Willkommen auf der Homepage der Segelyacht Balou

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Dies ist die Homepage der Segelyacht Balou. Wir wollen Anfang Juli auf Große Fahrt gehen und von unserem Heimathafen aus in die Welt und über die Ozeane segeln, vielleicht sogar einmal herum. Das passende Schiff haben wir vor einigen Jahren gekauft und Stück für Stück vorbereitet. Wir möchten mit dieser Seite unsere Familie und Freunde mit auf die Reise nehmen und sie an unseren Abenteuern teilhaben lassen. Außerdem möchten wir von unseren – wohlgemerkt sehr persönlichen – Erfahrungen all denen berichten, die ebenfalls eine solche Reise planen und vorbereiten. Wir haben in den letzten Jahren sehr profitiert von unseren Vorgängern und möchten dies auch an unsere Nachfolger weitergeben.

Ameisensch…..

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Irgendwann musste es ja passieren, wir haben die ersten Haustiere.

Kurz nachdem das Schiff aus dem Wasser gekommen ist und somit kurz vor meiner Abreise, habe ich sie entdeckt. Ameisen. Besonders fies: Die kleinste aller Sorten. So klein, dass wir sie mit Sicherheit einige Tage übersehen haben und sie sich schon in Sicherheit geglaubt haben.

Nun sind Ameisen nicht die globale Katastrophe, Kakerlaken fände ich schlimmer, aber lästig sind sie allemal, zumal sie demnächst das Schiff für sich alleine haben und in aller Ruhe der Vermehrung widmen können. Nicht so wild dachte ich, kaufen wir ein paar Ameisenköderfallen und dann ist Ruhe.

Auf Trinidad gibt es jegliches Gift frei zu kaufen. Alle möglichen Sprays, Rattengift und alle Arten von Kakerlakenkampfstoffen. Bei den Ameisen wird’s leider dünn. Lediglich Sprühgift für kleine krabbelnde Tiere ist erhältlich, leider jedoch keine Ameisenköderdosen.
Zu Beginn sprühen wir noch und ich streue das gute alte Backpulver in alle möglichen Ritzen. Zwei Tage lang ist Ruhe, wir wähnen uns bereits als frühe Sieger, da krabbeln sie wieder. Nicht in Horden, aber ab und zu mal eine. In Schritt Nr. 2 nehmen wir die Bodenbretter hoch und sprühen in alle tieferen Ritzen. Zwei Tage Ruhe, dann sind sie wieder da, mein Backpulver wird mit stumpfer Ignoranz überlaufen.

Wir beschließen, dass ich von zu Hause, wo es in jedem Edekaladen Ameisenköderdosen gibt, ein kleines Päckchen per Eilpost schicke, um während unserer Abwesenheit die Zuchtlinie zu unterbrechen.

Und nun kommt die deutsche Post. Den genauen Vorgang zu beschrieben, würde mehrere Seiten füllen. Ich bin durch 3! Poststellen geschickt worden und habe 3! verschiedene Aussagen erhalten, wie ich meine Dosen nach Trinidad schicken soll. Es gab Preisangaben zwischen 79,90€ und 9,90€, DHL hat mir erklärt, dass ich zur Post gehen muss ( und ich hätte schwören können, dass die zusammen gehören….), ich habe 3! verschiedene Zettel ausgefüllt und wieder verworfen, da die Beamtin nach Absprache mit dem Kollegen eine neue Idee hatte. Selbstredend habe ich mich nach jedem Ausfüllen wieder hinten in der Schlange angestellt.

Nun sind die Dinger Anfang vorletzter Woche per Eilbrief für 9,90€ auf die Reise gegangen. “ Ihre Sendung verlässt heute noch Deutschland und wird bis zur Auslieferung gesondert behandelt“ klärt mich die Postbeamtin freundlich auf. Ich glaube ihr fast…..“ Es wird ungefähr eine Woche dauern“
Also, sie sind natürlich nicht angekommen. Der finanzielle Verlust hält sich in Grenzen, das Ameisenproblem bleibt. Derzeit 1-2 Ameisensichtungen pro Tag. Das sind 1-2 zuviel. Denn wo 1-2 sind, sind noch mehr. Ich richte mich also gedanklich schon mal auf das große Krabbeln nach unserer Rückkehr ein.
Pfff, sollen sie doch, ich habe ja einen Koffer. Und da passen sehr viele Köderdosen rein. ????

Ich hoffe nur, dass die Kakerlaken draußen bleiben. Bisher haben alle, die wieder zurück gekommen sind – und seien sie nur für drei Wochen weggeblieben – Kakerlaken im Schiff gehabt. Irgendwo scheint immer eine Ritze zum Durchkrabbeln zu sein. Reiner verbringt jedenfalls eine letzten Stunden auf dem Schiff damit, jeden Lüftungsschlitz mit Gaze abzudecken und zuzukleben.

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Ausflug nach Grenada

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Während ich an unserem bisher einzigen Sommertag im Garten sitze, klingelt mein Telefon. „Ich habe ein riesiges Problem,“ sagt der Skipper und ich erkenne sofort an seiner hoch gereizten Stimme, dass da was dran sein muss. „Ich muss heute noch das Land verlassen, oder ich komme in den Arrest.“ Klingt nicht gut……..

Über die Einreisebehörden in Trinidad und Tobago, sprich Immigration und Zoll, hat man im Vorfeld schon vieles gehört. Auf Tobago, unserer Ankunftsinsel stellte sich das Ganze als vollkommen harmlos und halb so wild heraus. Die Beamten sind alle nett und sehr hilfsbereit. Da die Inseln als ein gemeinsames Land mit gleichen Vorgehensweisen gelten, hatten wir von Trinidad ähnliches erwartet. Weit gefehlt….

Schon nach Erreichen von Trinidad, wurde schnell klar, dass hier vielleicht die gleichen Gesetze gelten, aber irgendwie anders ausgelegt werden. Alles kompliziert und irgendwie willkürlich, je nachdem an welchen Beamten der Immigration man trifft. Fast jeder, der das Office verlässt, hat irgendeinen Grund zum Schimpfen.
Fakt war zu diesem Zeitpunkt, dass in Reiners Papieren eine zu kurze Aufenthaltszeit eingetragen wurde, erlaubt sind drei Monate, bei ihm standen vier Wochen. Nun fliegt der Mann erst am folgenden Montag nach Deutschland, also fehlten ein paar Tage. Ehrlich wie wir sind, beschließen wir, dass Reiner zur Immigration geht und den Fehler korrigieren lässt, damit es nicht erst am Montag ein Riesentheater gibt. Ganz schlechte Idee…..

Die diensthabende Dame macht schon gleich ein Riesentheater, bezichtigt ihn des illegalen Aufenthaltes und verlangt, dass er sofort das Land verlässt. Anderenfalls käme er in den Arrest. ????. Reiner tobt. Alle Versuche die Dame zu beruhigen scheitern, auch das Vorlegen des Flugtickets für Montag bringt keine 1-wöchige Verlängerung, obwohl ja 3 Monate erlaubt sind! Er soll seine Papiere fertig machen, am Nachmittag vorzeigen und am gleichen Tag noch ausreisen.

Als wir telefonieren, mache ich mir schon Sorgen, dass er wegen Beamtenbeleidigung eingesperrt wird, so regt er sich auf. Aber es hilft ja nichts, die Dame sitzt am längeren Hebel und so wie es aussieht, wird sie davon Gebrauch machen. Also wird beschlossen, dass der nächste Flug -egal wohin- gebucht wird, um einmal aus- und wieder neu einzureisen und somit eine neue Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen.

Das Beste kommt, als Reiner am Nachmittag mit seinen Papieren erneut bei der Immigration vorstellig wird. Ein Kollege hat Dienst, fragt verwundert, ob man ihm das wirklich so gesagt hat und zögert. Leider ist die Chefin noch im Hintergrund und bestätigt auf Nachfrage ihre Entscheidung. Der Kollege schüttelt nur den Kopf, kann aber jetzt auch nichts mehr ändern.

Also fliegt Reiner am Abend artig nach Grenada und am nächsten Morgen wieder zurück. Reist somit neu ein und bekommt nun die Genehmigung, sich bis zum 11. Oktober im Land aufhalten zu dürfen !?!?!?!.

Im Nachhinein wäre es wahrscheinlich besser gewesen sich dumm zu stellen und am Montag früh bei der Immigration auszuklarieren. Dann hätten sie ihn rausschmeißen können und er wäre gemütlich nach Hause geflogen.

Was übrig bleibt:

Die Erkenntnis, lieber jeden Stempel und jedes Datum gleich zu überprüfen.

Die Erkenntnis, dass Ehrlichkeit vielleicht auch nicht immer die beste Lösung ist.

Der Hinweis einer ebenfalls segelnden Freundin, dass die Gelegenheit verpasst ist, den Alten los zu werden. ????( Es darf getippt werden, um wen es sich handelt) Aber wer holt dann die Brötchen morgens?

1 Jahr

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Wir sind tatsächlich seit einem Jahr unterwegs.

Wir sind ca. 8000 Seemeilen gesegelt, haben 12 Länder und 20 Inseln besucht, 14 Kilo Mehl zu Brot verarbeitet, ca. 10 kg Reis und Nudeln verbraucht, haben 215 Blogeinträge geschrieben, keine nennenswerten Schäden am Schiff vorzuweisen und sind immer noch verheiratet. Das ist mehr, als manch anderer von sich behaupten kann.

Höhen und Tiefen gab es trotzdem. Ganz blödes Thema: Die ewigen Trennungen. Von der Familie, von Freunden, von Mitseglern, die andere Routen einschlagen, von Menschen unterwegs, die einem ans Herz gewachsen sind. Das ist definitiv die unschönste Seite dieser Reise. Leider auch eine, die unveränderbar ist, aber eben auch als Erfahrung verbucht werden kann. Die Erfahrung zu erleben, wieviel einem Beziehungen wirklich bedeuten.

Highlights gab es jede Menge. Den ersten Stolz, als wir unbeschadet in Lissabon einlaufen, das erste Mal, dass wir das Gefühl haben etwas Großes zu machen. Der Atlantik. Wir haben einen Ozean überquert, waren wochenlang alleine ( zumindest virtuell) auf dem Wasser, ohne ein anderes Schiff zu sehen. Die stolze Erschöpfung nach der Ankunft auf Martinique. Wenn ich die Logbucheinträge von unterwegs heute lese, fällt mir ganz schnell wieder das Wechselbad ein, in dem wir uns auf dem Weg über den Atlantik befunden haben. Von “ so haben wir uns das vorgestellt“ bis „hoffentlich holt mich der Hubschrauber hier bald ab“ war alles dabei.

Dann die Karibik. Je südlicher, desto schöner und irgendwie authentischer. Zu unseren Favoriten gehören ganz sicher Dominika, das Dreieck zwischen Union Island, den Tobago Keys und Carriacou und Tobago. Orte, die nicht unbedingt nur durch landschaftliche Schönheit beeindruckt haben, sondern vor allem durch die Menschen, die wir dort kennenlernen konnten.

Je mehr Zeit wir uns gelassen haben, desto schöner wurde die Reise, die Ruhe dafür haben wir erst in der Karibik gefunden. Deshalb ist auch unsere Entscheidung gefallen, ein weiteres Jahr in der Karibik zu verbringen. Dabei hatten wir gerade von dieser Ecke der Welt gar nicht soviel erwartet. Von zu voll, zu teuer, zuviel Beschiss oder gar zuviel Kriminalität haben wir im Vorfeld gelesen. Insbesondere Reiner wollte hier eigentlich nur schnell durch. Das wird der Region aber ganz sicher nicht gerecht. Wenn man sich darauf einlassen kann, entdeckt man die Schönheit.

Ein weiteres Highlight ist für uns unsere Homepage. Die Resonanz ist unglaublich und war von uns vorher nie so erwartet. Unsere Seite ist aus 181 Ländern rund um den Erdball gelesen worden. (Wieviele Länder gibt es eigentlich?) Wir haben 409 Kommentare erhalten, die vielen E-Mails nicht mitgezählt. Ein tolles Gefühl, so viele Menschen mit auf die Reise nehmen zu können.

Über das „Wohin“ in der nächsten Saison wird noch diskutiert. Die BVI’s sollen traumhaft schön sein, von Puerto Rico wird gesprochen, Kuba liegt im Trend. Die westliche Karibik mit Mexiko, Belize und Guatemala, ein Geheimtipp. Wir werden sehen. Und festgefahrene Pläne waren ja noch nie so unser Ding.

Good old Germany

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Asche auf mein Haupt. Ich bin seit einigen Tagen in Deutschland und habe es nicht geschafft, den Blog zu aktualisieren. Hier herrscht definitiv ein anderes Tempo und ich erledige wie früher nicht nur eine Sache am Tag, sondern 5-10. Das hat zur Folge, dass der Jetlag nicht sooo dramatisch ausfällt und ich abends tot ins Bett falle.

Ich bin mit gemischten Gefühlen nach Deutschland geflogen. Nach einem halben Jahr Karibik mit immer entspannten und freundlichen Menschen, die mich alle paar Meter fragen, wie es mir geht obwohl ich eine andere Hautfarbe habe und sie niemals zuvor gesehen habe, fürchte ich mich etwas vor der alten Heimat. Zurecht, wie ich in Frankfurt feststelle. Auf dem Bahnsteig stehen versteinerte Gesichter neben mir, nirgends kommt Musik her, keiner spricht. Und es ist kalt. Lausig kalt. Ich wusste ja, dass hier andere Temperaturen herrschen, aber dass es so weh tut, hatte ich unterschätzt.

Im guten alten Braunschweig schlägt mir dann die Wärme unserer Freunde entgegen, die alles tun, damit ich nicht gleich wieder weglaufe und mich auch ganz schnell wieder zuhause fühle. Trotzdem ist Deutschland anders. Kälter, starrer und komplizierter in jeder Hinsicht. Während der Bahnfahrt Richtung Braunschweig ( sänk ju for träwelleling wis deutsche Bahn!) stehen plötzlich ausgebrochene Kühe auf den Schienen. Der Zugführer darf aber seinen Platz nicht verlassen, um die Kuh zu verscheuchen und somit stehen wir eine geschlagene halbe Stunde mitten in der Pampa, bis die angeforderte Feuerwehr das Problem beseitigt. An dieser Stelle hätte ich schon umdrehen können………

Reiner hat derweil Spaß mit den verbliebenen Crews auf Trinidad. Es sei ihm gegönnt, schließlich muss er auch noch mein Klo auseinander nehmen und warten. (Kein Spaß!) Das hat nämlich komische Geräusche von sich gegeben vor meiner Abreise und siehe da, Mann spricht von gebrochenen Impellern, kaputten Dichtungen und kiloweise Salz in der Leitung. Also, rechtzeitig verdrückt.

Erdbeben?

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Trinidad ist hurrikansicher sagt man. Allenfalls wird noch der Rand gestreift, die Schiffe liegen aber so gut geschützt, dass ihnen nichts passiert.

Balou steht auf 9 Stützen und ist vorne und hinten jeweils zusätzlich durch im Boden verankerte Ketten gesichert. Macht einen souveränen Eindruck. Und das ist gut so.

Vor einigen Tagen liege ich des Abends gemütlich lesend im Bett und bemerke plötzlich eine leichte Vibration des Schiffes. Zunächst denke ich, Reiner hat sich unbemerkt umhergeschlichen. Der liegt aber friedlich im Bett. Komisch……aber egal, war nur kurz.
Beim Frühstück berichte ich dem Mann von meiner komischen Beobachtung und frage im Scherz: „Hier gibt’s doch wohl kein Erdbeben?“ ….und werde ausgelacht. Einen Tag später lacht er nicht mehr. Über irgendeine Unwetter- und Katastrophen App hat er eine Meldung erhalten, dass zwischen Trinidad und Tobago an besagtem Tag zur besagter Stunden ein leichtes Erdbeben stattgefunden hat.????

Eine weitergehende Recherche führt zu der Erkenntnis, dass es tatsächlich in der Vergangenheit Erdbeben in Trinidad gegeben hat, das letzte Größere hatte eine Stärke von 5,8 auf der Richterskala. Das Zentrum liegt in der Regel zwischen Trinidad und Tobago tief auf dem Meeresboden. Dort schiebt sich die südamerikanische Kontinentalplatte nach oben. Na Bravo. Da sichern wir alles gegen Hurrikans und fallen am Ende vom Erdbeben um? Das wärs ja noch…..

„Unser“ Beben hatte nur eine Stärke von 3,8, das war nur ein leichtes Zittern. 5,8 fühlen sich sicher anders an. Hoffen wir mal, dass es entweder nicht passiert oder dass das Schiff so gut vertäut ist, dass es stehen bleibt.