Willkommen auf der Homepage der Segelyacht Balou

Dies ist die Homepage der Segelyacht Balou. Wir befinden uns seit Anfang Juli 2015 auf Großer Fahrt, um von unserem Heimathafen aus in die Welt und über die Ozeane zu segeln, vielleicht sogar einmal herum. Das passende Schiff haben wir vor einigen Jahren  gekauft und Stück für Stück vorbereitet. Wir möchten mit dieser Seite unsere Familie und Freunde mit auf die Reise nehmen und sie an unseren Abenteuern teilhaben lassen. Außerdem möchten wir von unseren – wohlgemerkt sehr persönlichen – Erfahrungen all denen berichten, die ebenfalls eine solche Reise planen und vorbereiten. Wir haben in den letzten Jahren sehr profitiert von unseren Vorgängern und möchten dies auch an unsere Nachfolger weitergeben.

Nassau

Nassau ist erreicht, der Golfstrom bezwungen. Freunde und Ankerplätze in Reichweite.

Am Mittwoch sitzen wir morgens beim ersten Aufwachkaffee in Palm Beach. Es ist fast windstill. Eine Yacht nach der anderen fährt an uns vorbei durch das Inlet nach draußen. 🧐 Das macht uns nach kurzer Zeit nervös. Wenn die alle jetzt fahren ( wir wollten eigentlich erst gegen Abend ), hat das seinen Grund.

Die Wetterprogramme werden nochmals strapaziert. Es gibt keinen Grund bis zum Abend zu warten. Wind ist kaum vorhergesagt, die Richtung ist auch mäßig, aber es macht keinen Unterschied. Außerdem wäre das Ankunftstiming so viel besser. Kurz entschlossen packen wir alles zusammen, fahren nochmal tanken und los.

Draußen stellen wir fest, dass wir die Segel setzen können. Nanu? Doch nicht sooo schlecht die Richtung. Sehr hoch am Wind, aber nichts flattert. Der Motor läuft niedrig mit. Wir wollen an der
Küste noch etwas weiter nach Süden, damit der Winkel zum Überqueren des Golfstroms besser wird. Leider werden wir schon hier ziemlich ausgebremst, dabei sind wir noch nicht mal drin im Strom. Na prima, das kann ja heiter werden. Bei 3 Knoten Geschwindigkeit überlegen wir, wenn’s eh so scheiße läuft, können wir auch gleich im spitzen Winkel rüber. Wenn wir dann stehen bleiben, fahren wir halt wieder Richtung Küste.

Und dann passieren komische Sachen. Balou nimmt Fahrt auf. Die Segel stehen tip-top, der
Motor läuft leicht mit. Keine Abdrift nach Norden. Wir queren in einem 45 Grad Winkel den Golfstrom, der uns mit 3 Knoten entgegen kommt, ohne verschoben zu werden. Das funktioniert eigentlich nicht. Aber eben nur eigentlich. Wir legen den direkten Kurs Richtung Bimini an. Von dort wollen wir über die Great Banks direkt nach Nassau. Der kürzeste Weg. Als wir uns in der
auf den Karten eingezeichneten Achse des Stroms befinden, läuft das Schiff mit zwischen 4,5 – 5 Knoten stabil ohne nennenswerte Welle und etwas schräg seinem Ziel entgegen. Verstehen muss man das nicht.

Die Folge ist, dass wir zu früh (sprich mitten in der Nacht) in Nassau ankommen, wenn es so weiterläuft. Es läuft. 50 sm vor dem Ziel beginnen wir zu dümpeln und ziehen so die Ankunft auf 9.30Uhr bei Hochwasser und Licht raus. Das ganze Gebiet ist sehr flach und überall sind Korallenbänke, genaues navigieren ist ein Muss. Unsere Explorerkarten stellen sich als ausgezeichnet heraus, jeder Stein stimmt, die Tiefenangaben ebenfalls.

Pünktlich bei Hochwasser laufen wir in die Palm Cay Marina im Südosten ein, in der wir einklarieren können. Die Beamten kommen zum Schiff. Ruckzuck und supernett ist alles schnell erledigt. Ich bekomme noch für lau eine Fishinglicense und gute Tipps, wo ich die besten Fische fangen kann.

Also mal ehrlich. Viel Lärm um nix und ein perfekter Einstieg.

 

Ein ernstes Thema

Ich habe lange ûberlegt, ob ich dieses Thema zur Sprache bringe. Es ist privat. Sehr privat. Eigentlich zu privat für die Öffentlichkeit. Und dennoch kann es uns Langfahrtseglern begegnen. Obwohl wir immer wissen, dass es passieren kann und die theoretische Möglichkeit im Hinterkopf haben, trifft es einen unvorbereitet. Die schwere Erkrankung eines Familienangehörigen.

Schon seit einigen Tagen begleitet uns diese dunkle Wolke. Nun wird es ernst, Reiner muss nach Hause. Wie man sich denken kann, möglichst schnell.

Noch bis zur letzten Woche wäre das alles kein Problem gewesen. Wir hatten einen bezahlbaren Platz in einer guten Marina, Innerhalb von 24 Stunden wären wir beide in Bonn gewesen. Heute, 150 sm weiter südlich sieht das anders aus. Wir liegen am Anker, die Marina gegenüber ist voll. In Miami findet eine große Boatshow statt, alles ist ausgebucht und zudem wahnsinnig teuer.

Neben der emotionalen Achterbahnfahrt kommt die Frage auf, wohin mit dem Schiff. Die einzig machbare Lösung erscheint uns, möglichst zügig in die Bahamas an einen sicheren Ankerplatz zu kommen, wo ich in direkter Nähe zu Freunden auf dem Schiff bleiben werde. Reiner fliegt alleine.

Und wie sollte es anders sein, der Wind spielt nicht so schnell mit, wie wir das gerne hätten. Erst ab Mittwoch finden wir eine Lücke, die sehr leichten Wind mit sich bringt. Noch nie haben wir uns so über eine Flaute gefreut. Wir werden dann im wahrsten Sinne des Wortes Gas geben und hoffen, dass wir möglichst schnell an unser Ziel in den Exumas kommen. Anfang der kommenden Woche kann Reiner dann nach Hause.

Es sind quälende Tage, die sich hinziehen wie Kaugummi, da man hier sitzt und abwarten muss. Obwohl man doch eigentlich lieber ganz woanders wäre.

Wir machen die Erfahrung, dass Kommunikationsmittel extrem wichtig für uns sind. Mit ortsüblichen Simkarten für das Telefon, sind wir an fast jedem Ort erreichbar. Wir machen aber auch die Erfahrung, dass es zwar für mich einfach wäre, sofort nach Hause zu fliegen, für Reiner jedoch nicht. Ich kann das Schiff nicht alleine in die Bahamas segeln. Selbst alleine am Anker liegen für eine längeren Zeitraum, würde ich mir ohne erreichbare Hilfe nicht zutrauen. Was passiert, wenn es plötzlich stürmt und der Anker ins Rutschen kommt?

Ich habe bis jetzt keine Ahnung, wie der Wassermacher bedient wird und wie der Generator im Detail tickt. Das alles muss und werde ich jetzt im Schnelldurchlauf lernen. Warum habe ich mich damit nicht längst beschäftigt? Es war ja nicht nötig, Reiner macht schon….. Ich kann das Schiff nachts alleine segeln, navigieren, funken, Segel reffen, steuern, usw. Die technischen Feinheiten beherrsche ich nicht.

Und Reiner? Der muss loslassen. Nicht nur zu Hause, sondern auch mich mit dem Schiff.

Niemand macht sich über solche Dinge gerne Gedanken. Man sollte es dennoch tun. Was wäre wenn? Kann jeder alles bedienen? Ist uns klar was es bedeutet, dass zumindest uns Frauen alleine rein körperlich Grenzen gesetzt sind? Und dass wir bei aller Vorbereitung eben doch durch widrige Umstände nicht da sein können, wo wir vielleicht sein wollen?

Wir werden niemals auf alles vorbereitet sein. Das ist das Leben. Wir Fahrtensegler wollen Freiheit und Unabhängigkeit. Aber wir müssen im Zweifel auch den Preis dafür zahlen.

Ich schreibe diese Zeilen, weil diese inzwischen nicht nur von Familie und Freunden gelesen werden, sondern auch von vielen Seglern, die unterwegs sind oder sich auf eine Reise vorbereiten. Ich will niemanden entmutigen. Aber es ist eine Erfahrung, die nun mal zu unserem selbst gewählten Leben dazu gehört und damit auch in diesen Blog.

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung

Wir verbringen eine ruhige Nacht am idyllischen Ankerplatz (abgekupfert von der Kyla, die dort eine Woche vorher gelegen hat 😜). Vor uns Mangroven mit weißem Strand, um uns herum hunderte von Delphinen. Fast wie Urlaub. Es schnauft und prustet die ganze Nacht um das Schiff.

Punkt 7.00 Uhr bei Sonnenaufgang holen wir das Eisen aus dem Sand und zockeln los. Das Wasser ist platt, Wind soll aber demnächst aus Nord kommen. Er tut es. Spannend wird, wie lange. Irgendwann wird er drehen. Über Ost nach Süd. Über den Zeitpunkt sind sich die Wettergurus alles andere als einig. Wir nehmen es, wie es kommt. Wenn wir nicht mehr weiterkommen, fahren wir „rechts ran“.

Tatsächlich beginnt er erst in der Nacht zu drehen und bläst kräftiger, als angesagt. Ab Mitternacht segeln wir bei 5 Bft, in Böen auch mal drüber, hoch am Wind nach Süden. Die Welle wächst, es wird nass auf dem Schiff. Aber es funktioniert. Es fliegt uns auch nur ein einziges Mal eine Schublade aus den Angeln und sorgt für Begeisterung.😡(Nein, nicht die mit den Messern, sondern die mit dem sonstigen Küchenwerkzeug.) Für monatelanges Stilliegen in der Marina ist der Einstieg sagen wir mal suboptimal. Das Schiff kämpft sich bei 50 Grad am Wind vorwärts, ich kämpfe bei dem Gedanken an Essen…..

Drei Stunden vor Palm Beach hat Balou endgültig die Schnauze voll und macht eine Vollbremsung. Wind genau von vorne, Schluss mit der Segelei. Für den Rest der Strecke läuft der Motor. Der Spaßfaktor ist eingeschränkt, der Segler weiß von ich spreche.

Wir verbuchen es unter „Getriebeeinarbeitung“. Aber: 150 sm im Sack. Jetzt noch ein klitzekleines Stückchen weiter nach Süden und dann zack rüber. Das wird ja wohl zu schaffen sein….

Abschiedsprogramm

Alles erledigt. Morgen geht es endlich endlich weiter.

Seit dem Wochenende zickt der Wind. Eigentlich wollen wir am Montag los, dann schmilzt unser Wetter dahin. Mit müssen 150 sm nach Süden, um dann links in Richtung Bahamas abzubiegen. Dort wollen wir die Lücke südlich von Grand Bahama treffen. Eigentlich sieht das nicht so schwierig aus. Das Kunststück ist es, den Golfstrom zu queren, der ja von Süd nach Nord geht, und dabei nicht zu weit nach Norden geschoben zu werden.

Normalerweise denkt man, dass da ein Nordwind helfen würde. Aber falsch. Bei Wind aus Nord, herrscht im Golfstrom Wind gegen Strom. Im Ergebnis bedeutet das eine hässliche Welle. Alles, wo kein „N“ drin ist geht, sagen die Erfahrenen.

So brauchen wir erstmal Wind aus Nord, um neben dem Strom an der Küste nach Süden zu kommen und dann wäre West toll. Den gibt’s aber kaum. Und alles, was im Moment weht, dauert nur kurz, bevor er wieder dreht. Wir werden sehen, wie weit wir kommen. Morgen jedenfalls erstmal kurz vor den Ausgang des Inlets an den Anker, um dann beim ersten Licht am Donnerstag rauszufahren.

Somit haben wir dann aber am Sonntag noch die Chance den Super Bowl zu sehen. Amerika steht Kopf. Alles, aber auch wirklich alles dreht sich um den Super Bowl.

In Anbetracht unserer nahen Abfahrt, kaufe ich seit Tagen ein. Das eine hier, das andere dort. In den Bahamas will man nichts einkaufen. Es gibt alles, aber nicht für unseren Geldbeutel. Am Samstag finde ich unreife und harte Avocados. Prima. Die werden noch eine Woche brauchen bis sie reif sind. Kurz hinter dem Gemüse werde ich angesprochen. Ich bräuchte die Avocados doch bestimmt für den Super Bowl, da vorne zwischen den Tomaten würde reife liegen!

Das Fleischregal quillt über vor Hühnerkeulen und Spare Ribs. Wieviele Hühner und Schweine mussten für den Super Bowl sterben 😨
Wir sind eingeladen. Mit einem richtig deutschen Apfelkuchen bestücken wir das Büfett. Und dann ist Anpfiff im XXL-Fernseher. Was für ein Spektakel. Aber ein tolles Spiel. Ich, berufsbedingt für den Außenseiter, gewinne.

Heute noch schnell ein Raketenstart in Cape Canaveral, der von hier aus gut zu sehen sein soll und dann muss Schluss sein. Sie geben wirklich alles, um uns zu unterhalten…..

Letzter Akt

Wir verbringen den ganzen Tag damit, Dinge zu erlernen, von denen wir bisher nichts verstanden haben. Aber bekanntlich wächst der Mensch ja mit seinen Aufgaben.

Im Klartext heißt das, dass Reiner mit Deppenlampe und irgendwelchen Schraubenziehern zwischen unzugänglichen Höhlen und Getriebehandbuch hin und herläuft und ich nach guter alter Art der Sesamstraße (welches der Dinge gehört zu den anderen) mit Fotos aus Holland nach der Stelle suche, an der wir schrauben müssen.

Irgendwie finden wir die richtige Stelle und schaffen es – wiederum nach holländischer Anweisung- , die Schaltung neu einzustellen und zu justieren. Das ist die erste Kommunikation mit einem Fachmann die läuft. In Kleinstschritten beschreibt er den Vorgang und fragt am Ende sogar von sich aus nach, ob es geklappt hat. Schön, dass es sowas noch gibt.

Am Ende des Tages geht die Schaltung wieder leichter. Der Knall beim Einlegen des Vorwärtsganges bleibt allerdings. Irgendwie bleibt die Sorge, dass dadurch das nächste Teil kaputt geht. Reiner fasst den Entschluss Billyboy, den hiesigen Getriebemann nochmal anzurufen und zu befragen. Vielleicht hat er ja eine einleuchtende Erklärung.

Heute morgen nach dem Frühstück wählt er die Nummer. Bill geht ran, hört sich nur sehr kurz an was Reiner ihn fragen will, sagt ihm er soll mit Rick sprechen, der soll ihn anrufen und: LEGT AUF. 😳

Jetzt ist es auch bei Reiner soweit. Ihm platzt endgültig die Hutschnur. Heidewitzka. Ein zweiter Telefonversuch landet auf dem AB. War klar. Aber auch dort kann man deutlich werden. Sehr deutlich. Er bekommt zu hören, dass er sehr viel Geld von uns erhalten hat und nun lediglich eine Frage beantworten sollte. Mit Rick zu sprechen hat wenig Sinn, schließlich hat er selber gesagt, von Getrieben keine Ahnung zu haben.

Dennoch erhält er unsere Ansage über Rick, bei dem er wenigstens noch ans Telefon geht. Und siehe da, wir dürfen ihn noch mal anrufen. Nun kommt tatsächlich eine Information rüber, er benimmt sich am Telefon.

Also. In unserem Getriebe sind mehrere Teile ausgetauscht worden, unter anderem ein Konus. (Das dicke Teil auf dem Foto von gestern). Diese neuen Teile arbeiten mit den anderen vorhandenen und eingearbeiteten Teilen zusammen. Die Passung ist somit nicht 100% und wird erst mit der Zeit entstehen. Dadurch entsteht der Knall beim Einkuppeln, die Teile rutschen nicht weich ineinander, sondern mit einem Ruck. Daher ist auch ein Getriebeölwechsel nach 50-100 Motorstunden erforderlich.

Unser Getriebe sei in hervorragendem Zustand und mit den Austauschteilen quasi neuwertig.
Diese Aussage hätten gerne vorher gehabt.

Nebenbei entsteht noch die Idee, die Leerlaufdrehzahl etwas zu reduzieren, in der Hoffnung, dass durch die langsamere Drehung etwas Wucht aus der Geschichte genommen wird. Mit einem Hinweis unseres potentiellen Schwiegersohnes an welcher Stelle wir da nun wieder suchen müssen, kriegen wir auch das hin.

Wie auch immer, wir nehmen es jetzt so hin und hoffen darauf, dass sich die Getriebeteile untereinander bald lieb haben werden.

Jetzt wird aufgeräumt.

Und übrigens: Da sich hier in den USA jeder der seinem Opa mal über die Schulter geguckt hat, Fachmann nennen kann und dann um die 60 US$ Stundenlohn kassiert, werden wir das jetzt auch tun. Immerhin können wir eine Schaltung justieren. Rick nicht.