Willkommen auf der Homepage der Segelyacht Balou

Dies ist die Homepage der Segelyacht Balou. Wir befinden uns seit Anfang Juli 2015 auf Großer Fahrt, um von unserem Heimathafen aus in die Welt und über die Ozeane zu segeln, vielleicht sogar einmal herum. Das passende Schiff haben wir vor einigen Jahren  gekauft und Stück für Stück vorbereitet. Wir möchten mit dieser Seite unsere Familie und Freunde mit auf die Reise nehmen und sie an unseren Abenteuern teilhaben lassen. Außerdem möchten wir von unseren – wohlgemerkt sehr persönlichen – Erfahrungen all denen berichten, die ebenfalls eine solche Reise planen und vorbereiten. Wir haben in den letzten Jahren sehr profitiert von unseren Vorgängern und möchten dies auch an unsere Nachfolger weitergeben.

Stillstand

Alles steht still. Hier wie da.

Wie sie hör‘n, hör‘n sie nix. Unser Getriebe ist seit einer Woche weg. Wohin wissen wir auch nicht so genau. Bei einem Spezialisten natürlich. 🤣 Der ist aber nicht zu erreichen. Wir hängen fest. Wie lange? Keine Ahnung. Vielleicht hätten wir doch einfach weiter fahren sollen. Es lief ja. Zwar rumpelig, aber es lief.

Nun kommt Weihnachten. Am Samstag (gestern) ist mein Heimflug über Weihnachten geplant. Verpassen werde ich wohl nichts. Sollte sich auch in der kommenden Woche nichts tun, gibt es auch für Reiner Plan B.

Nach einem leckeren Abschiedsessen auf unserem Begleitschiff Worlddancer treten wir den Weg zum Flughafen Orlando an. Als ich dort ankomme, wird mir zuckersüß mitgeteilt, dass ich trotz bestätigten Fluges auf der Warteliste stehe. Der Flug ist überbucht. Ich muss – obwohl ich freiwillig auf den nächsten Tag umbuchen würde – am Gate warten, ob ich doch noch mitfliegen kann. Dort herrscht das personifizierte Chaos. Ca. 50 Menschen stehen dort am Schalter, warten auf einen Platz und sind schwer genervt. Der Platz in der Wartehalle reicht allenfalls für einen kleinen Flieger, vor der Tür steht ein Jumbo. 🙄 Mit einer Stunde Verspätung darf ich dann doch einsteigen.

Kurz vor der Landung erhalten wir die Nachricht, dass viele Anschlussflüge in Frankfurt gecancelt worden sind. Man ahnt es schon, meiner auch. Ich steige aus, draußen herrscht wildes Schneegestöber. Chaos bei der Lufthansa. Nach mehreren Stunden in der Warteschlange vor dem Schalter kann ich umbuchen auf den letzten Flieger nach Hannover.

Ob der allerdings tatsächlich geht, weiß noch keiner. Im Moment geht hier gar nichts.

Stillstand. Vielleicht verbringe ich die Nacht im Flughafen.

Was machen wir denn falsch?

 

 

Ein offenes Wort

Wer es liebt auf Baustellen zu leben, die eine Größe von 15-20 qm haben, der sollte auf Langfahrt gehen.
Wer es liebt, die Tage damit zu verbringen, sich von Sonnenauf- bis untergang mit der Beschaffung von Ersatzteilen oder Reparaturen zu beschäftigen, der sollte auf Langfahrt gehen.

Es gibt Tage, die sind einfach überflüssig. Leider mehren sich diese Tage derzeit. Kurz gesagt, ich ( und manchmal sogar Reiner) habe die Schnauze voll. Manchmal will ich nur noch nach Hause.

Wir beobachten bzw. hören schon seit ein paar Wochen ein Geräusch im Getriebe. Beim Anfahren und sehr niedriger Drehzahl klopft es. Dann muss man in den Leerlauf gehen und vorsichtig noch einmal anfahren. Bei höherer Drehzahl ist das Geräusch weg, alles läuft gleichmäßig. Nun kann man das ignorieren und hoffen, dass nichts weiter passiert, oder man lässt mal den Fachmann ran. 🤮

Wir entscheiden uns für den Fachmann. Liegt doch ein Schaden vor, wird es in den Bahamas mit Reparatur und Ersatzteilbeschaffung schwierig. Nun sind wir, was den „Fachmann“ in den USA angeht, im Laufe der letzten Monate etwas misstrauisch geworden. Hier in der Marina soll es einen geben, der sich mit Motoren und Getrieben auskennt. Auch die Befragung unserer ansässigen Nachbarn bestätigt, dass der Mann gut sein soll. „Wenn Rick es nicht kann, kann es keiner“, wird behauptet. Na denn, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Tatsächlich taucht Rick kurz nach dem Anruf auf und hört sich das Gerumpele aus der Tiefe an. Er ist sich ebenfalls sicher, dass es vom Getriebe kommt. Es muss raus, damit er die Ursache finden kann. Rick sieht aus wie ein rüstiger Rentner, der sein Leben lang an Maschinen gefrickelt hat. Er hat eine Werkstatt mit Drehbank und allem Pipapo und er ist tiefenentspannt. Das lässt hoffen.

Am Montagfrüh ist er mit Kompagnon zur Stelle. Ein lustiges Pärchen, was unser Getriebe in gut zwei Stunden ausgebaut hat.

Wir räumen das Schiff wieder auf und Reiner wäscht sich die Hände. Es blubbert aus der Leitung. Aha, der Tank ist leer. Wieso leer? Wir haben ihn vor 3 Tagen frisch gefüllt….🤔 Na egal, Wasserschlauch angestellt und wieder aufgefüllt. Blick in die Bilge.

Es plätschert still vor sich hin, unten steht das Wasser. Der Tank ist sehr schnell – zu schnell – wieder voll. Er war gar nicht leer! Was ist das nun wieder? 🤮

Ein Griff auf die Wartungsklappe von oben zeigt, dass es dort nass ist. Nun gut, die Dichtungen wollen erneuert werden. Fällt unter Wartung. Wir lassen wieder Wasser durch den Küchenhahn ablaufen. Es blubbert. Luft in der Leitung. Woher? Es passt alles nicht zusammen.

Der Ist-Zustand: Die Bodenbretter sind draußen, der Kühlschrank ausgebaut. Sämtliche Leitungen in einem Schiff liegen unter Möbeln und Schränken. Irgendwo ist ein Fehler und um den zu finden muss alles ausgebaut werden. 🤮

Inzwischen haben wir mit Rick gesprochen. Er hat noch keine Ahnung, woher das Klopfen kommt und hat das Getriebe weitergegeben an jemanden mit einem Prüfstand. Immerhin macht er keine nutzlosen Reparaturen. Wir warten.

Ich nehme mir mein IPad und will mal bloggen. Gestern hatten wir einen (1!!!!!) schönen Tag. Da will ich mal was drüber schreiben. Öffne Pages ( das Programm mit dem ich schreibe) und mein gesamtes Logbuch der letzten 2,5 Jahre ist weg. Ebenfalls fotografierte Dokumente ect. Ja, es hat eine ICloud Sicherung gegeben. Vor zwei Tagen. Danach ist alles weg. Auch nicht im ICloud zu finden. Mein IPad zeigt einen genutzten Speicherplatz von 2,8 MB für Pages an. Nicht möglich bei einem Logbuch von 2,5 Jahren. 🤮

Irgendwie tauchen die Dateien später wieder auf. Nicht im ICloud, sondern auf dem IPad. Trotz Backups. Wer versteht das?

Bin endlos genervt, ich brauche Urlaub.

Celebration

Man muss es ihnen lassen, zelebrieren können sie. Deutlich besser als wir und weniger theatralisch.

Am 1. Advent bricht Weihnachten endgültig an. Eingeläutet von der Weihnachtsparade, die auch hier im eher kleinstädtischen New Smyrna stattfindet. Sie beginnt am Strand und zieht über die große Brücke, die den Inselteil der Küste mit dem Festland verbindet, bis in den vollkommen untouristischen Ortskern. Die Brücke selbst bleibt für 3 Stunden für den Auto- und Schiffsverkehr gesperrt.

Auf der gesamten Strecke herrscht Picknickstimmung. Alles wird zugeparkt, die Campingstühle und der Grill aufgebaut. Bei 25 Grad wartet man auf den Weihnachtsmann, für alle Fälle – falls es länger dauern sollte – auch mit der Familienpizza auf den Knien. Santa und sein Weihnachtsgefolge setzen sich pünktlich um 15.30 Uhr in Bewegung, angeführt vom Flaggenmännchen. Damit wir auch nicht vergessen, wo wir sind!

Es wird gefeiert. Ähnlich den Karnevalszügen im Rheinland ziehen bunte, mehr oder weniger weihnachtlich geschmückte Wagen durch die Straße. Mal mit Weihnachtsmusik, mal mit Countryklängen untermalt, schneit es sogar von manchem Wagen. Horden von Kindern aller Alterstufen stehen in der ersten Reihe. Denn, es regnet nicht nur Süßigkeiten ohne Ende, sondern auch kleines Spielzeug bis hin zum Kinderbuch. Den Kleineren werden die Geschenke auch direkt in die Hand gedrückt, damit wird Gedränge vermieden. Jeder bekommt mehr als genug.

             

„Merry Christmas“, wird einem fröhlich zugerufen, die Kinderaugen strahlen. Gegen Ende des Zuges sieht man den Kindern die Aufregung an. Da werden auch schon mal Reiner’s Füße vor Erschöpfung als Sitz benutzt. 😍

Ich hatte mir Weihnachten in den USA weitaus kitschiger vorgestellt. Den einen oder anderen Ausreißer gibt es zwar, aber vor allen Dingen ist es ein fröhliches Fest mit stimmungsvoller Beleuchtung. Kein Vergleich zum letzten Jahr auf Martinique, wo die Deko die Grenze zur Geschmacklosigkeit (aus unserer Sicht!) klar überschritten hat.

New Smyrna Beach

Kontrastprogramm Kleinstadtidylle.

Nach dem trubeligen St. Augustine genießen wir ruhige Atmosphäre in Smyrna Beach. Ein kleiner Ort mit allem, was der Mensch braucht. Sogar Aldi gibt es hier. Die Marina ist kuschelig klein, nach zwei Tagen kennt man sich. Auf dem Steg stehen ein paar Blumenkästen und der Segler in der Nachbarbox ist weit entfernt vom Segeln. Das Schiff ist übersät mit Lichterketten.

Direkt an der Einfahrt tummeln sich mal wieder die Delphine und streiten sich bei ablaufendem Wasser mit den Pelikanen um den Fisch. Seekühe soll es ebenfalls jede Menge geben, man soll hier extrem langsam fahren. Wenn wir nicht mit der Batteriebeschaffung, dem zu flickenden Dinghi, der Bestellung einer neuen Halterung für unseren Watt & Sea usw. beschäftigt wären, könnte man fast von Urlaub sprechen.

Um uns das Leben hier noch ein bißchen schöner zu machen, geben unser deutsch-amerikanischer Bekannter Christian und seine Frau alles. Er hat diese Woche frei und fährt uns tapfer von A nach B. Heute Abend sind wir zum Essen eingeladen.

Ach ja, der Wassergenerator. Nachdem wir unseren Frust kund getan haben, meldet sich der deutsche Watt & Sea Vertreter bei uns. Immerhin, das ist neu. Er gibt uns zwar zunächst Tipps, die wir schon lange umgesetzt haben, aber das kann er ja nicht riechen. Und das er von den Geräten überzeugt ist – er vertreibt sie in großem Umfang – kann man ihm auch nicht vorwerfen. Unsere gebrochene Halterung, sieht er als normal an. Ein Verschleißteil, das man auswechselt. 😏

Trotzdem ist er der Meinung, dass unser Generator effizienter arbeiten könnte. Mit den neuen Battereien werden wir dem Laderegler eine neue Software zukommen lassen. Diese schickt er uns. Wir bleiben gespannt. Es wäre ja schön, wenn wir uns für das teure Geld doch noch mit dem Ding anfreunden könnten. Eine Zufriedenheitsabfrage von allen Anwendern nach zwei Jahren wäre trotzdem eine interessante Option.

 

Französische Wertarbeit

….oder „Spaß“ mit Watt & Sea.

Um 6.15 Uhr holen wir nach Plan mit dem ersten Licht den Anker auf. Es ist reichlich kalt und sehr feucht, die Scheiben sind so beschlagen, dass nichts zu sehen ist. Es hilft aber nichts, wir müssen die 50 sm im Hellen schaffen, das nächste Inlet bei Daytona ist wieder mit reichlich Tonnen und Untiefen bestückt.

Just als wir in den Kanal nach draußen einbiegen wollen, zieht eine dicke Nebelwand auf. Nun sehen wir gar nichts mehr. Das einzige, was wir noch sehen, ist unser Track von der Ankunft, auf dem wir nun genau wieder zurückfahren. Wo es reingeht, geht’s auch wieder raus. Im Hinterkopf habe ich unseren Motor. Der darf jetzt nicht ausfallen. Zumal auch noch eine ekelige kurze Hackwelle durch Wind gegen Strom vorliegt. Also alles, was man nicht will.

Der Motor läuft ohne zu zicken. Kein Kühlwasser tritt aus 😅 und Tonnen fahren wir auch nicht um.

Zur Stromerzeugung während wir segeln, hängt unser Watt & Sea Wassergenerator am Heck im Wasser. Es sei denn, wir fahren unter Motor, dann zieht Reiner ihn hoch.Dies ist auch heute der Fall. Der Wind ist sehr schwach und da wir wie gesagt nicht im
Dunkeln ankommen wollen, lassen wir den Motor mitlaufen.

Reiner klettert auf die Badeplattform, zieht an der Leine……und flucht. Sehr laut. Die Halterung am Generator an der er am Schiff hängt, ist gebrochen. 😳 Gott sei Dank haben wir das Mistding mit Leinen gesichert. Anderenfalls hätten wir ihn jetzt versenkt.

Nochmal zur Erklärung: Das Gerät ist 2,5 Jahre alt und hat 3500€ gekostet. Ganze Regatten fahren mit hohen Geschwindigkeiten damit um die Welt. Das darf doch nicht wahr sein, oder?
Nun sind wir mal gespannt, was die Vertretung in Deutschland dazu sagt. Ob sie sich wohl auf die gerade abgelaufene Garantie berufen wird?

Ärger hatten wir eigentlich bisher genug mit dem Generator. ( Siehe ausführlichen Bericht im Technikteil auf unserer Homepage) So wie es aussieht, bleiben wir dabei. Hände weg vom Watt & Sea.

Die kleine Marina erreichen wir dennoch ohne Zwischenfälle. Das Fahrwasser ist eng, aber gut betonnt und die Klappbrücke, durch die wir müssen, wird extra für uns geöffnet.