Willkommen auf der Homepage der Segelyacht Balou

Dies ist die Homepage der Segelyacht Balou. Wir befinden uns seit Anfang Juli 2015 auf Großer Fahrt, um von unserem Heimathafen aus in die Welt und über die Ozeane zu segeln, vielleicht sogar einmal herum. Das passende Schiff haben wir vor einigen Jahren  gekauft und Stück für Stück vorbereitet. Wir möchten mit dieser Seite unsere Familie und Freunde mit auf die Reise nehmen und sie an unseren Abenteuern teilhaben lassen. Außerdem möchten wir von unseren – wohlgemerkt sehr persönlichen – Erfahrungen all denen berichten, die ebenfalls eine solche Reise planen und vorbereiten. Wir haben in den letzten Jahren sehr profitiert von unseren Vorgängern und möchten dies auch an unsere Nachfolger weitergeben.

Krankenkassenrückerstattung

Die meisten wissen es, Reiner war krank.

Vier Wochen Beschwerden wegen eines Nierensteins, der sich im Harnleiter festgesetzt hatte, gingen einem Eingriff in Riviera Beach in Florida voraus. ( Siehe Blog vor ca. 4 Wochen) Die Gesamtkosten betrugen 5000€.

Vor zwei Wochen haben wir alle Rechnungen, Arztberichte etc. per Express im Original nach Deutschland geschickt und die Hanse-Merkur um Kostenerstattung gebeten.

Gestern kommt die erlösende Nachricht: Es werden alle Kosten erstattet. 😀

Uns fällt ein Stein vom Herzen. Ohne eine einzige Nachfrage bekommen wir unser Geld bis auf den letzten Cent zurück. Es war ein dicker Stapel Rechnungen von der Arztpraxis, Laborkosten, CT, Krankenhaus für den ambulanten Eingriff, Anästhesist usw.

Fazit: Die Krankenversicherung der Hanse- Merkur über Preuss war die richtige Entscheidung.

Jetzt kann NY kommen……

Quickie Cape May

Cape May ist Mist. Unser Aufenthalt dort dauert ca. 30 min.

Nachdem wir gestern die 12 sm nach Cape May in 4 Stunden rüber wabern, kippt wie berechnet die Tide und wir können mit Schwung durch die Einfahrt des Landzipfels rutschen.

Dann kommt schnell die Ernüchterung. Die Worlddancer ist vor uns und gibt schnell Rückmeldung. Der Ankerplatz ist klein, voll und liegt zwischen Bagger, Schwimmdock und grüner Bake. Und vorsichtig, es sei sehr flach. Für uns kommt nur der eine Ankerplatz in Frage, alle weiteren sind noch flacher.

Es ist flach. Direkt 10 Meter neben der Fahrrinne kann man spazieren gehen. Wir fahren im Schleichtempo aus der Fahrrinne. Unsere einzige Ankermöglichkeit liegt direkt daneben. Vier Schiffe liegen bereits dort, damit ist der Platz eigentlich schon voll. Und es ist häßlich. Vorne verrosteter Stahlschrott im Wasser, hinter uns das Schwimmdock. Eine rostige dicke Mooringboje liegt ebenfalls im Weg. Der eigentliche Ort ist 1,5 sm weit weg. Eine lange Strecke für das Dinghi, wenn man sich denn traut sein Schiff in dem engen Ankerfeld alleine zu lassen.

Wir quetschen uns zwischen Schiffe und geben knapp 20 Meter Kette. Mehr Platz ist nicht. Neben uns wirft die That’s Life den Anker. Wir liegen so eng, dass wir keine Funke brauchen, um uns normal zu unterhalten. Die Worlddancer mit weniger Tiefgang, hat sich einen Platz für eine Nacht vor der Coastguard erbettelt.

Wir gucken uns an. Was wollen wir hier? Eine Nacht unter ätzenden Bedingungen mit miesem Ausblick verbringen? Ohne Aussicht, den Ort angucken zu können?

Die Wetterprogramme laufen heiß. Das Ergebnis bringt die Aussicht auf segelbaren Wind über Nacht. Wir haben noch 110 sm bis zur Einfahrt in die Bucht vor NY. Am Dienstag und Mittwoch Flaute, am Donnerstag Sturm.

Anker hoch und los.

Was soll ich sagen……segelbaren Wind haben wir nicht besonders lange. Als die Geschwindigkeit unter 2 Knoten fällt, geht der Motor wieder an. Es ist zum Wahnsinnig werden hier.

Wenigstens ist die Nacht ruhig. Der Verkehr ist überschaubar und die Kulisse von Atlantic City, die mitten in der Nacht an uns vorbei zieht, beeindruckend. Ein bunt beleuchtete Skyline mit wechselnder Leuchtreklame an den Wolkenkratzern scheint weit über das Wasser.

Ein Vorgeschmack auf NY? Wir werden es sehen. Heute werden wir erstmal direkt hinter dem Kap ankern und uns wieder versammeln. Dann werden wieder die Tidenkalender gewälzt, denn gegen die Strömung des Hudson River’s hat man keine Chance.

Noch 30 Seemeilen.

PS: Hatte ich erwähnt, dass wir Flaute haben?

Der Limulus Polyphemus

……oder auch der Pfeilschwanzkrebs lebt hier an der Atlantikküste. Sympathisch sieht er nicht aus.

Als wir das erste Mal mit dem Dinghi zum Strand fahren, um an Land zu gehen, sehen wir frühstückstellergroße, dunkle Schatten im Wasser. Ich denke zunächst an einen Plattfisch.
Dann entdecken wir die Teller im Sand.

Sofort wird gegoogelt. Die Pfeilschwanzkrebse werden auch als lebende Fossilien bezeichnet, sie existieren bereits seit 400 Mio Jahren und haben sich seitdem kaum verändert. So sehen sie auch aus…..ich denke ja bei Meeresgetier im schnell ans Essen, bei dem Anblick kommt allerdings kein großer Appetit auf. Wenn man sie umdreht, werden sie auch nicht schöner.

Im Frühjahr krabbeln nun mehr als 2 Mio Urzeitkrebse an die Strände von Delaware, um sich zu paaren. Jugendfrei ist das nicht. Sie liegen in wilden Haufen bis zu 12 Stück aufeinander um ihre
Eier zu befruchten. ( Leider haben wir in dem Moment keinen Fotoapparat zur Hand). Der Paarungsmarsch gilt als einer der ältesten auf unserem Planeten.

Sie kommen gegen Abend aus dem Wasser, plötzlich ist am Rand alles schwarz. Man weiß kaum, wo man hintreten soll. Gott sei Dank sind sie langsam, so dass Krabbelattacken ausbleiben.

Sonst ist Lewes ganz nett. Nette Häuschen, etwas touristisch. Zum Warten in Ordnung. Heute dümpeln wir mal weiter auf die andere Seite rüber nach Cape May. Irgendwie muss man sich ja beschäftigen und es sind 12 sm mehr im Sack.

Hatte ich schon erwähnt, dass wir Flaute haben?

Sturm-Flaute

Wir liegen in der weitläufigen Bucht vor Lewes am Ausgang der Delaware Bay. Kurz vor NY vor einem weißen Strand.

Ein zäher Weg……

Bis zum Ausgang des Kanals geht alles super, wir flutschen tatsächlich in 2 Stunden durch. Danach erfolgt die Vollbremsung. Kaum drehen wir nach rechts, steht ein heftiger Strom gegen uns. So heftig, dass wir noch 1,9 kn auf der Logge haben. Der leichte Wind wäre segelbar aus ca. 70 Grad, alle Segel sind voll draußen, aber wir sind kurz vor dem Rückwärtstreiben. So ein Mist…

Dann zieht eine dunkle Wand auf. Ohne erkennbare Böenwalze. Mehr Wind? Angesagt ist nichts Gefährliches, die Segel bleiben draußen. Fehlentscheidung.

Innerhalb von Sekunden haben wir plötzlich 30 Knoten Wind. Bei voller Besegelung. 😱Dem Segler muss ich jetzt nicht erklären, was dann passiert auf Amwindkurs………die anderen wollen es nicht wissen.

Wir schaffen es nicht in den Wind zu fahren, nicht zu halten. Also Segel aufmachen, umdrehen und ablaufen. Dem Himmel sei Dank für die Rollanlage, mit der wir zur Not auf jedem Kurs das Großsegel einrollen können. Nicht schön, aber weg.
Auf dem Rest der Strecke herrscht dann wieder nahezu Flaute, ein elendiges Gedümpel mit leichter Motorunterstützung ist die Folge. Der wenige Wind kommt dann auch noch komplett von vorne, Kreuzen im engen Fahrwasser in der Delaware Bay ist nicht möglich. Fazit: Chesapeake hoch geht wunderbar ohne nennenswerte Strömung, Delaware runter ist gräßlich. Die gesamte Bay ist sehr flach, das Fahrwasser eng, viel Berufsschifffahrt ist ebenfalls unterwegs. Die 50 Seemeilen runter schaffen uns mehr, als 500 im offenen Wasser.

                  

(Sämtliche Bananen dieser Welt fahren an uns vorbei)

Es ist schon ein etwas anderes und anspruchsvolleres Segelrevier hier. Man muss sich umstellen. Während wir in der Karibik inzwischen einschätzen konnten, was in einer Wolke steckt (meistens nicht viel), scheint die Lage hier deutlich unberechenbarer zu sein. Außerdem kam der Wind immer aus der nahezu gleichen Richtung, hier sind alle Richtungen möglich. Beim nächsten Mal geht das Segel garantiert früher weg.

Überhaupt bleibt die Wetterlage hier sehr wankelmütig. Wir haben entweder Sturm oder Flaute. (Zur Zeit stürmt es wieder, heute Nacht sind bis 36 kn Wind angesagt).  Grauzonen dazwischen sind rar. Für große Strecken ist das sehr hinderlich, gut, dass wir nur noch popelige 100 sm in einem Stück fahren müssen.

Unterwegs im C& D Channel

Segeln wie in den Schären.

Gestern Morgen verlassen wir vorerst Deltaville. Die Aussichten sind mäßig, wir hoffen auf segelbaren Wind…🙏.
Kaum sind wir im Hauptkanal in Richtung Norden, kommt eine leichte Brise von schräg hinten auf. Jetzt gibt es kein Pardon, der blaue Unhold ( unser Gennaker) muss aus der Kiste. Er bläht sich artig auf und wir gleiten lautlos über das Wasser. Kein Geächzte, kein Knacken, keine Welle, nichts.

Zum ersten! Mal auf unserer Reise liege ich auf dem segelnden Schiff mit dem Buch auf dem Deck. Fast wie Urlaub. Gegen Abend soll der Wind einschlafen, tut er aber nicht. Im Gegenteil, er nimmt zu. Plötzlich haben wir 8 kn Geschwindigkeit bei 14 Knoten wahrem Wind von hinten. Das Ding muss runter. Und wieder gibt es Theater. Obwohl wir den Gennaker in die Abdeckung vom groß bringen, damit der Druck rauskommt, kann Reiner ihn nicht wegrollen. Er zieht und zieht an der Endlosleine, die Furlex dreht sich, das Segel rollt nicht ein.

Wir probieren es mit in den Wind fahren. Noch schlimmer, das geht gar nicht. 140qm sind zuviel, wenn sie im Wind schlagen. Die schlagende Schot verbiegt eine Halterung vom Solarpaneel und zerreißt ein Kabel. Wieder zurück. Da die Holeleine inzwischen auch halb gerissen ist, gehen wir erstmal wieder vor den Wind, um Ruhe ins Schiff zu bekommen. Mir gehen Gedanken wie :“ Abschneiden und versenken“, durch den Kopf. 😡

Reiner repariert die Leine, neuer Versuch in der Abdeckung vom Groß. In einem Moment, in dem der Wind etwas nachlässt, klappt es. Der Gennaker lässt sich einrollen und verschwindet schnell in seiner Tasche. Schnell zu, damit er nicht wieder raus kommt, man weiß ja nie bei dem Ding…….😨

Was ist da bloß nicht richtig? Oder mit uns? Jedesmal gibt es Theater mit dem Ding. Bei 14 Knoten wegrollen, muss doch gehen, oder? Warum dreht die Rollanlage, aber das Segel nicht? Bzw. fängt an, sich aufzurollen, um dann plötzlich wieder aufzugehen obwohl weiter gedreht wird? Doch zu dämlich? Wir haben keine Ahnung. Dabei funktioniert das Segel wirklich gut, wenn es oben ist.

Für den Rest des Tages haben wir schönen Wind auch für die normale Besegelung und müssen noch kurz vor dem Kanal warten, bis die Tide kippt und wir mit der Strömung nach Westen gehen können. Das tun wir gerade. Ebenfalls sehr zügig mit über 7 kn. Gegen den Strom zu fahren, macht hier gar keinen Sinn, schätze, da steht man auf der Stelle…….so sind wir in gut 2 Stunden durch.

Ein hübscher Kanal ist es. Zwischendrin kleine Strände, hinter Bootsstegen liegen einzelne Häuser.
Wir werden durchfahren bis zum Ausgang der Delaware Bay. Dort wird dann gewartet auf den passenden Wind für die letzten Meter nach NY.