdem habe ich etwas Herzklopfen bei der ersten alleinigen Benutzung. Wie ich gestern gehört habe, hat eine Leidensgenossin unten in Panama in Abwesenheit ihres Mannes die Vorpumpe geschreddert. Bloß das nicht…..

Aber ich habe ja noch den doppelten Boden. Herwig guckt drüber und alles läuft. Ich mache meine ersten 100l Wasser. Beim nächsten Mal wird’s schon einfacher.

Was allerdings auch passiert: ich mache den Reiner.

Vor drei Tagen fege ich sozusagen den Mann aus dem Haus. Es wird aufgeräumt, alles Werkzeug ist weggepackt. Schöner wohnen ist der Plan. Heute während des Wassermachens, läuft ein Rinnsal am Schlauch entlang. Lose Schelle. Herwig ist gerade noch da und zieht sie fest. Dazu muss der Knarrenkasten aus dem Schrank. Kaum ist Herwig von Bord, läuft es aus einer anderen Stelle. Hier muss der Maulschlüssel her.

Treu der Devise: „Solange das Deutsche Reich besteht, werden Schrauben rechts gedreht“, werde ich auch dieses Rinnsals Herr. (Oder eben Frau) Und schon sieht es aus wie vorher. 😩 Hier der Knarrenkasten, da die Maulschlüssel. Aber alles dicht.

Karibische Freiheiten

Dass Fahrpläne im karibischen Raum Schall und Rauch sind, wissen wir. Dass das auch für Flugzeuge gilt, kennen wir allenfalls durch Verspätungen. Dass man aber auch plötzlich eine Stunde früher fliegt, kennen wir nicht.

Es fegt hier seit 3 Tagen. Kein Problem, da kann der Anker gleich getestet werden, bis Reiner fliegt. Er hält bombenfest. Heute früh legt der Wind noch etwas zu, Das ist kein Problem für das Schiff. Wohl aber für das Dinghi, mit dem wir ca. 1 sm um die Ecke in den Ort fahren müssen, in dem auch der Flughafen liegt.

Reiner pumpt noch mal Luft auf, das Gepäck steckt im Müllsack. Da wir Wind und Welle genau von vorne haben, wird es nass werden. Sehr nass. Meine Unterhose ist nach den ersten 500 m erreicht. Aber dann kommt die Ecke und damit die Welle in ihrer epischen Breite. Es klatscht und hüpft über eine Welle nach der anderen. Dann geht der Motor aus. 😳. Handfunke? Hach, vergessen. Dem Himmel sei Dank, dass die Worlddancercrew mit ihrem Dinghi vorwegfährt und sich nach uns umdreht. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass wir in Florida landen. Nach mehrmaligen Versuchen, springt der Motor wieder an und wir bocken an den Dinghistrand.

Reiner ist mittlerweile etwas nervös, die Fahrt hat deutlich länger gedauert als geplant. Aber er muss eine Stunde vor Abflug am Flughafen sein. Nach noch leichter Wegverwirrung schaffen wir es pünktlich. Denken wir.

Die einzige Angestellte im gartenhausähnlichen Flughafengebäude teilt Reiner mit, dass er schon viel früher hätte das sein sollen. Heute wird früher geflogen. Überhaupt wird morgens immer geguckt, wie viele Menschen fliegen wollen, wie das so Wetter ist und welche Route so anliegt. Heute ist das dann auch der letzte. Der für heute Nachmittag fällt flach. Aber nach kurzem Wortwechsel, darf er noch mit. Der kleine Flieger landet gerade. Der Käpt’n lädt selber schnell die drei Reisetaschen der Ankömmlinge aus, holt sich einen Kaffee und steigt wieder. Reiner springt flugs aus der klatschnassen Badehose in die Jeans und steigt ca. 10 min. nach Erreichen des Flughafens in die kleine Propellermaschine. Und zack weg. Das nenne ich mal zügiges boarden.

Aber ein ganz knappes Ding. 😅

Staniel Cay

Es fällt zur Zeit etwas schwer hier einen fröhlichen Blog zu schreiben.

Wir sind in den paradiesisch schönen Exumas angekommen und liegen in Staniel Cay neben der Worlddancer und der Mora am Anker. Das Wasser ist bei Sonne so türkis, dass die Salinge von unten grün leuchten.

 

Genau zwei Tage brauchen wir von Nassau, um hier zu landen. Ungeachtet des Windes fahren wir nach nur 24 Std. Aufenthalt zügig weiter. Die Zeit drängt. Die einzige Klippe, die wir noch überwinden müssen ist eine flache Korallenbank, die zwischen Nassau und den Exumas liegt. Auf unseren Karten sind Fahrwege gekennzeichnet, wir wählen die „tiefste“ mit 3 m. Das muss reichen. Allerdings wird auf der Karte vor verstreuten Korallenköpfen gewarnt, die man umfahren muss. Wenn man sie denn sieht. Mir steht vorher schon der kalte Schweiß auf der Stirn, Johannes, der hier regelmäßig drüber fährt, meint gelassen:“ Das klappt schon, die sind gut zu sehen.“

Die hässliche Stelle ist ca. 5 sm breit. Ich stehe am Steuer, Reiner hält Ausguck. Ich muss zugeben, man sieht sie wirklich deutlich. Es sind große schwarze Flecken in türkisem Wasser. Allerdings sind es viele. Reiner mit der Handfunke am Bug, teilt mir irgendwann mit, dass wir uns im reinsten Minenfeld bewegen. Ich am Steuer, sehe die Dinger erst, als wir vorbeifahren. Eindeutig der bessere Job.

          

Fünfzig Schlangenlinien später sind wir heil auf der anderen Seite der Bank. Von da an nur noch geradeaus.

Gestern fällt dann der Anker und gräbt sich tief ein, um eine Weile dort zu halten.
Ich bekomme noch die letzte Technikeinweisung und am Mittwoch fliegt Reiner nach Hause. Unsere Gedanken sind in Bonn.

Nassau

Nassau ist erreicht, der Golfstrom bezwungen. Freunde und Ankerplätze in Reichweite.

Am Mittwoch sitzen wir morgens beim ersten Aufwachkaffee in Palm Beach. Es ist fast windstill. Eine Yacht nach der anderen fährt an uns vorbei durch das Inlet nach draußen. 🧐 Das macht uns nach kurzer Zeit nervös. Wenn die alle jetzt fahren ( wir wollten eigentlich erst gegen Abend ), hat das seinen Grund.

Die Wetterprogramme werden nochmals strapaziert. Es gibt keinen Grund bis zum Abend zu warten. Wind ist kaum vorhergesagt, die Richtung ist auch mäßig, aber es macht keinen Unterschied. Außerdem wäre das Ankunftstiming so viel besser. Kurz entschlossen packen wir alles zusammen, fahren nochmal tanken und los.

Draußen stellen wir fest, dass wir die Segel setzen können. Nanu? Doch nicht sooo schlecht die Richtung. Sehr hoch am Wind, aber nichts flattert. Der Motor läuft niedrig mit. Wir wollen an der
Küste noch etwas weiter nach Süden, damit der Winkel zum Überqueren des Golfstroms besser wird. Leider werden wir schon hier ziemlich ausgebremst, dabei sind wir noch nicht mal drin im Strom. Na prima, das kann ja heiter werden. Bei 3 Knoten Geschwindigkeit überlegen wir, wenn’s eh so scheiße läuft, können wir auch gleich im spitzen Winkel rüber. Wenn wir dann stehen bleiben, fahren wir halt wieder Richtung Küste.

Und dann passieren komische Sachen. Balou nimmt Fahrt auf. Die Segel stehen tip-top, der
Motor läuft leicht mit. Keine Abdrift nach Norden. Wir queren in einem 45 Grad Winkel den Golfstrom, der uns mit 3 Knoten entgegen kommt, ohne verschoben zu werden. Das funktioniert eigentlich nicht. Aber eben nur eigentlich. Wir legen den direkten Kurs Richtung Bimini an. Von dort wollen wir über die Great Banks direkt nach Nassau. Der kürzeste Weg. Als wir uns in der
auf den Karten eingezeichneten Achse des Stroms befinden, läuft das Schiff mit zwischen 4,5 – 5 Knoten stabil ohne nennenswerte Welle und etwas schräg seinem Ziel entgegen. Verstehen muss man das nicht.

Die Folge ist, dass wir zu früh (sprich mitten in der Nacht) in Nassau ankommen, wenn es so weiterläuft. Es läuft. 50 sm vor dem Ziel beginnen wir zu dümpeln und ziehen so die Ankunft auf 9.30Uhr bei Hochwasser und Licht raus. Das ganze Gebiet ist sehr flach und überall sind Korallenbänke, genaues navigieren ist ein Muss. Unsere Explorerkarten stellen sich als ausgezeichnet heraus, jeder Stein stimmt, die Tiefenangaben ebenfalls.

Pünktlich bei Hochwasser laufen wir in die Palm Cay Marina im Südosten ein, in der wir einklarieren können. Die Beamten kommen zum Schiff. Ruckzuck und supernett ist alles schnell erledigt. Ich bekomme noch für lau eine Fishinglicense und gute Tipps, wo ich die besten Fische fangen kann.

Also mal ehrlich. Viel Lärm um nix und ein perfekter Einstieg.

 

Ein ernstes Thema

Ich habe lange ûberlegt, ob ich dieses Thema zur Sprache bringe. Es ist privat. Sehr privat. Eigentlich zu privat für die Öffentlichkeit. Und dennoch kann es uns Langfahrtseglern begegnen. Obwohl wir immer wissen, dass es passieren kann und die theoretische Möglichkeit im Hinterkopf haben, trifft es einen unvorbereitet. Die schwere Erkrankung eines Familienangehörigen.

Schon seit einigen Tagen begleitet uns diese dunkle Wolke. Nun wird es ernst, Reiner muss nach Hause. Wie man sich denken kann, möglichst schnell.

Noch bis zur letzten Woche wäre das alles kein Problem gewesen. Wir hatten einen bezahlbaren Platz in einer guten Marina, Innerhalb von 24 Stunden wären wir beide in Bonn gewesen. Heute, 150 sm weiter südlich sieht das anders aus. Wir liegen am Anker, die Marina gegenüber ist voll. In Miami findet eine große Boatshow statt, alles ist ausgebucht und zudem wahnsinnig teuer.

Neben der emotionalen Achterbahnfahrt kommt die Frage auf, wohin mit dem Schiff. Die einzig machbare Lösung erscheint uns, möglichst zügig in die Bahamas an einen sicheren Ankerplatz zu kommen, wo ich in direkter Nähe zu Freunden auf dem Schiff bleiben werde. Reiner fliegt alleine.

Und wie sollte es anders sein, der Wind spielt nicht so schnell mit, wie wir das gerne hätten. Erst ab Mittwoch finden wir eine Lücke, die sehr leichten Wind mit sich bringt. Noch nie haben wir uns so über eine Flaute gefreut. Wir werden dann im wahrsten Sinne des Wortes Gas geben und hoffen, dass wir möglichst schnell an unser Ziel in den Exumas kommen. Anfang der kommenden Woche kann Reiner dann nach Hause.

Es sind quälende Tage, die sich hinziehen wie Kaugummi, da man hier sitzt und abwarten muss. Obwohl man doch eigentlich lieber ganz woanders wäre.

Wir machen die Erfahrung, dass Kommunikationsmittel extrem wichtig für uns sind. Mit ortsüblichen Simkarten für das Telefon, sind wir an fast jedem Ort erreichbar. Wir machen aber auch die Erfahrung, dass es zwar für mich einfach wäre, sofort nach Hause zu fliegen, für Reiner jedoch nicht. Ich kann das Schiff nicht alleine in die Bahamas segeln. Selbst alleine am Anker liegen für eine längeren Zeitraum, würde ich mir ohne erreichbare Hilfe nicht zutrauen. Was passiert, wenn es plötzlich stürmt und der Anker ins Rutschen kommt?

Ich habe bis jetzt keine Ahnung, wie der Wassermacher bedient wird und wie der Generator im Detail tickt. Das alles muss und werde ich jetzt im Schnelldurchlauf lernen. Warum habe ich mich damit nicht längst beschäftigt? Es war ja nicht nötig, Reiner macht schon….. Ich kann das Schiff nachts alleine segeln, navigieren, funken, Segel reffen, steuern, usw. Die technischen Feinheiten beherrsche ich nicht.

Und Reiner? Der muss loslassen. Nicht nur zu Hause, sondern auch mich mit dem Schiff.

Niemand macht sich über solche Dinge gerne Gedanken. Man sollte es dennoch tun. Was wäre wenn? Kann jeder alles bedienen? Ist uns klar was es bedeutet, dass zumindest uns Frauen alleine rein körperlich Grenzen gesetzt sind? Und dass wir bei aller Vorbereitung eben doch durch widrige Umstände nicht da sein können, wo wir vielleicht sein wollen?

Wir werden niemals auf alles vorbereitet sein. Das ist das Leben. Wir Fahrtensegler wollen Freiheit und Unabhängigkeit. Aber wir müssen im Zweifel auch den Preis dafür zahlen.

Ich schreibe diese Zeilen, weil diese inzwischen nicht nur von Familie und Freunden gelesen werden, sondern auch von vielen Seglern, die unterwegs sind oder sich auf eine Reise vorbereiten. Ich will niemanden entmutigen. Aber es ist eine Erfahrung, die nun mal zu unserem selbst gewählten Leben dazu gehört und damit auch in diesen Blog.