Willkommen auf der Homepage der Segelyacht Balou

Dies ist die Homepage der Segelyacht Balou. Wir befinden uns seit Anfang Juli 2015 auf Großer Fahrt, um von unserem Heimathafen aus in die Welt und über die Ozeane zu segeln, vielleicht sogar einmal herum. Das passende Schiff haben wir vor einigen Jahren  gekauft und Stück für Stück vorbereitet. Wir möchten mit dieser Seite unsere Familie und Freunde mit auf die Reise nehmen und sie an unseren Abenteuern teilhaben lassen. Außerdem möchten wir von unseren – wohlgemerkt sehr persönlichen – Erfahrungen all denen berichten, die ebenfalls eine solche Reise planen und vorbereiten. Wir haben in den letzten Jahren sehr profitiert von unseren Vorgängern und möchten dies auch an unsere Nachfolger weitergeben.

Sauerei ohne Gleichen

Wer bitte ist denn bloß auf die Idee gekommen, wir müssten das Teakdeck renovieren? 😱
Was ist schon ein bißchen rausgefallene Fugenmasse……?

Zu spät. Die Hälfte der Fugen sind entfernt, jetzt sitzen wir drin. Der Anfang mit der Fein und dem Fugenmesser geht soweit ganz gut. Na ja, bis auf die Tatsache, dass die Ränder krumm und schief sind und auch gerne mal ein Stück Holz ausreißt. Fachkundige Menschen, die das Drama hinter sich haben, sagen, wir sollen die Flex nehmen.

Gesagt, getan. Es geht deutlich besser und auch schneller. Die Fugenränder werden gerader und glatter, das Holz neigt nicht so sehr zum wegreißen. Aber die Schweinerei ist unbeschreiblich. Der Staub vom Flexen ist nach wenigen Minuten ü-ber-all, Reiner arbeitet mit Maske. Da ich da oben im Moment sowieso nichts machen kann, riegele ich mich hermetisch innen ab und widme mich meinen Lackierarbeiten. Nun jedoch im Dunkeln.

Über das Schiff ist noch die große Abdeckplane gespannt. Mit geschlossenen Luken sitze ich in der Höhle. Mit der Deppenlampe (Stirnlampe) auf dem Kopf und allem was sonst noch so leuchten kann, versuche ich den Lack gleichmäßig zu verteilen, optimalerweise dort, wo er hingehört. Nach 30 min. wird mir kotzübel. Ach ja, da war was. Man soll nur in gut belüfteten Räumen streichen…….(Bunte Farben und Blümchen sehe ich nicht!) Das geht aber nicht. Sägemehlschwaden ziehen trotz passender Windrichtung über das komplette Schiff, im Cockpit ist alles überpudert. Vielleicht stelle ich mich an, aber ich will den Dreck weder auf dem frischen Lack, noch in meinem Bett haben.

Fazit des Tages:

1. Oben flexen und unten lackieren geht nicht

2. Das Teakdeck restaurieren und gleichzeitig auf dem Schiff wohnen, ist eine Scheißidee

(Vielleicht könnte ich mir ja wieder irgendwas brechen wie im letzten Jahr, dann müssten wir leider im Hotel wohnen, die Krücken liegen hier noch.🤔)

Gerade als ich damit fertig bin, diesen Text zu schreiben, produziert Reiner einen Lichtbogen. Für mich klingt das nach Weihnachten oder Sylvester. Für den Elektroingenieur bedeutet das Feuer aus der Steckdose. 😳

Er steckt den Stecker für den Heizlüfter ein und es kommt eine lichterlohe Flamme aus der Wand geschossen. Ich hechte schon zum Feuerlöscher, Reiner pustet und die Flamme geht aus. Der Feuerlöscher bringt nicht viel, lerne ich im Anschluss. Bei einem Lichtbogen entstehen Temperaturen, wie beim Schweißgerät. Aha. Also hätte ich da gesessen, hätte ich ein Kissen oder so drauf gehalten. „Auch nicht“, sagt er, „das wäre sofort geschmolzen.“ Aber wieso geht dann auspusten? Weil man das Magnetfeld unterbrechen muss! Und das geht durch Pusten. Sachen gibt’s…….

Also ich hätte danach wahrscheinlich das Osterfeuer vorzeitig entfacht. Darauf ein Bier.

Punkt 1-3

Es läuft langsam. Die Punkte 1-3 sind in Angriff genommen.

Nach der Erstellung des Masterplans sind alle Ausreden aufgebraucht, die den Arbeitsbeginn noch weiter rausschieben könnten. Die Hitze hat sich verzogen ( dafür regnet es jetzt den ganzen Tag lang mit kleinen Unterbrechungen…), das Arbeitsmaterial ist da. Auf der Liste stehen 20 Aufgaben, die warten. Nur an das große Projekt “ Teakdeck“ ist bei der Nässe nicht zu denken.

Also schwinge ich den Schleifer innen. Und ich hatte vergessen, wie mühselig das ist, obwohl so ein „Feinscheifer“ eine wirklich gute Erfindung ist. An Tag 2 habe ich das Gefühl, dass mein Arm gleich abfällt. Das Ding wird mit jeder Stunde schwerer. Im Geiste verleihe ich schon einigen Stellen das Prädikat “ nicht so wichtig, kann man auch noch nächstes Jahr machen. Oder übernächstes oder……..“

Die Küchenleisten sind zuerst dran, damit man die Küche möglichst schnell wieder benutzen kann. Anstrich 1+2 sind noch unkompliziert, da sie stark verdünnt sind und noch nicht so sehr kleben im feuchten Zustand. Ab Anstrich 3 ( unverdünnt) wird es problematisch. Die Mücken haben sich verzogen und ihre kleinen Freunde, die Fruchtfliegen als Ersatz geschickt. Nun stört die Fruchtfliege per se nicht besonders. Sie summt nicht und sie sticht nicht. Als Deko an frischem Lack stört sie mich allerdings sehr. 😡 Ich stelle eine Falle auf, Apfelessig mit vergammelter Banane. Klappt prima. Der Rest des Obstes ist im Kühlschrank. Nichtsdestotrotz fliegen tausende draußen in der Luft rum und wollen rein. Ende vom Lied: ich stehe wie ein Soldat mit meiner Staubsaugerwaffe in der Hand in der Küche und sauge alle 30 min. die nächste Armee weg. 💣🔫

Reiner kommt irgendwie besser voran. Der hat schon mal den Mast wieder repariert, neue Nieten gesetzt und eine Stahlplatte unter die Ankerwinsch vorne gebaut, damit wir nicht irgendwann, wenn wir mal richtig an der Kette ziehen, ein Loch im Deck haben.

Ach ja. Und heute haben wir ein erstes Probestück von alten Teakfugen befreit. Der Deckel der hinteren Sitzbank musste dran glauben. (Wenn das Murks gibt, legen wir das Polster drauf.) Das ging schon mal flott mit dem Fugenmesser des „Fein“- Gerätes. Aber das soll wohl auch noch der leichteste Teil der Übung sein……😉

Der Tischler? Noch nicht wieder gesehen……….

Chaosbeseitigung

Nachdem der erste Frust verdaut ist, muss ein Plan erstellt werden. Das Chaos braucht Struktur. Punkt 1 des Masterplans: Der Tischler muss her für ein klärendes Gespräch.

Er kommt auch. Erst loben wir ihn für die Dinge, die er gut gemacht. Er hat die Kanten der Bodenplatten schön gerade angeschnitten, die, weil auf .Knatsch verlegt, bei kräftigerem Seegang ordentlich aneinander knarren. (Nervt mich schon lange……)

Dann zeigen wir ihm das neue Muster auf dem Boden.

„Oh! Nanu! Woher kommt das denn? Huch…….“ und kratzt sich am Kopf. Immerhin sieht er ein, dass das so nicht bleiben kann. Muss er wohl noch mal machen. Baustelle Nr. 2, ein gerissener Türrahmen. Oben geklebt statt neues Holz eingesetzt, unten aus Versehen übersehen. Muss er wohl noch mal machen…….🤔 Wir sind gespannt, aber nun sind wir ja hier und gucken ihm auf die Finger.

Dann wird die Arbeit aufgeteilt. Meine Jobs werden mit einem B gekennzeichnet, Reiners folgerichtig mit einem R. Daneben die ungefähre zu erwartende Zeit, die wir brauchen. Dabei komme ich auf 24 Tage, Reiner auf 30. Huch! Nanu?! 😇
Na ja, einige Dinge, wie das Teakdeck neu verfugen, werden wir zusammen erledigen. Ansonsten habe ich die Holz- und Entrostungsarbeiten, Reiner die Technik.

Ausgebremst werden wir zunächst von den Temperaturen, die uns wahrscheinlich keiner glaubt. Bei gefühlten 37 Grad heute Vormittag bohre ich die ersten Teakpropfen aus dem Fensterrahmen der großen Mittelluke. Der sieht übel aus und braucht dringend etwas Liebe, Sonne und Feuchtigkeit haben ganze Arbeit geleistet. Leider ist der Rahmen mit 3 Schrauben pro Seite, die jeweils mit einem Teakpropfen verdeckt sind, an der Decke befestigt. ( An jeder Seite einer hätte auch gereicht..😡) Also muss bei der Hitze über Kopf gearbeitet werden. Kein Spaß……..

Zwischendurch regnet es und ab Nachmittag werden die Mücken munter. Soviel, wie wir sie in den letzten zwei Jahren nirgendwo gehabt haben. Gegen Abend zirpen die Grillen, es ist wie in den Tropen. Hätte man mir das vor zwei Wochen erzählt, hätte ich mich kaputt gelacht. Die Anwohner hier sagen, das sei nicht normal und stöhnen auch. Nächste Woche soll es kühler werden. Hoffentlich wissen die Mücken das auch. 😉

Zurück im Alltag

Wir sind seit gestern Nacht zurück in Deltaville. Aber bevor ich von den ersten frustrierenden Erlebnissen berichte, nochmal ein paar abschließende Worte über Island.

Man hat es wahrscheinlich schön gehört, wir waren begeistert. Island ist wunderschön. Ganz sicher nicht im klassischen Sinne mit blühenden Blumen und allem Schnickschnack. Island ist wunderschön wild, wunderschön rau und irgendwie wunderschön anders. Nichts Vergleichbares haben wir bisher gesehen. Mein kleines Farmerherz schlägt höher beim Anblick der fast unendlich großen Weideflächen mit ihren verstreuten Höfen. Auf jeder zweiten stehen Islandpferde. Und das sind nicht nur dicke mit langen Haaren. Einige sehen richtig schick aus und es reizt mich fürchterlich, einen richtigen langen Track per Pferd zu erleben. Beim nächsten Mal. Wenn ich dann meine Reithose nicht wieder vorher auspacke……..😬 und mehr Zeit habe.

Einen Irrglauben möchte ich noch ausräumen. Auf Island friert man immer, ist Blödsinn. Auf Island schwitzt man. Mit der Heizung wird nicht gespart. Als wir in unser Ferienhaus kommen, ist die Bude total überheizt. Die Heizungen laufen durch, kostet ja nichts. Es kommt aus der Erde. Selbst im Supermarkt ist es deutlich wärmer, als in den klimatisierten Eismärkten in den USA. Auch im Handbuch für das Ferienhaus steht geschrieben, dass bei Verlassen des Hauses alle Heizungen auf 2,5 gedreht sein sollen. Als Deutscher, der mit Grauen auf die kommende Nebenkostenabrechnung wartet, zuckt man zusammen. Wir konnten noch nicht mal unseren Kamin anzünden, wir wären erstickt. Überall wo man reinkommt ist es warm. Sehr warm. Der Außenpool läuft mollig warm mit 32 Grad rund ums Jahr. Stellt man die Heizung an, hat man das Gefühl gekocht zu werden.

Draußen war es jetzt im Oktober moderat kalt mit ca. 8 Grad. Bei Wind braucht man die Mütze, ansonsten waren wir eher zu dick angezogen. Also alles halb so wild. 

Dafür trifft uns der Schlag, als gestern aus dem Flieger in Washington steigen. Es ist 20.00 Uhr Ortszeit und wir haben 30 Grad. Die Luft ist dick und schwül. Ich möchte gleich wieder umdrehen…..Angekommen auf dem Schiff wird es nicht besser. Es ist total stickig und heiß innen, die Luft steht. Wer hat denn bitte behauptet, dass es hier oben im Herbst kalt ist? (Und wir haben uns Gedanken gemacht, ob unsere Heizung wohl noch noch funktioniert. 🙄) Hunderte von Mücken fallen über mich her. Nach 5 Minuten bin ich zerstochen, die Mistviecher steuern sogar das Innenohr an. Es herrscht Chaos und der Tischler hat schon auf den ersten Blick schlampig gearbeitet. Man soll auch niemals Handwerker alleine lassen, eigentlich nichts Neues. Und irgendwie selber Schuld.

Unseren gebrochenen Türrahmen hat er geklebt, statt neues Holz einzusetzen, die Bodenplatten, die abgeschliffen und neu lackiert werden sollten, haben jetzt ein Muster im Lack.

Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt. Ich verziehe mich zum Schlafen in die einzige mückenfreie Zone: Das Auto. Stickiger kann es nicht werden und die Viecher bleiben draußen. Reiner stört das alles nicht, aber den stechen sie auch nicht.

Island Tag 3

Wir sind angekommen im Land der Elfen und Trolle. Der Isländer glaubt an die Fabelwesen. Er geht sogar soweit, dass in einigen Straßen zwischen Häuserlücken Steine mit Hausnummern sein sollen. Dort wohnt dann ein Elf.

Die heutige Tour führt durch einen Nationalpark, der schöner kaum sein kann. Endlose Weiten wechseln sich ab mit moosbewachsenen Geröllfeldern und Hängen, wild zerklüftete Vulkankegel bergen zahlreiche Höhlen. Hier haben die ersten Einwohner geschützt gelebt. Tiefe Risse in den Vulkankegeln und Erdspalten zeugen von der hohen Aktivität unterhalb der Oberfläche. Trotz der mageren Vegetation der Insel bestechen auch hier die Farben, die sich über das Gebiet ziehen. Bunte Moose und kleine Kräuterpflanzen wechseln sich ab mit dem goldgelben Herbstlaub der Dornbüsche, wobei auch hier das helle Grün überwiegt. Das Moos ist so dick und weich, dass man wie auf Wolken geht.

Hier wohnen die Elfen, da bin ich mir sicher. Und ich könnte stundenlang im weichen Moos sitzen und in die Ferne gucken.

Ziel des heutigen Tages ist Reykjavik. Tja, was soll man sagen…….also den Schöner-Wohnen-Preis bekommen sie nicht. Vorsichtig ausgedrückt würde ich sagen, dass die Hauptstadt ein zweckmäßiges Durcheinander mit vielen Mietshausblöcken und abgewohnten Reihenhäusern ist. Die Architektur würde ich als Sozialpädagogin auch noch hinkriegen. Mittendrin stehen zwei supermoderne große Gebäude mit viel Glas. Es scheint wie ein etwas hilfloser Versuch, der ganzen Angelegenheit den Schliff zu verpassen. Auch die überdimensionale Kirche will nicht so richtig in das Bild einer Insel mit beeindruckender Natur, Wikingern, Trollen und Elfen passen. Sie ist so schlicht und nüchtern, wie ich noch keine Kirche gesehen habe. Lediglich die
Orgel, die ebenso wie das Gebäude selbst Übergröße hat, lässt einen einen Moment verweilen. Über 5000 Orgelpfeifen sollen für gewaltigen Klang sorgen. Vielleicht liegt hier der Schlüssel, gewaltig ist Island allemal.